«Continuous Pricing»: Die Swiss schraubt an ihren Ticketpreisen
Publiziert

«Continuous Pricing»Die Swiss schraubt an ihren Ticketpreisen

Bei der Swiss gibts bald noch mehr Preisklassen, gleichzeitig werden die Ticketpreise steigen. Einen Zusammenhang gebe es nicht, beteuert die Airline.

von
R. Knecht
1 / 8
Die Swiss hat für 2019 zwei grosse Veränderungen bei den Tickets geplant.

Die Swiss hat für 2019 zwei grosse Veränderungen bei den Tickets geplant.

Keystone/Christian Beutler
Einerseits sollen die Tickets grundsätzlich teurer werden.

Einerseits sollen die Tickets grundsätzlich teurer werden.

Keystone/Christian Beutler
Andererseits soll es künftig noch mehr Preisklassen geben.

Andererseits soll es künftig noch mehr Preisklassen geben.

Keystone/Christian Beutler

Die Swiss will ihr Preismodell überarbeiten und zusätzliche Abstufungen einführen. Zu den aktuellen 26 Buchungsklassen sollen noch weitere Stufen dazukommen. Je nach Auslastung der Flugzeuge springt der Preis eines Flugs dann zwischen diesen Klassen hin und her. Dank der zusätzlichen Stufen sollen die Preissprünge kleiner werden.

Die Swiss und die Muttergesellschaft Lufthansa kämpfen derzeit mit hohen Kerosinpreisen und haben deshalb beschlossen, 2019 die Tickets zu verteuern. Ebenfalls im kommenden Jahr soll das neue Preismodell namens «Continuous Pricing» in Kraft treten, wie der «Zürcher Unterländer» schreibt. Seitens der Lufthansa heisst es, das Modell werde den Kunden nicht mehr Kosten verursachen, sondern neue Preispunkte bieten. «Damit können wir den Anforderungen und der Zahlungsbereitschaft unserer Kunden in noch stärkerem Masse gerecht werden», sagt Swiss-Sprecherin Meike Fuhlrott zu 20 Minuten. Das dürfte also heissen, dass die Airline künftig mehr von Kunden verlangen wird, die sie für besonders zahlungswillig hält.

Preiserhöhung hinter System verstecken

Dass die Billettpreise genau zu dem Zeitpunkt steigen werden, wenn das neue System in Kraft tritt, ist auffällig. Aviatik-Experte Andreas Wittmer von der Universität St. Gallen sagt zu 20 Minuten: «Es ist sinnvoll, Preiserhöhungen hinter einem Preismodell zu verstecken, damit sie weniger offensichtlich sind.» Und weniger würden die Airlines mit dem neuen Modell bestimmt nicht verdienen wollen. Für den Kunden dürfte «Continuous Pricing» also kaum preisliche Vorteile bringen.

Swiss-Sprecherin Fuhlrott sagt jedoch zu 20 Minuten, es gehe bei dem System nicht darum, die höheren Preise zu verstecken: «Grundsätzlich sind unsere Preise durch Angebot und Nachfrage bestimmt und für den Kunden ist der Endpreis für die Kaufentscheidung massgebend.»

Intransparente Billettpreise

Kritiker befürchten, dass mit dem Modell die Preise bei den Airlines noch intransparenter werden. Wenn sich der Ticketpreis immer häufiger verändert, wird dadurch der Konkurrenzvergleich schwieriger. Seitens der Swiss heisst es, dass sich Kunden stärker personalisierte Angebote wünschten. «Die individuelle und kontinuierliche Preisgestaltung widerspiegelt die Dynamik der Nachfrage im Markt», sagt Fuhlrott. Es werde sich darum für Passagiere künftig lohnen, Preise regelmässiger zu überprüfen.

Das neue System wird insbesondere bei stark nachgefragten Flügen bemerkbar sein. Dort wollen die Airlines beim Ticketpreis besonders viel herausholen und gleichzeitig Kunden dazu animieren, weniger ausgelastete Flüge zu buchen. Neu sollen diese preislichen Variationen in immer kleineren Abständen erfolgen. Die Airlines erhoffen sich so eine bessere Kontrolle über die Auslastung ihrer Flugzeuge.

Dynamische Preise: Nur eine Frage der Zeit

Der Begriff «Continuous Pricing» ist an «Dynamic Pricing» angelehnt. Dynamische Preismodelle, bei denen der Preis anhand verschiedener Faktoren angepasst wird, nutzen Airlines schon seit langem und wurden mittlerweile auch in anderen Branchen übernommen. Experten sind sich einig: Dynamische Preise werden früher oder später ebenfalls zur Norm werden. Laut GDI-Forschungsleiterin Karin Frick ist es nur eine Frage der Zeit.

Bleiben Sie über Wirtschaftsthemen informiert

Wenn Sie die Benachrichtigungen des Wirtschaftskanals abonnieren, bleiben Sie stets top informiert über die Entwicklungen der Business-Welt. Erfahren Sie dank des Dienstes zuerst, welcher Boss mit dem Rücken zur Wand steht oder ob Ihr Job bald durch einen Roboter erledigt wird. Abonnieren Sie hier den Wirtschafts-Push (funktioniert nur in der App)!

Social Media

Sie finden uns übrigens auch auf Facebook, Instagram und Twitter!

Deine Meinung