04.09.2020 02:57

«Zelebrierter Austausch von Aerosolen»Tabak-Gegner fordern wegen Corona Schliessung von Shishabars

Die Tabakprävention sieht Shishabars als Virenherd. Auch das beste Schutzkonzept könne Ansteckungen dort nicht verhindern.

von
Bettina Zanni

Darum gehts

  • Die Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz ist der Ansicht, dass Shishabars Ansteckungen mit dem Coronavirus Tür und Tor öffnen.
  • Sie begründet dies unter anderem mit einem «zelebrierten Austausch von Aerosolen».
  • Shishabar-Besitzer Ylber Saiti widerspricht. Den Gästen würden sowohl Einwegschläuche als auch -mundstücke abgegeben.

Schutzkonzepte sollen verhindern, dass Bars, Clubs und Restaurants zu Superspreader-Hotspots mutieren. Auch Shishabars dürfen deshalb seit einigen Monaten wieder Gäste empfangen. Nun geraten diese Lokale aber unter Beschuss. Nach der Anti-Tabak-Lobby öffnen sie Ansteckungen mit dem Coronavirus Tür und Tor.

In Shishabars könnten die Gäste weder auf das Rauchen verzichten noch Masken tragen, sagt Wolfgang Kweitel, Kommunikationsmanager Politik bei der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz. «In Shishabars wird der Austausch von Aerosolen buchstäblich zelebriert.» Beim Rauchen der Pfeifen würden Rauch und Luft in grossem Stil inhaliert und wieder ausgestossen. «So werden in der Luft so viele Aerosole wie an keinem anderen Ort sonst herumgeschleudert.»

«In Shishabars versagt das beste Schutzkonzept»

In einem Blogeintrag führte die Arbeitsgemeinschaft kürzlich ihre Bedenken aus. Darin heisst es auch, dass das kühle Wasser der Pfeifen eine Covid-19-freundliche Umgebung sein könnte. Über Mundstücke und Wasser gelte ein erhöhtes Übertragungsrisiko. Da Wasserpfeifenrunden bis zu einer Stunde dauern, schätzt die Arbeitsgemeinschaft das Gefahrenpotenzial in geschlossenen Räumen als besonders hoch ein.

Die Arbeitsgemeinschaft macht darauf aufmerksam, dass Shishabars in Ländern mit traditionellem Wasserpfeifenkonsum wie dem Iran, Kuwait, Pakistan, Qatar, Saudiarabien und Ägypten wegen der Pandemie geschlossen sind. Laut Wolfgang Kweitel wäre eine Schliessung der Shishabars in der Schweiz nur vernünftig. «In Shishabars kann auch das beste Schutzkonzept nicht genügenden Schutz bieten – es sei denn, man steckt die Gäste in eine luftdichte Vollmontur», sagt Kweitel.

Es sei unverhältnismässig, dass in der Schweiz das hohe Ansteckungsrisiko, das in Shishabars bestehe, in Kauf genommen werde. Einen wichtigen Nutzen hätten diese Lokale nicht. «Einzig ist es jetzt so, dass man in Shishabars nicht nur die Lunge schädigen, sondern auch noch das Coronavirus auflesen kann.»

Plexiglas und Einwegschläuche

Betreiber von Shishabars haben kein Verständnis für die Bedenken. «In einer Shishabar besteht keine grössere Ansteckungsgefahr als woanders», sagt Ylber Saiti, Besitzer der NY Hardys Shishabar in Kloten ZH (siehe Video oben). Den Gästen würden sowohl Einwegschläuche als auch -mundstücke abgegeben. Auf eigene Verantwortung könnten Gäste eine Shisha teilen. Die Wasserpfeifen würden vom Personal vor und nach dem Gebrauch gereinigt und desinfiziert. «All diese Massnahmen waren für uns aber auch schon vor Corona selbstverständlich.»

Laut Saiti verhindert eine eingebaute Lüftung, dass sich der Dampf im Raum sammelt. «Aerosole können so gar nicht in der Luft hängen bleiben und Gäste anstecken.» Neu trennen Plexiglasscheiben die einzelnen Lounges voneinander ab. «Auf diese Weise stecken fremde Gäste einander nicht an.» In den Vierer-Lounges nähmen vor allem Familienmitglieder und enge Freunde Platz. Sollte es doch zu einer Ansteckung kommen, kämen die mittels QR-Code erfassten Daten zum Zug.

Laut Saiti kontrolliert die Polizei fast täglich, ob die Schutzmassnahmen eingehalten werden. Die Forderung, Shishabars nach dem Vorbild von anderen Ländern zu schliessen, hält Saiti für verrückt. «Der Besuch einer Shishabar ist für viele Menschen wichtig. Hier entspannen sie sich und tauschen sich aus.» Zudem wäre eine Schliessung wirtschaftlich fatal. «Dann müsste ich meine Angestellten entlassen, die ihre Familie dann nicht mehr ernähren könnten.»

Keine Ansteckung bekannt

Dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) sowie den von 20 Minuten angefragten Gesundheitsämtern Aargau, Bern und Zürich sind keine Ansteckungen in Shishabars bekannt. «Wenn ein wirkungsvolles Schutzkonzept umgesetzt wird, ist das Risiko nicht grösser als beim Aufenthalt in anderen geschlossenen Räumen», sagt BLV-Mediensprecher Jascha Erich Friedli. Auch die Kantone stufen die Lokale nicht als potenzielle Virenherde ein. «Aus medizinischer Sicht ist nicht ersichtlich, warum das Risiko in einer Shishabar höher als in einer ‹normalen› Bar sein sollte – auf das Verhalten des Einzelnen kommt es an», schreibt etwa die Kommunikationsstelle Coronavirus Kanton Graubünden.

Auch die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren spricht sich nicht für eine Schliessung der Shishabars aus. Da Schutzkonzepte auf die konkreten Verhältnisse vor Ort angepasst sein müssten, sei es angezeigt, dass Shishabars in ihren Schutzkonzepten spezifische Massnahmen vorsehen, sagt GDK-Kommunikationsverantwortlicher Tobias Bär. Zum Beispiel sollte verhindert werden, dass mehrere Personen dasselbe Mundstück benutzen. Die Shishabars werden laut Bär im Rahmen der ordentlichen Kontrollen der kantonalen Behörden zur Einhaltung der Schutzkonzepte kontrolliert.

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143 Kommentare
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larve

04.09.2020, 06:53

einfach Berset fragen, er hat sicher eine Lösung!

Raucher

04.09.2020, 06:51

Ich bin Raucher aber ich war noch nie in einer Shishabar. Mich hat noch niemand dazu gezwungen. Komisch dass immer die Nichtraucher dazu gezwungen werden. Das sind eher die, die am liebsten alles verbieten würden.

Gutgelaunter

04.09.2020, 06:37

Ich kann es kaum fassen, dass ich heute schon wieder extrem do gut gelaunt bin!