Zu subjektiv: Die «Tagesschau» hat jetzt eine Meinung
Aktualisiert

Zu subjektivDie «Tagesschau» hat jetzt eine Meinung

Seit Juli äussern «Tagesschau»-Journalisten
immer öfter ihre persönliche Meinung. Was die Redaktionsleitung still und heimlich eingeführt hat, irritiert Zuschauer und Experten.

von
Gaudenz Looser
Während der «Tagesschau» mit Franz Fischlin wird Hanspeter Trütsch aus Bern zugeschaltet. (Foto: SF drs/H. Stucki)

Während der «Tagesschau» mit Franz Fischlin wird Hanspeter Trütsch aus Bern zugeschaltet. (Foto: SF drs/H. Stucki)

Mehrere aufmerksame «Tagesschau»-Zuschauer haben bei der Ombudsstelle der SRG beanstandet, dass in letzter Zeit zu viele Korrespondenten mit allzu subjektiven Äusserungen zu Wort kämen. Der Ombudsmann bestätigt die neue Mode: Die Korrespondenten nähmen Gewichtungen vor, ordneten Sachverhalte ein, bewerteten Vorgänge und brächten «persönliche Ansichten» ein. Es sei deshalb unerlässlich, dass solche Kommentare auch deutlich erkennbar seien. Laut Thomas Schäppi, Redaktionsleiter der «Tagesschau», entsprechen diese subjektiven Elemente einer «strategischen Neuausrichtung», durch die auf «mehr Hintergrund, Analyse und Einordnung» gesetzt wird. Die Ausgabe um 19.30 Uhr müsse mehr bieten als «einfache Kurznachrichten» und bringe deshalb «vertiefende Analysen» durch «themensichere Journalisten».

Während SF diese Vermischung von neutraler Berichterstattung und subjektiver Meinung als «Mehrwert» verkauft, runzeln Fachleute die Stirn. Der Medienexperte Peter Studer hält fest: «Wenn Kommentare stattfinden, müssen diese klar ersichtlich sein – etwa durch einen ‹Achtung Kommentar›-Einblender.» SVP-Nationalrätin Natalie Rickli kritisiert: «Es ist die Aufgabe der Tagesschau, neutral zu informieren. Ich finde es problematisch, wenn Journalisten ihr politisches Weltbild propagieren.»

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