Aktualisiert 26.07.2011 15:42

Terror gegen Dürreopfer

Die Taliban am Horn von Afrika

Die Al-Shabab-Miliz verhindert Hilfslieferungen an die Hunger leidenden Menschen in Somalia. Die Gruppe ist ein Zerfallprodukt des dortigen Bürgerkriegs und mit der Al Kaida verbandelt.

von
kri

Die Menschen fliehen aus ihren Dörfern in Somalia, in denen es seit drei Jahren nicht mehr geregnet hat. (Video: AP)

Durch die Hungersnot am Horn von Afrika ruft sich der seit 20 Jahren andauernde somalische Bürgerkrieg in die Erinnerung der Weltöffentlichkeit. Entgegen anfänglicher Zusagen weigert sich die islamistische Al-Shabab-Miliz, internationale Hilfslieferungen zu den Notleidenden durchzulassen. Sie bezichtigt westliche Hilfsorganisationen, das Ausmass der Dürre aufzubauschen und in Wahrheit die somalische Bevölkerung zum christlichen Glauben bekehrten zu wollen.

Die Gruppe bekämpft seit Jahren die international anerkannte, aber weitgehend machtlose Zentralregierung in Mogadischu und kontrolliert weite Teile Somalias. Dort herrschen die archaischen Gesetze der Scharia, etwa Arm- und Beinamputationen für Diebe sowie Arbeitsverbote für Frauen. Vor zwei Jahren schworen einzelne Mitglieder der Gruppe dem Terrornetzwerk Al Kaida Treue.

Seit 2006 terroristisch aktiv

Das letzte Mal, als Al Shabab von sich reden machte, war 2010 während der Fussball-WM in Südafrika. In der ugandischen Hauptstadt Kampala waren während der Übertragung des Finals in einem äthiopischen Restaurant sowie in einem Rugby-Club Sprengsätze explodiert. Al Shabab bekannte sich zu den Anschlägen, bei denen 76 Menschen ums Leben kamen. Sie erklärte damals, sie seien die Rache für die Beteiligung Ugandas an der Friedenstruppe der Afrikanischen Union in Somalia.

Die militante Gruppe verübt seit Jahren regelmässig Terroranschläge, von denen die Weltöffentlichkeit zu Beginn aufgrund der täglichen Gewalt im Irak aber kaum Notiz nahm. Ein (gescheitertes) Selbstmordattentat 2006 galt dem damaligen somalischen Präsidenten Abdullahi Jussuf Ahmed und wurde von ehemaligen Mitgliedern der Union Islamischer Gerichte (Islamic Courts Union - ICU) ausgeführt.

Die ICU war eine Oppositionsgruppe, die nach Jahren des Chaos seit dem Sturz des Diktators Siad Barre 1991 in Somalia wieder Ordnung herzustellen versuchte. Der ICU gehörten führende Geistliche und selbst der derzeitige Präsident Scharif Scheik Ahmed an. Zunächst gemässigt, entwickelte sie nach einem Jahr radikalislamische Züge ähnlich den Taliban in Afghanistan. Die ICU splitterte sich auf; der konservative militante Flügel setzte sich durch und gründete Al Schabab.

Rekrutierung von Ausländern

Al Schabab versucht die somalische Regierung zu stürzen und kämpft auf den Strassen Mogadischus Tag für Tag gegen Soldaten der Regierung und der Afrikanischen Union. In den vergangenen zwei Jahren sind internationalen Experten zufolge einige Hundert Ausländer mit Kampferfahrung in Afghanistan, Pakistan und im Irak dazugestossen. Auch somalischstämmige US-Bürger wurden rekrutiert und bei Selbstmordanschlägen eingesetzt.

Eines der bekanntesten ausländischen Mitglieder ist Abu Mansur al Amriki (der Amerikaner), der in den USA aufwuchs und zur Schule ging. Momentan ist unklar, ob er noch am Leben ist oder bei einem US-Drohnenangriff getötet wurde. Dasselbe gilt für den nominellen Anführer der Al Shabab, Ibrahim al Afghani.

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