«Die Taliban, die den Flughafen torpedieren ...»

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Leuthard wird deutlich«Die Taliban, die den Flughafen torpedieren ...»

Bei den Deutschen ist Feuer im Dach. Grund: Doris Leuthard verglich deutsche Fluglärmgegner mit Terroristen.

Andy D. Veraguth
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Andy D. Veraguth
Bundesrätin Doris Leuthard sprach Klartext.

Bundesrätin Doris Leuthard sprach Klartext.

Bundesrätin Doris Leuthard wurde deutlich: Anlässlich eines Podiumsgesprächs forderte sie den Chef der deutschen CDU-Fraktion, Volker Kauder auf, «die Taliban, die den Flughafen Kloten torpedieren», in die Schranken zu weisen. Nachdem der Ausspruch in den Medien rapportiert wurde, kocht die süddeutsche Seele (siehe auch Interview in der Info-Box).

Rolf Weckesser von den Fluglärmgegnern Waldshut: «Wir müssen Frau Doris Leuthard darauf hinweisen, dass unsägliche Verunglimpfungen keinen Lösungsvorschlag der Schweiz ersetzen.» Kauders Bruder Siegfried, auch ein Fluglärmgegner, bezeichnete Leuthards Vergleich als «absolut geschmacklos». Aus der Schweiz kommen dagegen mehrheitlich positive Reaktionen: Die Parteikollegin von Leuthard, Nationalrätin Kathy Riklin, meint, das Fluglärmproblem lasse sich nicht anders lösen, wie der «Tages-Anzeiger» schrieb. Nebst dem Zürcher Regierungsrat Ernst Stocker reagiert auch Zürichs Stadtpräsidentin Corine Mauch wohlwollend: Der Spruch sei zwar ungeschickt, aber verständlich, wie Radio 1 meldete. Ex-Botschafter Thomas Borer hält es laut Tages-Anzeiger.ch gar für möglich, dass der Taliban-Vergleich eine Lösung im Fluglärmstreit näher rücken lassen könnte.

Leuthards Departement krebst nicht zurück: «Bundesrätin Leuthard hat Klartext gesprochen, weil die beiden Delegationen vereinbart haben, bis Ende Jahr Eckwerte für eine Lösung finden zu wollen.»

«Das ist, wie jemanden einen Nazi zu nennen»

Herr Gantzer*, als deutscher Fluglärmgegner sind Sie laut unserer Bundesrätin Leuthard ein Taliban. Was sagen Sie dazu?

Für mich ist das ein unsäglicher Vergleich, der wohl dem Wahlkampf geschuldet ist. Es ist, wie wenn man bei uns jemanden einen Naziverbrecher nennt. Der Vergleich mit der Kavallerie von Peer Steinbrück ging ja auch schon zu weit, diese Äusserung ist jetzt aber noch schärfer.

14 Prozent aller in Zürich abfliegenden Passagiere wohnen in Deutschland, viele fliegen von Zürich aus in die Ferien. Ist Ihr radikaler Widerstand da nicht fehl am Platz?

Auch wir nutzen den Flughafen Zürich. Viele dieser 14 Prozent sind aber Transit-Passagiere.

Süddeutschland profitiert mit Tausenden Grenzgängern massiv vom starken Wirtschaftsstandort Zürich, der den Flughafen braucht. Schiessen Sie sich nicht in den eigenen Fuss?

Wir haben rund 12 000 Grenzgänger, am Flughafen arbeiten aber allenfalls nur ein paar hundert. Die wirtschaftliche Bedeutung Klotens ist für meinen Landkreis Waldshut von ganz geringer Bedeutung.

*Jörg Gantzer ist stellvertretender Landrat des Landkreises Waldshut.

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