Aktualisiert 14.07.2009 14:24

AfghanistanDie Taliban sind wieder auf dem Vormarsch

Die radikal-islamischen Taliban gewinnen in Afghanistan zunehmend auch ausserhalb ihrer traditionellen paschtunischen Bevölkerungsgruppe an Einfluss. Dies sei unter anderem auf die Solidarität der Muslime gegen die empfundene Besatzung zurückzuführen.

«Gewaltiger wachsender Ärger über das Verhalten der ausländischen Truppen hat bereits zur Annäherung von Gruppen [an die Taliban] geführt, die früher das internationale Engagement in Afghanistan unterstützt haben», heisst es in der am Dienstag Untersuchung. des «Afghan Analysts Network».

Sollte sich dieser Trend fortsetzen, dann «hat der Aufstand das Potenzial, sich über ethnische Grenzen und religiöse Differenzen hinweg zu einer noch breiteren afghanisch-nationalistischen Bewegung zu entwickeln».

Muslimische Solidarität

Neben dem zunehmenden Eindruck einer «Besatzung» durch ausländische Soldaten trügen auch andere Faktoren dazu bei, dass Nicht-Paschtunen sich zu den Taliban hingezogen fühlten, schreibt der Autor der Studie, der deutsche Afghanistan-Experte Thomas Ruttig. Er zählt dazu unter anderem anti-westliche Gefühle und einen Anstieg der internationalen muslimischen Solidarität.

Es sei unwahrscheinlich, dass der Aufstand mit einer vornehmlich militärischen Strategie niedergeschlagen werden, die Gewalt beendet und Afghanistan stabilisiert werden könne. Ruttig ruft zu einer langfristigen «Versöhnungs-Strategie» mit den verschiedenen Aufständischen-Gruppen auf, die über Gespräche hinausgeht.

Unbeliebtes Regime

Die bisherigen Versuche der «Versöhnung» mit den Aufständischen seien an falschen Annahmen gescheitert, heisst es in der Studie weiter.

«Individuen und Gruppen wurden dazu gedrängt, sich der vorhandenen Regierung anzuschliessen. Das übersieht die Tatsache, dass der Charakter des Regimes selber einer der Gründe für viele Aufständischen ist, zu den Waffen zu greifen.» Die afghanische Regierung könne daher nicht als neutraler Vermittler auftreten.

(sda)

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