Bombe am Times Square: Die Taliban wären es gerne gewesen

Aktualisiert

Bombe am Times SquareDie Taliban wären es gerne gewesen

Nach dem Bombenalarm in New York sind im Internet drei Videos aufgetaucht, auf denen die Taliban die Verantwortung für das gescheiterte Attentat übernehmen wollen.

Die US-Behörden spielen die Möglichkeit herunter, dass die Radikalislamisten dahinterstecken könnten. Sie hätten gar nicht die weltweite Infrastruktur dafür, heisst es. Allerdings sind die pakistanischen Taliban mit Terrornetzen wie Al-Kaida verbündet, mit deren Hilfe sie ihre Reichweite steigern könnten.

Der in einem qualmenden Geländewagen entdeckte Sprengsatz hatte offensichtlich nicht richtig gezündet. Er bestand nach offiziellen Angaben unter anderem aus drei Gasbehältern, zwei Benzinkanistern, Feuerwerkskörpern, zwei Batterieweckern und Verdrahtungen.

«Angriffe unserer Fedajin»

Das aussagekräftigste der Videos ist fast neun Minuten lang. Der auf die Überwachung extremistischer Websites spezialisierten Organisation IntelCenter zufolge stellt es Hakimullah Mehsud dar, der Anführer der pakistanischen Taliban. Ohne New York direkt zu erwähnen, datiert er seine Äusserungen auf den 4. April und kündigt an, dass «sehr bald, in ein paar Tagen oder in einem Monat, die Muslime die Früchte der erfolgreichsten Angriffe unserer Fedajin in den USA sehen werden».

Der Begriff Fedajin bezeichnet normalerweise Selbstmordattentäter, was auf den Vorfall in New York nicht zutrifft. Mehsud dementiert im Übrigen Angaben aus Pakistan und den USA, er sei bei einem amerikanischen Raketenangriff im Januar getötet worden.

Landkarte mit Explosionen

Ein anderes Video zeigt IntelCenter zufolge ein Bild von Mehsud neben einer Landkarte der USA, die Explosionen in drei Städten darstellt. Die Karte ist jedoch nicht detailliert genug, um die Städte zu erkennen. Der Clip ist zwei Minuten und 19 Sekunden lang und am 19. April aufgenommen worden. Eine Stimme - angeblich die Mehsuds - kündigt an, dass amerikanische Städte von nun an die Hauptziele seien und dass «innerhalb einiger Tage oder Wochen gute Nachrichten zu hören» sein würden.

Das dritte Video ist eine Minute und elf Sekunden lang und scheint sich auf den Anschlagsversuch in New York zu beziehen, wie die ebenfalls auf die Beobachtung extremistischer Web-Botschaften spezialisierte SITE-Gruppe berichtet. Allerdings wird weder ein genauer Ort noch eine Autobombe erwähnt. Der Sprecher äussert sich in einer Weise, als ob der Anschlag gelungen sei, und bezeichnet ihn als Vergeltung für den Tod des früheren Taliban-Chefs Baitullah Mehsud durch eine US-Rakete und der Al-Kaida-Führer Abu Omar al Baghdadi und Abu Ajub al Masri im Irak.

Bekennerbotschaft zurückgezogen

SITE entdeckte das Video auf YouTube. Später wurde es jedoch offenbar von der Website genommen. Es war zunächst nicht klar, ob die Taliban es in Erwartung eines erfolgreichen Anschlags vorbereitet hatten und nach dem Scheitern zurückzogen. Auf einer von SITE zur Verfügung gestellten Kopie des Videos erklärt ein nicht identifizierter Sprecher auf Urdu, die Gruppe übernehme «die volle Verantwortung für den jüngsten Anschlag in den USA».

Die in den drei Videos gemachten Angaben konnten zunächst nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden. Die New Yorker Polizei hat erklärt, es gebe keinen Hinweis darauf, dass die Taliban hinter dem versuchten Anschlag steckten. Am Montag wurde das Bekenntnis von der Gruppe, Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP), nun dementiert. Sie wüssten nichts von dem angeblichen Bekennervideo ihrer Gruppe, erklärte ihr Sprecher Azam Tariq. (dapd)

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