11.10.2020 18:22

Vitiligo«Die Tattoos helfen mir, mit meiner Krankheit umzugehen»

Nathalie leidet, seit sie 16 Jahre alt ist, an Vitiligo, der Weissfleckenkrankheit. Tattoos haben ihr geholfen, die Krankheit zu akzeptieren.

von
Meret Steiger
1 / 6
Das ist Nathalie.  Sie ist 34 Jahre alt und Besitzerin eines Kosmetikstudios.

Das ist Nathalie. Sie ist 34 Jahre alt und Besitzerin eines Kosmetikstudios.

privat
Mit 16 Jahren wurde die junge Frau mit Vitiligo, der Weissfleckenkrankheit, diagnostiziert: «Angefangen hat es mit einem Zweifränkler-grossen Fleck am Bauch, aber die Krankheit breitet sich aus», sagt Nathalie.

Mit 16 Jahren wurde die junge Frau mit Vitiligo, der Weissfleckenkrankheit, diagnostiziert: «Angefangen hat es mit einem Zweifränkler-grossen Fleck am Bauch, aber die Krankheit breitet sich aus», sagt Nathalie.

privat
«Sie ist nicht heilbar und kann sich im Laufe des Lebens langsam immer weiter ausbreiten. Es könnte also sein, dass ich irgendwann ganz weiss bin», sagt Nathalie.

«Sie ist nicht heilbar und kann sich im Laufe des Lebens langsam immer weiter ausbreiten. Es könnte also sein, dass ich irgendwann ganz weiss bin», sagt Nathalie.

privat

Darum gehts

  • Nathalie wurde mit 16 Jahren mit Vitiligo, der Weissfleckenkrankheit diagnostiziert.
  • Bei dieser Krankheit bilden sich weisse Flecken auf der Haut.
  • Mit Tattoos hat sich Nathalie einen Schutz aufgebaut.
  • Heute liebt sich die 34-Jährige trotz Hautkrankheit.

Nathalie, was ist an dir besonders?

Ich habe seit meinem 16. Lebensjahr Vitiligo (Weissfleckenkrankheit). Man kennt die Krankheit zum Beispiel durch das Model Winnie Harlow. Sie ist nicht heilbar und kann sich im Laufe des Lebens langsam immer weiter ausbreiten. Es könnte also sein, dass ich irgendwann ganz weiss bin.

Was ist Vitiligo?

Vitiligo, auch Weissfleckenkrankheit oder Scheckhaut genannt, ist eine chronische, nicht ansteckende Hauterkrankung, die etwa 0,5 bis 2 % der Weltbevölkerung betrifft. Typisch sind Pigmentstörungen in Form weisser, pigmentfreier Hautflecken, die sich langsam ausweiten können, aber nicht unbedingt müssen.

Die Ursache ist unbekannt, es werden permanente oder vorübergehende autoimmune Blockierungen oder Zerstörung der Melanozyten (pigmentbildenden Zellen der Haut) angenommen. Die Erkrankung tritt oft zusammen mit anderen Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto-Thyreoiditis, Diabetes Typ 1 oder bestimmten Arten von Anämie auf.

Wie bist du mit der Diagnose umgegangen?

Anfangs war es schon schlimm. Ich bin Kosmetikerin und das perfekte Erscheinungsbild, die perfekte Haut war mir sehr wichtig. Ich hatte aber auch ständig Angst, dass neue Flecken kommen würden. Angefangen hat es mit einem Zweifränkler-grossen Fleck am Bauch, aber die Krankheit breitet sich aus. Ich habe mich anfangs versteckt, habe die Flecken, so gut es ging, mit Make-up abgedeckt. Im Winter war das noch eine Option, aber im Sommer, wenn die «normale» Haut dann auch noch brauner wurde, haben die weissen Stellen richtig geleuchtet.

Wurdest du gehänselt oder angestarrt?

Nicht direkt gehänselt, aber angestarrt auf jeden Fall. Anfangs war es für mein Selbstbewusstsein eine harte Probe, wenn ich die Blicke von Fremden gespürt habe. Mir wäre es echt lieber gewesen, die Menschen hätten mich direkt gefragt, was ich da habe.

Wie geht es dir heute?

Irgendwann wurde es mir zu blöd, die Flecken ständig abzudecken. Ich wusste, jetzt muss ich einfach lernen, damit zu leben. Ich werde auch weniger angestarrt, weil die Krankheit bekannter geworden ist. Am meisten «Probleme» habe ich heute mit der Sonne, ich verbrenne mich einfach wahnsinnig schnell. Ich trage immer Lichtschutzfaktor 80 im Gesicht und 50 am Körper. Trotzdem darf ich nicht zu lange in der Sonne sein. Aber daran gewöhnt man sich.

Was hat dir dabei geholfen, deine Krankheit zu akzeptieren?

Tattoos! Ich habe mit 21 Jahren angefangen, meine Haut mit Pin-up- und Oldschool-Motiven zu tätowieren. Für mich waren die Flecken immer eine Art «Durchlässigkeit», als hätten sie mich schutzloser, angreifbarer gemacht. Als wären es Löcher in meiner Haut. Durch die Tattoos konnte ich mir wieder einen Schutz aufbauen, ich fühle mich durch sie stärker und schöner.

Hast auch du eine Geschichte zu erzählen?

Entsprichst du nicht den klassischen Schönheitsidealen, hast du viele Tattoos oder auch Body-Modifications? Hast du eine Krankheit, mit der du zu leben gelernt hast, oder hattest du einen Unfall, und seither ist alles anders, aber nicht unbedingt schlechter? Dann erzähle uns davon!Für das Format «Lovely Me» suchen wir Männer und Frauen, die nicht den klassischen Schönheitsidealen unserer Zeit entsprechen und sich trotzdem, oder gerade deswegen, wohlfühlen.

Wenn du uns von deinen Erfahrungen mit Selbstliebe und Body-Positivity erzählen möchtest, dann melde dich hier im Formular.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.