Chérif Kouachi: Die Terror-Brüder Kouachi grinsen in die Kamera
Aktualisiert

Chérif KouachiDie Terror-Brüder Kouachi grinsen in die Kamera

Nach dem Attentat in der Redaktion «Charlie Hebdo» fahndet die Polizei nach den Brüdern Chérif und Said Kouachi. Die beiden sind der Polizei schon seit zehn Jahren bekannt.

von
woz/ann
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Der 32-jährige Chérif Kouachi (links) und sein 34-jähriger Bruder Saïd wurden nach einer Geiselnahme in Dammartin erschossen.

Der 32-jährige Chérif Kouachi (links) und sein 34-jähriger Bruder Saïd wurden nach einer Geiselnahme in Dammartin erschossen.

Keystone/AP
Der 32-jährige Amedy Coulibaly war der Geiselnehmer im jüdischen Lebensmittelgeschäft. Er wurde von der Polizei während der Befreiungsaktion erschossen.

Der 32-jährige Amedy Coulibaly war der Geiselnehmer im jüdischen Lebensmittelgeschäft. Er wurde von der Polizei während der Befreiungsaktion erschossen.

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2009 wurde er in einer Zeitung porträtiert. Er traf den damaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy und schüttelte ihm die Hand.

2009 wurde er in einer Zeitung porträtiert. Er traf den damaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy und schüttelte ihm die Hand.

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Die Polizei hat die Namen und Fotos der beiden gesuchten Pariser Attentäter veröffentlicht: Es handelt sich um zwei Brüder – Chérif (32) und Said (34) Kouachi. Der Pass von Said Kouachi soll die Ermittler auf die Spur der Attentäter gebracht haben: Er lag in einem der Fluchtfahrzeuge.

Die beiden wurden in Paris geboren und besitzen die französische Staatsbürgerschaft. Ihre Eltern, die aus Algerien eingewandert waren, sind früh gestorben. Die Kouachi-Brüder wuchsen deshalb im Kinderheim auf.

Chérif und Said sind der Polizei schon lange bekannt

Chérif Kouachi ist der bekanntere der beiden. Er bezeichnete sich gemäss französischen Medien als «Gelegenheitsmuslim» und nennt sich offenbar auch Abou Issen. Er arbeitete als Fitnesslehrer und kiffte gerne. Andere Quellen berichten, Chérif habe als Pizzakurier gearbeitet.

Die beiden Brüder waren zum ersten Mal 2005 aufgefallen, als sie 22 und 24 Jahre alt waren. Im Zusammenhang mit der Zerschlagung der Dschihadisten-Rekrutierungs-Zelle «des Buttes-Chaumont» im 19. Arrondissement in Paris waren die beiden verhaftet worden. Die Gegend gilt als Problemviertel mit zahlreichen Sozialwohnungen, wo unzählige junge muslimische Franzosen ohne Perspektive leben.

Schon damals – etwas weniger als zwei Jahre nach der US-Intervention im Irak und dem Sturz Saddam Husseins – gab es Fanatiker, die gegen die USA in den Krieg ziehen wollten. Chérif Kouachi war einer von ihnen. Er hatte bereits ein Ticket für den Flug nach Syrien und war bereit, als Selbstmordattentäter im Kampf gegen die Amerikaner im Irak zu sterben. Die Polizei verhaftete ihn, kurz bevor er abflog.

Chérif schleuste Kämpfer in den Irak

Radikalisiert wurden die beiden gemäss «Le Figaro» von Farid Benyettou, gleich alt wie Said und selbsternannter Imam. Er habe für zahlreiche junge muslimische Franzosen mit afrikanischen Wurzeln eine Guru-Rolle eingenommen (siehe Box). Benyettou fiel schon mit 18 durch seine extremen Ansichten auf. Er war offenbar von seinem Schwager beeinflusst worden, den die Behörden 2004 des Landes verwiesen.

2008 wurde Chérif für seine Dschihad-Pläne und seine Mitwirkung in «des Buttes-Chaumont» verurteilt. Das Urteil lautete damals auf drei Jahre Gefängnis, wovon 18 Monate bedingt. Während des Prozesses bekräftigte er vor Gericht seine Unterstützung für den bewaffneten Aufstand gegen die US-geführte Mission im Irak. Angefacht wurde seine Wut nach eigenen Angaben durch TV-Bilder von Folterungen irakischer Gefangener in der US-Haftanstalt in Abu Ghraib.

Dritter Tatverdächtiger stellt sich der Polizei

Bekannte der beiden Brüder sagten einer französischen Radiojournalistin, dass diese früher Faulpelze waren. Einer der beiden sei «naiv und beeinflussbar gewesen».

Chérif und Said Kouachi sind noch immer auf der Flucht, während sich der dritte Tatverdächtige am Mittwochabend der Polizei gestellt hat. Der 18-jährige Mourad Hamyd, der offenbar der Schwager von Chérif ist und in jener Gemeinde wohnt, aus der Chérifs Ehefrau stammt, beteuert gemäss Medienberichten seine Unschuld. Er sei zur Zeit des Attentats in der Schule gewesen. Er wird verdächtigt, den Brüdern geholfen zu haben.

Farid Benyettou

Der selbsternannte Imam und Salafist soll die Kouachi-Brüder radikalisiert haben. Der Franzose mit algerischen Wurzeln gilt als Koran-Kenner. Er soll zwischen 2003 und 2005 zehn junge muslimische Franzosen mit afrikanischen Wurzeln in den Irak geschickt haben. Man sagt ihm Verbindungen zur Al Qaeda nach. Er wurde damals zu sechs Jahren Haft verurteilt.

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