Grosse Erwartungen: Die teure Teilchenjagd am Cern geht wieder los
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Grosse ErwartungenDie teure Teilchenjagd am Cern geht wieder los

Ende März starten am Cern neue Versuche. Trotz hoher Kosten lohne sich die Forschung, sagt Physiker Günther Dissertori.

von
M. Bieli/S. Russo
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Stolz hatten die Wissenschaftler des Cern am 4. Juli 2012 in Genf zu einer Pressekonferenz geladen, um die Weltöffentlichkeit über ihre Erfolge bei der Suche nach dem Higgs-Teilchen zu informieren.

Stolz hatten die Wissenschaftler des Cern am 4. Juli 2012 in Genf zu einer Pressekonferenz geladen, um die Weltöffentlichkeit über ihre Erfolge bei der Suche nach dem Higgs-Teilchen zu informieren.

Reuters/Stringer
Das Higgs-Teilchen ist nach dem britischen Physiker Peter Higgs benannt, der die Existenz dieses Bausteins der Materie in den Sechzigerjahren erstmals theoretisch begründete. Dieser liess sich die Show natürlich nicht entgehen und erschien ebenfalls in Genf.

Das Higgs-Teilchen ist nach dem britischen Physiker Peter Higgs benannt, der die Existenz dieses Bausteins der Materie in den Sechzigerjahren erstmals theoretisch begründete. Dieser liess sich die Show natürlich nicht entgehen und erschien ebenfalls in Genf.

Reuters/Denis Balibouse
Der Eindruck täuscht: Die Spannung war gross. Und sobald die Veranstaltung begonnen hatte, ...

Der Eindruck täuscht: Die Spannung war gross. Und sobald die Veranstaltung begonnen hatte, ...

Reuters/Denis Balibouse

Der Nachweis des Higgs-Teilchens am Kernforschungszentrum Cern sorgte 2012 für Schlagzeilen. Nach einer zweijährigen Pause werden die Forscher dort nun nach weiteren Teilchen suchen. Beispielsweise nach solchen der sogenannten Dunklen Materie: Dass diese existiert, darüber sind sich die Physiker einig. Sie konnte aber bisher nicht direkt nachgewiesen werden.

Um neue Teilchen aufzuspüren, wurde die Anlage kräftig aufgerüstet. Kostenpunkt: 150 Millionen Franken. Doch ob sich dadurch tatsächlich Neues entdecken lässt, wissen selbst die Cern-Wissenschaftler nicht.

Herr Dissertori*, das Cern ist ein Prestigeobjekt – aber was bringt uns die Forschung dort?

Sie wird unser Verständnis des Universums erweitern. Zudem dürften als Nebenprodukt praktische Anwendungen entstehen. Welche, das ist heute noch schwierig vorauszusehen. Ebenso wie viele heute selbstverständliche Technologien in der Vergangenheit nicht vorhersehbar waren. Beispielsweise gäbe es kein iPhone, hätte man nicht im 19. Jahrhundert entdeckt, wie elektromagnetische Strahlung beschaffen ist.

Nervt es Sie, Ihre Forschung immer rechtfertigen zu müssen?

Es ist eigentlich schon verwunderlich – da finden wir das Higgs-Teilchen, einen Moment lang wird gefeiert, und dann wird man schon gefragt, ob man den Laden jetzt nicht dichtmachen könnte. Mir persönlich macht das zu schaffen. Klar kostet die Forschung am Cern, aber sie verteilt sich auf viele verschiedene Länder. Die Schweiz zahlte im Jahr 2014 gut 40 Millionen Franken – nicht mal einen Fünfliber pro Einwohner.

Doch was, wenn die Suche nach neuen Teilchen erfolglos bleibt?

Dann wird es sicherlich schwieriger, die Leute von der Notwendigkeit der Teilchenforschung zu überzeugen. Möglich, dass das Cern dann den Rückhalt und damit seine aussergewöhnliche Stellung verliert. Für den Forschungsplatz Europa wäre das tragisch.

*Günther Dissertori ist Teilchenphysiker an der ETH Zürich und arbeitet an Experimenten im Cern mit.

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