Schwarze Liste: «Die These des ungleichen Lohns fällt zusammen»
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Schwarze Liste«Die These des ungleichen Lohns fällt zusammen»

Unternehmen, die Frauen weniger Lohn zahlen, sollen auf eine schwarze Liste kommen. Die Pläne der Gewerkschaften stossen auf Widerstand.

von
ehs
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Die Gewerkschafts-Dachorganisation Travail Suisse plant eine schwarze Liste. Auf ihr sollen Unternehmen stehen, die Frauen systematisch weniger Lohn zahlen als Männern.

Die Gewerkschafts-Dachorganisation Travail Suisse plant eine schwarze Liste. Auf ihr sollen Unternehmen stehen, die Frauen systematisch weniger Lohn zahlen als Männern.

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Das Thema Lohngleichheit beschäftigte auch die Teilnehmer der 1.-Mai-Umzüge (hier in Zürich). Im Parlament wird derzeit über ein Gesetz beraten, das die gesetzlich verankerte Lohngleichheit regeln soll.

Das Thema Lohngleichheit beschäftigte auch die Teilnehmer der 1.-Mai-Umzüge (hier in Zürich). Im Parlament wird derzeit über ein Gesetz beraten, das die gesetzlich verankerte Lohngleichheit regeln soll.

Keystone/Patrick Huerlimann
FDP-Ständerat Andrea Caroni hält nichts von der schwarzen Liste. Lohndiskriminierung liege kaum am Geschlecht. SP-Nationalrätin Barbara Gysi hingegen sagt, mit dem Gesetz könne etwas erreicht werden – sonst brauche es vielleicht eine Volksinitiative.

FDP-Ständerat Andrea Caroni hält nichts von der schwarzen Liste. Lohndiskriminierung liege kaum am Geschlecht. SP-Nationalrätin Barbara Gysi hingegen sagt, mit dem Gesetz könne etwas erreicht werden – sonst brauche es vielleicht eine Volksinitiative.

Keystone/Peter Schneider

Unternehmen, die Frauen nicht den gleichen Lohn zahlen wie Männern, könnten sich bald auf einer schwarzen Liste wiederfinden. Der Gewerkschafts-Dachverband Travail Suisse hat beschlossen, eine solche zu lancieren. Auf die Liste sollen gemäss einer Mitteilung Unternehmen kommen, die Lohngleichheit «nicht gemäss einer wissenschaftlich und juristisch anerkannten Methode überprüfen».

Wenn sich ein Unternehmen wiederholt weigere, über Lohngleichheit zu sprechen oder keine Überprüfung vornehme, werde sein Name auf eine zentrale Liste gesetzt, so Travail Suisse. Die Lohndiskriminierung von Frauen belaufe sich in der Schweiz auf jährlich mehr als 7 Milliarden Franken. Das entspreche durchschnittlich 600 Franken weniger Lohn pro Monat – «nur weil eine Arbeitnehmende eine Frau ist».

«So würde ein Bürokratiemonster geschaffen»

Gegen die Liste stellt sich der Schweizerische Arbeitgeberverband. Präsident Valentin Vogt sagt: «Wir haben bewiesen, dass wir das Thema ernst nehmen.» Nach dem Rechnungsmodell des Bundes betrage die unerklärte Lohndifferenz noch sieben Prozent. Darin noch nicht berücksichtigt seien Faktoren wie Unterbrüche im Erwerbsleben oder Weiterbildungen. Werde das berücksichtigt, sinke die Differenz auf ein bis zwei Prozent.

«Unternehmer haben grosses Interesse an Lohngleichheit. Es geht darum, das grosse Arbeitspotenzial der Frauen weiter auszuschöpfen», so Vogt. Schwarze Listen würden das Land nicht weiterbringen und entsprächen nicht unserer Kultur. Auch verpflichtende Analysen per Gesetz lehnt der Arbeitgeberverband ab: «Damit würde ein unnötiges Bürokratiemonster geschaffen», sagt Vogt.

«These fällt zusammen wie ein Soufflé»

FDP-Ständerat Andrea Caroni sagt: «Sinnvoller wäre, wenn der Bundesrat eine Analyse mit allen relevanten Faktoren machen würde.» Dazu gehörten insbesondere die gesamte Berufserfahrung und die Bereitschaft, Überstunden zu leisten. «Wenn das einberechnet wird, fällt die These der Lohndiskriminierung zusammen wie ein Soufflé», sagt er.

Unterschiedliche Löhne erklärten sich nicht mit dem Geschlecht, sondern mit der Frage, ob jemand Kinder betreue oder nicht. Zwar seien das mehrheitlich die Frauen. «Das ist aber ein innerfamiliärer Entscheid», sagt Caroni. Die Aufteilung müsse in der Familie abgemacht werden. Es gehe deshalb darum, die Vereinbarkeit zu fördern. «Das ist Ursachen- statt Symptombekämpfung.»

Kommt nun die Volksinitiative?

Die SP-Nationalrätin und Vizepräsidentin Barbara Gysi sagt, grundsätzlich begrüsse sie es, Diskriminierung öffentlich zu machen. Die schwarze Liste sei aber ein Eingeständnis, dass auf dem Gesetzesweg nichts erreicht werden könne.

Tatsächlich argumentiert Travail Suisse, dass die parlamentarische Kommission, die sich mit dem neuen Gesetz zur Lohngleichheit beschäftigt, den Entwurf bereits verwässert habe. Es sei zu befürchten, dass er noch weiter abgeschwächt werde und ein Gesetz ohne Verpflichtungen oder Sanktionen übrig bleibe.

Es sei aber zu früh, die Flinte bereits ins Korn zu werfen, sagt Gysi. «Wir müssen nun Druck aufsetzen, dass das Gesetz mit griffigen Massnahmen kommt und nicht von vornerehein darauf setzen, dass wir nichts erreichen können.» Firmen sollten demnach verpflichtet werden, ihre Löhne selbst zu überprüfen. Komme tatsächlich ein Gesetz ohne solche Massnahmen, sei eine schwarze Liste sowieso ein zu schwaches Instrument: «Dann müssen wir uns überlegen, ob es eine Volksinitiative braucht.»

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