Ausbreitung im Norden: Die Tigermücke reist per Auto und Zug
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Ausbreitung im NordenDie Tigermücke reist per Auto und Zug

Im Süden der Schweiz breitet sich die Tigermücke weiter aus. Auch im Norden muss man künftig mit ihr rechnen. Trotzdem sind die Bedingungen für Mücken nicht gerade günstig.

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vro

Die Ergebnisse des Tigermückenmonitorings sehen Sie im Video. (Quelle: Standeskanzlei Graubünden)

Im Kanton Graubünden wurde 2016 ein Tigermücken-Monitoring durchgeführt. Nun liegen die ersten Ergebnisse vor, wie das kantonale Amt für Natur und Umwelt am Montag mitteilte. Während eines Jahres wurden rund 100 Eierfallen aufgestellt. Das Monitoring konzentrierte sich auf das südliche Misox und die Raststätten an der A13, wie es in der Mitteilung heisst. In 15 Eierfallen wurden Tigermückeneier nachgewiesen. Bei zwei Proben wurden bis zu 100 Eier gefunden, bei drei bis zu 50.

Die Behörden wollen das Monitoring nun auch im laufenden Jahr fortführen. Das Gebiet soll dazu gegen Norden ausgedehnt werden. Auch im Tessin steht die Tigermücke unter Beobachtung. Laut dem Mückenexperten Peter Lüthy hat sie sich praktisch in allen Gemeinden dort festgesetzt und ist nicht mehr auszurotten.

«Ausbreitung kann man nicht verhindern»

Bei ihrer Verbreitung nutzt die Tigermücke den Verkehr. Sie reist in Autos und Zügen von Italien Richtung Norden, erklärt Lüthy. «Daher findet man regelmässig Eigelege an Stationen an den von Süden nach Norden führenden Verkehrswegen. So konnte sich die Tigermücke in Freiburg im Breisgau am Terminal der Gütertransitlinie Novara-Freiburg festsetzen.»

Die Zukunftsprognose sieht für die Tigermücke rosig aus: «Eigelege von Tigermücken wird man bei uns auch auf der Alpennordseite an neuralgischen Punkten vom Wallis bis an den Bodensee vermehrt finden», so Lüthy. Ob sie sich jedoch endgültig etablieren können, hänge davon ab, ob genug Eier den Winter überstehen und ob sie sich in der darauf folgenden warmen Jahreszeit stark genug vermehren können.

«Wie die Erfahrungen aus dem Tessin zeigen, kann man Festsetzung und Ausbreitung – wenn die klimatischen Verhältnisse geeignet sind – nicht verhindern. Wichtig ist aber, dass man die Ausbreitung der Tigermücke nördlich der Alpen sorgfältig verfolgt.»

Wasseransammlungen regelmässig trockenlegen

Diese Prognose sei jedoch kein Grund zur Panik. «Vor Krankheitsübertragungen muss man sich nicht fürchten, denn die Tigermücken tragen zurzeit keine Krankheitskeime in sich. Die verhältnismässig wenigen Einzelfälle von aus Endemiegebieten zurückkehrenden mit Dengue, Zika oder Chikungunya infizierten Personen reichen nicht aus, um unsere Bevölkerung zu gefährden.»

Tigermücken legen ihre Eier in kleinen Wasseransammlungen an. Um der Verbreitung vorzubeugen, werden die Leute deshalb gebeten, Blumenvasen, Untersetzer, Kinderspielzeug, Vogeltränken oder andere Gefässe trockenzulegen. Auch Dachrinnen sollten regelmässig auf Verstopfungen kontrolliert und Löcher in Mauern mit Sand aufgefüllt werden, rät das Bündner Amt für Natur und Umwelt.

Bedingungen für andere Mücken sind schlecht

Was die übrigen Mücken betrifft, die an Grillabenden und bei Badeausflügen gern juckende Erinnerungen hinterlassen, hat Mückenexperte Lüthy hingegen gute Prognosen: «Es ist sehr trocken, ja zu trocken. Die Wasserstände der Seen sind tief und die Wasserführung der Flüsse ist bescheiden. Eine temporäre Bildung von Wasser in Feuchtgebieten, die die Eier der Überschwemmungsmücken zum Schlüpfen bringt, findet erst bei ausgiebigem Dauerregen statt.» Ein solcher sei jedoch nicht in Sicht. Auch die Schneeschmelze, die die Flüsse anschwellen lässt, steht erst bevor. Zudem sei die Schneedecke recht bescheiden, so Lüthy.

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