Mein Horrordate – «Die Töchter meines Dates haben mir das Leben schwer gemacht»
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Mein Horrordate«Die Töchter meines Dates haben mir das Leben schwer gemacht»

Johanna* (29) lässt sich auf den 43-jährigen Stefan ein. Es läuft gut – bis Johanna beim zweiten Date mit seinen Kindern alleine ist.

von
Meret Steiger
Johanna (29) ist mit den Töchtern ihres Angebeten Stefan (43) überfordert.

Johanna (29) ist mit den Töchtern ihres Angebeten Stefan (43) überfordert.

Illu: Anna Deér

Darum gehts

  • Johanna lässt sich auf den vierzehn Jahre älteren Stefan ein.

  • Das erste Date läuft fantastisch, Johanna lässt sich auch von Stefans Offenbarung, Vater zu sein, nicht abschrecken.

  • Beim zweiten Date lernt sie die Kinder überraschend kennen – und ist damit masslos überfordert.

Eigentlich stehe ich nicht auf ältere Männer, eher im Gegenteil. Ich bin zwar selbst noch keine 30, aber in mein Beuteschema passen normalerweise eher Männer, die jünger sind als ich. Stefan, den ich in einer Bar in Zürich kennengelernt habe, ist aber eine Ausnahme: Er ist zwar schon fast Mitte vierzig, ich finde ihn aber wahnsinnig attraktiv und charmant.

Wir haben uns auf Anhieb super verstanden und uns gemeinsam darüber aufgeregt, dass man heute nur noch Menschen im Internet kennenlernt und nicht mehr im echten Leben – also betrunken, mit anderthalb Promille, in einer schummrigen Bar. Umso toller fanden wir es, dass wir uns so ‘organisch’ kennenlernen durften.

«… und dann öffnet mir ein gelangweilter Teenager die Tür»

Unser erstes Date war mega schön: Wir sind zusammen essen gegangen, haben über Gott und die Welt geredet und der Abend ist wie im Flug vergangen. Ich fühlte mich schon fast ein bisschen verknallt, weil Stefan so perfekt schien. So hat mich auch die Bombe, die er am Ende des Dates platzen liess, erstmal nicht abgeschreckt: Stefan hat zwei Kinder. Mara, zwölf und Flurina, acht. Ich möchte selbst keine Kinder und ehrlich gesagt, kann ich mit Kindern auch nicht wirklich viel anfangen. So ist es mir dann ganz recht gewesen, dass Stefan mir seine Kinder noch nicht so bald vorstellen möchte – das hat er jedenfalls gesagt.

Für das zweite Date haben wir uns für einen Abend in einer Bar verabredet. Weil Stefans Motorrad gerade kaputt gegangen ist, hole ich ihn mit dem Auto ab. Ich stehe in meinem hübschen (und etwas zu kurzen) Kleidchen vor der Tür, klingle – und ein gelangweilter Teenager mit einem verurteilenden Todesblick öffnet mir die Tür. Das muss dann wohl Mara sein.

«Ist mein Kleid vielleicht doch zu nuttig?»

Das Mädchen mustert mich von Kopf bis Fuss und ihr Blick wird gefühlt noch ein bisschen böser. “Papaaaa”, ruft sie und läuft wortlos davon. Wow. Papa Stefan kommt zur Tür, entschuldigt sich für seine Tochter und murmelt irgendwas von ‘Pubertät’. Ich bin ein bisschen perplex und fühle mich plötzlich in meinem Outfit nicht mehr wohl. Warum hat Mara mich so angesehen? Habe ich eine Laufmasche? Oder ist mein Kleid vielleicht doch zu nuttig?

Ich versuche mich nicht vom Gesichtsausdruck eines Teenager-Mädchens verunsichern zu lassen und betrete nach Stefan die Wohnung. Er wirkt gestresst und schaut mich entschuldigend an: «Johanna, es tut mir mega leid, ich muss kurz in mein Büro, der Nachtdienst hat seinen Schlüssel vergessen, ich bin gleich zurück...» und mit diesen Worten ist er auch schon zur Tür heraus.

«Papas andere Freundinnen sind viel hübscher»

Shit. Shit. Was mache ich denn jetzt? Zögerlich betrete ich das Wohnzimmer, in dem neben Mara von vorhin auch ihre kleine Schwester Flurina sitzt. Vielleicht gibt es ja da Hoffnung, denke ich mir und gehe auf die Achtjährige zu. Ich stelle mich als ‘eine Freundin von Papa’ vor, was wohl der erste Fehler war. Flurina schaut von ihrem Malbuch hoch, mustert mich - liegt dieser verurteilende Todesblick eigentlich in der Familie? – und sagt dann allen Ernstes: «Papas andere Freundinnen sind viel hübscher».

WOW. Autsch. Hat ein achtjähriges Mädchen gerade mein hart erarbeitetes Selbstbewusstsein angeknackst? Ihre Schwester findet es – natürlich – wahnsinnig lustig. Ich möchte die Situation gerne retten und versuche mich verzweifelt zu erinnern, was Kinder gerne tun. Fernsehen! Ich frage die beiden also, ob sie sich etwas ansehen wollen. Dass die beiden altersbedingt nicht dieselben TV-Geschmäcker haben könnten, kam mir in dem Moment natürlich nicht in den Sinn.

«Wie alt bist du eigentlich??»

Nach einer kurzen und fruchtlosen Diskussion über mögliche TV-Programme, sieht mich Mara erneut mit ihrem vernichtenden Teenie-Blick an: «Wie alt bist du eigentlich? Du siehst zu jung aus für Papa». Uff. Ich stottere ein bisschen herum und sage ihr dann, dass ich 29 Jahre alt bin. Mara legt gleich noch nach: «Ah, na dann. Das ist ja schon ganz schön alt.» Ist das noch diese schmerzhaft-kindliche Ehrlichkeit oder macht das Gör das mit Absicht?

Nach weiteren fünfzehn wirklich unangenehmen Minuten höre ich die Haustür. Stefan ist endlich zurück. Ich springe auf und will einfach nur möglichst schnell von den beiden Kindern weg, die offensichtlich kein Interesse daran haben, das neue Gschpusi ihres Vaters kennenzulernen. Ganz ehrlich, Mädels: Verstehe ich. Mir war es auch zu früh.

Nach zwei weiteren Dates ist mir aber auch klar geworden, dass das mit Stefan und mir nichts wird – nicht wegen seiner Kindern, sondern einfach, weil wir an unterschiedlichen Punkten im Leben stehen und unterschiedliche Zukunftsvorstellungen haben.

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