Aktualisiert 29.06.2011 19:20

Raser am Albispass

«Die Töfffahrer rasen rauf und runter»

Wieder ein toter Raser am Albispass: Für einen Anwohner und die Gemeinde Langnau ist dies keine Überraschung. Die Strecke ist berüchtigt.

von
Adrian Eng
Mit diesem Töff raste ein 20-Jähriger in den Tod. (Bild: newspictures.ch)

Mit diesem Töff raste ein 20-Jähriger in den Tod. (Bild: newspictures.ch)

Wieder ist am Albispass ein Motorradfahrer tödlich verunglückt. Der 20-Jährige war zu schnell in eine Kurve gefahren und stürzte in die Leitplanken. Die Strasse über den Albis ist eine der schlimmsten Raserstrecken der Schweiz.

Seit über 30 Jahren wohnt Henry P.* an der Albisstrasse oberhalb von Langnau a. A.. Schon unzählige Unfälle musste er in dieser Zeit mitansehen. Und die Situation hat sich aus seiner Sicht in den letzten Jahren deutlich verschlimmert.

Er erzählt: «Bei schönem Wetter kommen sie. Ganze Gruppen von Motorradfahrern brettern dann in hohem Tempo über die Passstrasse. Zuerst fährt einer die Strecke ab, um zu sehen, ob Gefahr lauert. Dann rasen sie zehn- oder elfmal rauf und runter. Sie fahren mit über hundert durch die 50er-Zone.» Die Raser sprechen sich unter einander ab und warnen sich per SMS und Handy.

Drei Tote in vier Wochen

Oft hört P. die Unfälle von seinem Haus aus. Und von diesen gibt es viele. «Allein in den letzten vier Wochen sind hier drei Motorradfahrer gestorben», sagt er. In der Zeitung lese man davon allerdings nichts. «Ich weiss nicht, ob man etwas vertuschen will», mutmasst P.

Einige Anwohner haben von den Rasern Video- und Foto-Aufnahmen gemacht und diese den Behörden zugespielt. Geändert hat sich nichts. Als die Polizei vor einiger Zeit eine Geschwindigkeitskontrolle durchführte, sei gar ein Töffahrer vor lauter Schreck gestürzt, erzählt P. Auch die Raser selber nehmen ihre Fahrten auf und stellen sie ins Internet.

Das Schlimmste sei der Lärm und die Gefahr, sagt der langjährige Anwohner. Seinen Sohn lasse er nur mit dem Velo auf die Strasse, wenn es nicht anders gehe. Was man gegen die Raser-Gangs machen kann, weiss er nicht: «Am Hirzel stellen sie Plakate auf, aber ob das hier hilft? Ich hoffe einfach, dass da nicht noch mehr passiert.»

Gemeinderat wollte Tempo senken

Der Langnauer Gemeinderat hat im Jahr 2010 bei der Kantonspolizei beantragt, die Geschwindigkeitslimite von 80 auf 60 Kilometer pro Stunde zu reduzieren. Allerdings erfolglos. Nach der Sanierung sei die Strecke deutlich sicherer geworden und die Anzahl der Unfälle sei zurückgegangen, war die Antwort der Polizei. Auch der Lärm sei erträglich. Die Polizei wollte aber vermehrt Kontrollen durchführen.

Der Langnauer Gemeinderat Hans-Ulrich Braun (FDP) hat sich mit diesem Entscheid nicht anfreunden können. «Die gefährlichen Tempoexzesse werden so nicht aufhören, genauso wenig der unerträgliche Motorenlärm», sagte er damals dem Tages-Anzeiger. Wie sich jetzt zeigt, sollte er Recht behalten.

Als Raserstrecke in den Köpfen der Töfffahrer

Zum neuesten Todesfall sagte Braun auf Anfrage von 20 Minuten Online: «Ich finde es tragisch, dass wieder jemand auf der Albispassstrasse gestorben ist. Das Thema wird nun auch im Gemeinderat sicher wieder auf den Tisch kommen.» Die Möglichkeiten des Gemeinderates seien aber nach dem Antrag an die Kantonspolizei weitgehend ausgeschöpft. Braun erhofft sich lediglich durch das neue Rasergesetz eine gewisse Abschreckung. «Die Albisstrasse ist als Raserstrecke in den Köpfen der Töfffahrer. Wir müssen versuchen, dies zu ändern.»

Als die Kantonspolizei vergangenes Jahr temporär eine semi-stationäre Anlage (Blitzkasten) aufstellte, hatte sich die Situation laut Braun deutlich verbessert. Auch Anwohner hätten ihm dies bestätigt. Mittlerweile hat die Polizei den Kasten aber wieder entfernt. Eine Herabsetzung der Tempolimite ist für Braun zwar kein Garant für keine Unfälle, sondern ein Zeichen dafür, dass der Albispass eine gefährliche Strecke ist und mit Vorsicht befahren werden muss. Allerdings sei auch auf anderen, ähnlichen Strecken im Verantwortungsbereich der Stadt Zürich und des Kantons Zug Tempo 60 eingeführt worden.

Kapo sieht keine Auffälligkeiten

In den Statistiken der Kantonspolizei zeigt sich keine Auffälligkeit. In den letzten fünf Jahren ereigneten sich lediglich 83 Unfälle, dabei verletzten sich 26 Person. Über Todesfälle gibt die Statistik keine Auskunft. Jedoch wurde ein Drittel der Unfälle von Motorradfahrern verursacht. Die Kantonspolizei Zürich macht vor Ort regelmässig Kontrollen, wie sie gegenüber 20 Minuten Online bestätigt. Die semi-stationäre Anlage brachte keine auffälligen Veränderungen hervor.

Eine schnelle Fahrt auf den Albispass, gefunden auf YouTube:

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