Fabio Simeon
Publiziert

Die Top 10 Fahrzeuge unseres Autotesters

Auto-Redaktor Fabio Simeon hat das ganze Jahr über Autos getestet. Hier kommt seine Top-10-Wunschliste – quer durch alle Preis- und Lebenslagen.

von
Fabio Simeon / A&W Verlag
28.12.2020

10. Honda Jazz – platzsparendes Raumwunder

Fabio Simeon

Der Honda Jazz hat es mir angetan, obwohl ich weder Van-Fan noch Kleinwagen-Enthusiast bin – oder vielleicht genau deshalb? Denn bei der Konstruktion des Jazz’ haben sich die japanischen Ingenieure aus beiden Fahrzeugsegmenten bedient. Resultat: Ein Kleinwagen mit dem Platzangebot eines Kompakten oder eben ein platzsparendes Raumwunder. Und dieses hat ein cooles Feature auf Lager: die Magic-Seats. So heissen die Rücksitze, welche sich nicht nur auf Kofferraumebene ablegen lassen, sondern auch ihre Sitzflächen wie Kinostühle nach oben klappen können. Den Honda Jazz gibt’s ab 23'900 Franken, die Blicke der Passanten, wenn du dein Velo durch die Hintertür deines Kleinwagens auslädst, sind jedoch unbezahlbar.

9. Renault Mégane RS Trophy R – der Kurvenräuber

Fabio Simeon

Wesentlich schneller ist der nächste Kandidat. Mit dem Renault Mégane R.S. Trophy-R lancierten die Franzosen einen der wohl dynamischsten Hatchback überhaupt. Als Basis dient der Mégane R.S. Trophy. Für das R am Schluss des Emblems nahm der kompakte 5-Türer 130 Kilo ab. Dabei wurde eine Carbon-Fiberglas-Motorhaube verbaut und die Rückbank durch ein Rennkäfig ersetzt. Zudem kommen ein verbesserter Lufteinlass, eine Titan-Sportauspuffanlage und ein Rennsportfahrwerk. Letzteres und der 300 PS starke 1,8 Liter Turbobenziner lassen den auf 500 Stück limitierten Mégane mit extremer Genauigkeit und Power um die Bögen lenken. Definitiv mein diesjähriger Favorit für (S)Passfahrten.

8. Opel Zafira e-Life – mehr Variation geht kaum

Opel

Mit dem Opel Zafira e-Life schafft es das erste rein elektrisch betriebene Fahrzeug auf meine Wunschliste. Unser Testwagen mit Blitz-Emblem und Platz für bis zu neun Personen fuhr mit der 75kWh Batterie vor (auch mit 50 kWh erhältlich) und schaffte eine Reichweite von 330 Kilometern – innerorts dürfte die Reichweite nochmals ansteigen. Dass die Rüsselsheimer beim 136 PS starken Opel die Funktion über die Form stellen, beweist die Sitz-System-Konfiguration. Fünf, sechs, sieben, oder acht Ledersitze finden auf den Aluminiumschienen ihren Platz. Als Krönung wartet die Lounge-Ausstattung auf: Elektrisch beheizbare Vordersitze mit Massagefunktion, dahinter vier Sessel mit 48 Zentimeter Sitzbreite, die sich so versetzen lassen, dass sich die Fahrgäste gegenübersitzen und selbst dann grosse Beinfreiheit geniessen. Entspannter lässt es sich wohl kaum kutschieren, zumal der Vollzeit-Stromer fast lautlos arbeitet.

7. Mercedes-Benz E-Klasse T-Modell – eine Klasse für sich

Fabio Simeon

Ein schickes Einfamilienhaus mit Garten für die Kinder und den Hund – ein Lebensziel vieler. Klingt spiessig? Vielleicht. Dass spiessig aber schön sein kann, beweist das Mercedes-Benz E-Klasse T-Modell. Zugegeben, es gibt spektakulärere Sterne, aber kaum praktischere. Unser Testwagen fuhr – von den AMG-Krachern aus Affalterbach abgesehen – mit der Top-Motorisierung, einem 3.0 Liter Diesel Mildhybrid mit 367 konventionellen und 22 elektrischen PS vor. Machte Freude die über zwei Tonnen in 5,2 Sekunden auf 100 km/h zu beschleunigen oder dank optionalem Luftfahrwerk über die Strasse zu schweben. Ein zweistelliger Spritverbrauch und ein sechsstelliger Testwagenpreis trübten das Vergnügen jedoch. Ganz so dick müsste man ja nicht auftragen. Denn auch ohne Power-Aggregat und Schnickschnack ist das neue E-Klasse T-Model im Kombisegment kaum zu übertreffen.

6. McLaren 720s Spyder – brutal, aber nicht makellos

Fabio Simeon

Mit dem McLaren 720s Spyder kommen wir endlich in der Abteilung «Traumwagen» an – wobei die Betonung vermehrt auf Traum liegt. Denn: Mit gewöhnlichen Fahrzeugen – auch wenn sportliche Kürzel wie RS, M, oder AMG das Heck zieren – hat der offene Brite nicht viel gemeinsam. 720 PS und daraus resultierende 770 Nm würden den McLaren in 2,9 Sekunden auf Tempo 100 katapultieren. Schluss wäre bei 341 km/h. Dem Konjunktiv ist zu entnehmen, dass ich den Supersportler nicht annähernd an seiner Leistungsgrenze getestet habe. Die hiesigen Tempolimits, der nasse Strassenbelag, die Liebe zum Leben im Allgemeinen und eine Kilometerbegrenzung wie sie für Supersportler (leider) üblich ist, verhinderten wahnwitzige Rekordversuche jeglicher Art. Die kurzen Sprints und das damit verbunden Achterbahngefühl lassen aber erahnen, wie brutal der Engländer abgeht. Brutal ist auch die Fehleranfälligkeit des über eine Viertelmillion Franken teuren Cabrios – explizit die Elektronik der Flügeltüren. Diese liessen uns wortwörtlich im Regen stehen.

5. Hyundai Nexo – H2O statt CO2

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Mit dem Hyundai Nexo setze ich den nächsten Exoten auf meine Wunschliste. Selten wurde ein Auto von Passanten so genau beäugt wie der Hyundai Nexo. Die Folge: Viele gestellte Fragen. Die meisten zur Antriebsart. Kurz und knapp erklärt: Der Hyundai besitzt eine Brennstoffzelle, welche Wasserstoff in elektrische Energie umwandelt und so das Fahrzeug über eine Akkupaket (1,56 kWh) antreibt. Zurück bleibt Wasserstoff gemischt mit Sauerstoff: Also Wasser. Die Leute sind begeistert – bis aus den hinteren Reihen die Preisfrage gestellt wird. Ab 89'900 Franken ist unser Testwagen zu haben. Trotz feudaler Ausstattung inklusive Panoramadach, temperierbaren Sitzen und einer Displaywand, welche an die Sterne aus Stuttgart erinnert, ist der Preis für die meisten schwer nachvollziehbar. Nach einer Woche und 430 gefahrenen Kilometern meldete sich die Tankanzeige. Was nun? Lediglich drei H2-Tankstellen sind in der Schweiz momentan in Betrieb, wovon eine nicht im Nexo-System erscheint. Und so wollte mich mein Begleiter zum Tanken ins 85 Kilometer weit entfernte Zürich lotsen. Glücklicherweise weiss ich mehr als der Bordcomputer und steuerte die Tankstelle in meiner Heimatstadt an. Heiland ich bitte um eine Wunschänderung: Den Nexo organisiere ich selbst, bau du doch in der Zwischenzeit die Tankinfrastruktur aus.

4. Ford Ranger Raptor – Überfall auf Europa

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Raptor – ein Namenszusatz der vielen das Fürchten lehrte. Besonders wenn ihm ein F-150 Emblem vorangeht. Eine Mischung aus Pickup und Wüstenrennauto mit 450 PS, 219 cm Breite (o. Aussenspiegel) und ordentlich Durst – sein bevorzugtes Habitat: die Weiten der USA. Einen US-Raptor in Europa zu halten – naja, grösser als der Garagenplatz ist dann meist nur das Ego. Fords Lösung für Europa: Der Ford Ranger Raptor. Mit seinen 5,36 m Länge und 2,03 m Breite gehört er hierzulande zu den Giganten. Der 3,5 Liter V6 Biturbo Motor des F150 Raptor blieb «leider» in Übersee. Der Ranger Raptor fährt mit einem 2,0l Vierzylinder Diesel vor. Der Biturbo verhilft dem Selbstzünder zu 213 PS und 500 Nm – für besagtes Aggregat ordentlich, für 2,5 Tonnen Kampfgewicht etwas dürftig. Die Motoren-Vernunft hat aber auch ihre guten Seiten. Diese kriegte ich nach unserer 100km-Testfahrt an der Tankstelle zu spüren: 9,2 Liter. Da kann man auf die schnippische Bemerkung vom Tanknachbar: «Na, hat er Durst?», ziemlich cool mit «Wahrscheinlich nicht mehr als Ihrer», kontern.

3. SsangYong Tivoli – Ästhetik auf Rädern

SsangYong

Haha, nur ein kleiner Endjahres-Scherz. Weiter gehts!

3. Polestar 2 – schwedischer Tesla-Jäger

Fabio Simeon

Seit der kurzen Fahrvorstellung will ich den neuen Polestar 2. Der Nachfolger des Polestar 1, einem Nischen-Plug-in-Hybrid-Coupé für Gutbetuchte, welcher nun als Vollstromer die breite Masse erobern und Elon Musk ärgern soll. Mit einem Preis von 57'900 Franken findet sich der Schwede in der Premiumklassen wieder. Als erstes «Google Auto» ist im Polestar2 ein von Android Automotive OS unterstütztes Infotainmentsystem programmiert. Der schwedische Tesla-Jäger bietet aber mehr als «nur» das wohl beste Betriebssystem. Das Fahrzeug an sich könnte zum Leitstern unter den E-Autos avancieren. Zwei E-Motoren sorgen für 408 PS und 660 Nm, welche den Polestar 2 in 4,7 Sekunden auf Tempo 100 beamen. Die 78 kWh Batterie soll laut WLTP eine Reichweite von 470 Kilometern ermöglichen. Die dazugehörige Ladeinfrastruktur wünsche ich mir dann zum Geburtstag.

2. DS7 Crossback E-Tense – französische Detailverliebtheit

Fabio Simeon

Seit kurzem rollt in Frankreich der DS7 Crossback E-Tense, das neue PSA-Flaggschiff, vom Band. Designtechnisch spielt der 300 PS starke Vorzeige-SUV mit Plugin-Hybrid-Motor in einer eigenen Liga – in jener der Detailverliebten. Keine Taste und keine Naht haben die Designer ausgelassen und trotzdem wirkt das Gesamtpaket nicht überladen, sondern fein abgestimmt. Dazu zählen auch die morgendlichen Begrüssungszeremonien in Form von Lichtspielen oder der auffahrenden Analoguhr im Armaturenbrett. Leider spiegeln sich so viele Kinkerlitzchen auch im Preis wider: Über 60’000 Franken kostet der DS7, welcher sich die Plattform mit dem Opel Grandland X und Peugeot 3008 teilt. Eine veritable Hausnummer, doch wenn selbst der französische Präsident Macron darauf abfährt, muss ja etwas dran sein.

1. Toyota GR Yaris – eine Rennmaus

Fabio Simeon

Dass ein Toyota Yaris Platz Eins meiner Wunschliste einnimmt, hätte ich bis zur Bekanntschaft mit der GR-Version vor zwei Wochen selbst nicht für möglich gehalten. Auch dass ein Dreizylinder-Motor zu den spassigsten Aggregaten 2020 zählt, ist eigentlich undenkbar. Der GR Yaris belehrte mich jedoch eines Besseren. Ganze 261 PS zaubern die Japaner aus 1,6 Liter Hubraum heraus. Der Motor ist an eine Sechs-Gang-Handschaltung gekoppelt, welche sich durch kurze Schaltwege auszeichnet. Auf ein Leergewicht von 1280 kg errechnet sich ein Leistungsgewicht von nur 4,9 kg pro PS. Dazu passend: Das harte Sportfahrwerk, welches Bodenwellen stossartig dem Fahrer meldet und die direkte Lenkung. Selbst eine eng abgesteckte Pylonengasse brachte unseren Testwagen nicht aus der Ruhe. Kostenpunkt: 37'900 Franken. Eine Menge Schotter für einen Kleinwagen – für einen ernstzunehmenden Sportwagen jedoch ein fairer Preis.

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58 Kommentare
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Illumination

29.12.2020, 21:48

Wäre schön, wenn auch Auto-Tester Flügeltüren, Scherentüren und Schmetterlingstüren korrekt unterscheiden und zuordnen.. Platz 6/McLaren 720s Spyder hat Scherentüren = Anschlag A-Säule, Öffnung nach vorne oben OHNE Dacheinbezug (z.B. auch alle 12-Zylinder-Lamborghini seit 1974).. Flügeltüren = Anschlag im Dachbereich, Öffnung nach oben MIT Einbezug Dachbereich (z.B. klassisch Mercedes 300 SL/W194 oder aktuell Tesla X)...;-)

Brumm

29.12.2020, 15:49

Cooler Endjahresscherz. Habe mir gerade einen SsangYong Tivoli bestellt

Euronorm 7

29.12.2020, 10:33

Bereits Ende 2021 will die EU-Kommission ehrgeizige neue Schadstoff-Grenzwerte in einer Abgasnorm Euro 7 für Autos vorschlagen. Sie sollen 2025 in Kraft treten. "Die Kommission will vorschreiben, dass künftig ein Fahrzeug in jeder Fahrsituation quasi emissionsfrei bleiben muss – sei es mit Anhänger am Berg oder im langsamen Stadtverkehr. Das ist technisch unmöglich und das wissen auch alle", kritisierte der Branchenverband VDA. Damit kämen die geplanten Verschärfungen einem Verbot von Autos mit Verbrennungsmotoren gleich. Genial 😀👍 Bye Bye Verbrenner 😀