Zuschauerrolle: Die Top Ten der grossen WM-Abwesenden
Aktualisiert

ZuschauerrolleDie Top Ten der grossen WM-Abwesenden

Frankreich droht die WM-Endrunde in Brasilien zu verpassen. «Les Bleus» wären damit in guter Gesellschaft anderer grosser Nationen, die schon zu Hause bleiben mussten.

von
heg

Frankreich muss im WM-Barrage-Rückspiel gegen die Ukraine einen 0:2-Rückstand wettmachen, sonst findet die Fussball-WM nächsten Sommer in Brasilien ohne «Les Bleus» statt. Das Unterfangen ist äusserst schwierig. Die Ukrainer sind seit einem Jahr ungeschlagen und haben in den letzten acht Spielen kein Gegentor kassiert. Scheitern die Franzosen, sind sie erstmals seit 20 Jahren nicht an einer WM-Endrunde dabei - doch sei wären nicht die Ersten, denen das passiert.

Italien 1958

Die Italiener brauchten in den 50er-Jahren beinahe ein Jahrzehnt, um im Weltfussball wieder Fuss zu fassen. Die Ursache für die sportliche Durststrecke des Nationalteams war die «tragedia di Superga» 1949 - ein Flugzeugabsturz, bei dem ein Grossteil der Mannschaft von «Grande Torino» ums Leben kam. In der Qualifikation für die WM in Schweden 1958 vergeigten die Italiener die Teilnahme im letzten Spiel. Sie verloren in Belfast gegen Nordirland 1:2 und verfolgten die WM nur als Zuschauer.

Schottland 1970

Der schottische Fussball erlebte um 1970 seine Hochblüte. Celtic Glasgow sicherte sich 1967 den Landesmeisterpokal und die Rangers gewannen 1972 den Cup der Cupsieger. Die Leistungen liessen sich jedoch nicht auf die Nationalmannschaft übertragen. Die Schotten mussten sich in der Qualifikationsgruppe für die WM 1970 in Mexiko mit Platz 2 hinter Deutschland zufriedengeben. Sie verloren das entscheidende Spiel gegen den Gruppensieger mit 2:3.

England 1974

Die 70er-Jahre zählen nicht zu Englands Sternstunden, was die Fussball-Nationalmannschaft betrifft. Diese qualifizierte sich in dieser Dekade für keine einzige Endrunde. Am bittersten war das Scheitern für die WM 1974 in Deutschland. Die Engländer brauchten im letzten Gruppenspiel gegen Polen unbedingt einen Sieg. Es resultierte aber nur ein 1:1 und so mussten die «Three Lions» daheim bleiben.

UdSSR 1978

Die UdSSR-Nati bestand zu jener Zeit praktisch nur aus Spielern des überragenden Teams von Dynamo Kiew. 1975 gewann man souverän den Cup der Cupsieger, doch für die WM 1978 in Argentinien konnte sich die Truppe um den legendären Oleg Blochin nicht qualifizieren. Die UdSSR verlor in Griechenland überraschend 0:1 und belegte am Schluss nur den 2. Platz hinter Ungarn.

Holland 1986

Ruud Gullit, Marco van Basten, Frank Rijkaard und Rob de Wit gehörten in den 80er-Jahren zu den holländischen Weltklasse-Fussballern. An die WM 1986 in Mexiko schafften sie es aber nicht. Die «Elftal» musste sich in der Barrage ausgerechnet Erzfeind Belgien geschlagen geben. Holland verlor das Hinspiel 0:1 und gewann dann auswärts das Rückspiel 2:1. Aufgrund der Auswärtstorregel fuhren die Belgier an die WM.

Frankreich, England, Jugoslawien 1994

Die Franzosen waren auf gutem Weg, sich für die Endrunde 1994 in den USA zu qualifizieren. «Les Bleus» lagen nach den ersten acht Gruppenspielen im Fahrplan und brauchten aus den letzten beiden Heimspielen gegen Israel und Bulgarien nur noch einen Punkt. Sie schafften es jedoch, beide Partien jeweils in der Nachspielzeit zu verlieren und mussten am Schluss als Gruppendritte zu Hause bleiben.

Auch die Engländer waren 1994 nur Zuschauer. Nach der schwachen EM 1992 dümpelten sie durch die Qualifikation und wurden nur Gruppendritter. Gegen Norwegen und Holland setzte es Niederlagen ab. Im Spiel gegen San Marino lagen die «Three Lions» nach wenigen Minuten gar 0:1 zurück, ehe sie noch 7:1 gewannen.

Jugoslawien zählte zu Beginn der 90er-Jahre zu den stärksten Teams überhaupt. Wegen des Bürgerkriegs durfte das Team aber nicht an der Qualifikation teilnehmen. Stars wie Dragan Stojkovic, Sinisa Mihajlovic, Davor Suker, Darko Pancev, Zvonimir Boban und Robert Prosinecki mussten sich mit der Zuschauerrolle begnügen.

Portugal 1998

Die «goldene Generation» der Portugiesen um Luis Figo, Rui Costa und João Pinto verpasste die dritte WM-Teilnahme in Serie. Nach 1990 (Italien) und 1994 (USA) war Portugal auch bei der Endrunde 1998 in Frankreich nicht mit dabei. In der Qualifikation schaute hinter Deutschland und der Ukraine lediglich der 3. Platz heraus.

Holland 2002

Die Holländer blieben in der Qualifikation für die WM 2002 in Japan und Südkorea auf der Strecke. Nach der 0:1-Pleite gegen Irland musste «Oranje» mit dem dritten Gruppenrang vorliebnehmen. Immerhin sorgte Holland mit dem Verpassen der WM für einen musikalischen Partyknüller bei Dauerrivale Deutschland. «Ohne Holland fahr'n wir zur WM», hiess der Song von Helmut aus Mallorca.

(Video: YouTube)

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