Aktualisiert

Das Ende einer ÄraDie Tops und Flops aus 33 Jahren «Wetten, dass..?»

Am 13. Dezember 2014 flimmert die letzte Sendung von «Wetten, dass..?» über die Bildschirme. Wir blicken zurück auf über 212 Sendungen deutsche Fernseh-Geschichte.

von
Kaspar Isler

Am Samstagabend des 5. Aprils 2014 liess Moderator Markus Lanz die Bombe um 22:55 Uhr platzen: Mit den Worten «Wir gehen jetzt in die Sommerpause und sehen uns am 4. Oktober wieder mit den letzten drei Ausgaben von ‹Wetten, dass..?›», bestätigte er das in letzter Zeit oft prophezeite Ende der Sendung. Zeit, um einen Blick zurückzuwerfen auf 33 Jahre TV-Geschichte der traditionsreichsten Show Deutschlands.

Der Beginn

Am 14. Februar 1981 strahlte das ZDF die erste Sendung «Wetten, dass..?» aus. Eine der ersten Wetten bleibt vielen Zuschauern bis heute in Erinnerung: Kandidat Hans Ossner blies eine Bettflasche auf, bis diese platzte.

Die Moderatoren

Frank Elstner gilt als Erfinder und Vater der Show. Er moderierte 6 Jahre lang (1981 – 1987) und war Gastgeber von insgesamt 39 Sendungen.

Abgelöst wurde Elstner durch Thomas Gottschalk. Der redselige Lockenkopf war – mit einem zweijährigen Unterbruch – 25 Jahre lang (1987 - 2011) im Dienst von «Wetten, dass..?» am Mikrofon. Gottschalk führte durch sagenhafte 151 Sendungen. Zuletzt unterstützte die schöne Michelle Hunziker den TV-Dinosaurier als Co-Moderatorin.

Am 26. September 1992 hatte Gottschalk das Zepter an einen Mann übergeben, der in Rückblicken gerne mal vergessen geht: Von 1992 bis 1993 wurde «Wetten, dass» über neun Ausstrahlungen vom ostdeutschen Entertainer Wolfgang Lippert moderiert, bevor er zu Gunsten eines Comebacks von Gottschalk wieder zurücktreten musste.

Im Oktober 2012 übernahm Talkmaster Markus Lanz nach langem Gezeter die Nachfolge Gottschalks. Begleitet von massiver Kritik an seiner Person führte der Südtiroler durch bisher 13 (2012 – 2014) Sendungen. Nach der Sommerpause wird Lanz weitere drei Sendungen leiten, bevor «Wetten, dass..?» per Dezember 2014 definitiv eingestellt wird. Kurzzeitig wurde Lanz von Co-Moderatorin Cindy aus Marzahn unterstützt.

Die Quoten

Über Jahrzehnte galt «Wetten, dass..?» als unbesiegbares Flaggschiff des Samstagabend-Programms. Zwischen 1985 und 1987 hatte die Sendung durchschnittlich über 20 Millionen Zuschauer – eine Quote, von der heutige Shows nur träumen können. Die Rekordquote wurde am 9. Februar 1985 mit astronomischen 23.42 Millionen Zuschauern erzielt. Thomas Gottschalk konnte das Publikum mit durchschnittlich 17 Millionen Zuschauern in den Neunzigerjahren konsequent bei der Stange halten. Mit der Jahrtausendwende folgte der stetige Rückgang der Quote.

Als RTL 2007 mit «Deutschland sucht den Superstar» einen ebenbürtigen Gegner um den Samstagabend ins Rennen schickte, sank der Marktanteil von «Wetten, dass..?» erstmals unter 40 Prozent. Gottschalk erreichte in seinem letzten Amtsjahr durchschnittlich nur noch rund 9.5 Millionen Zuschauer. Markus Lanz schaffte es seit Oktober 2012 nicht ein einziges Mal über die 7-Millionen-Grenze. Mit einer Quote von 5.85 Millionen Zuschauern erreichte die Sendung im Februar 2014 ein historisches Rekordtief.

Top und Flop

Die TV-Show produzierte unzählige Highlights. Als oft genannte Perlen aus «Wetten, dass..?» gelten unter anderem Take Thats letzter Auftritt vor ihrer Auflösung (1996) sowie die Show-Einlage von Michael Jackson (1999). Das unbestritten dunkelste Kapitel in der Showgeschichte wurde im Dezember 2010 geschrieben. Samuel Koch stürzte bei seiner spektakulären Wette schwer und ist seither querschnittsgelähmt. Zum ersten und bisher einzigen Mal wurde die Aufzeichnung abgebrochen. Das Unglück mit Samuel Koch wird oft als Hauptgrund für Gottschalks Rücktritt genannt.

Das Ende

«Der Rückgang der Zuschauerzahlen zeigt, dass sich die Sehgewohnheiten verändert haben und das Format an Anziehungskraft verloren hat», begründete Programmdirektor Norbert Himmler den Schritt seines Senders in einer Mitteilung, die exakt zum Ende der Übertragung am Samstag veröffentlicht wurde. «Es ist uns nicht leicht gefallen, einen Klassiker wie ‹Wetten, dass..?› vom Schirm zu nehmen. Der Aufwand einer so grossen Show steht aber nicht mehr im Verhältnis zur Zuschauer-Resonanz.» Im Klartext: Eine Sendung, die zwischen 2 und 2.5 Millionen Euro pro Ausgabe kostet, rendiert nicht, wenn sie nur von 5 bis 7 Millionen Zuschauern verfolgt wird.

Die Reaktionen

Die Reaktion von Frank Elstner via Twitter ist gewohnt charmant. Mit «Wetten, dass Ende! Das geht an die Nieren. Alles andere wäre gelogen! Dem Nachwuchs gehört die Zukunft im Netz! Ich bin dabei. Freue mich!», trifft der Ziehvater der Sendung die richtigen Worte. Schärfere Töne schlug Thomas Gottschalk an: «Dann hätte ich das Ding auch gleich selbst an die Wand fahren können», sagte der Entertainer am Samstagabend in einem Telefongespräch mit «Spiegel online». Komiker Harald Schmidt nimmt derweil auf Twitter die Tatsache, dass der Sender die Rechte an der Sendung vorerst behält, aufs Korn: «ZDF behält Rechte an Wetten, dass..?. Man muss es halt erst für Helene Fischer umgestalten», witzelt der Spassvogel.

Fun Facts

Bereits bei der ersten Ausstrahlung überzog Frank Elstner die Sendezeit um 43 Minuten. Den Rekord im Überziehen hält bisher jedoch Thomas Gottschalk mit satten 73 Minuten. Insgesamt überzog die Sednung ihr Zeitfenster über die Jahre um 3851 Minuten. Das entspricht rund 64 Stunden.

Nicht nur der Hang, nicht pünktlich fertig zu werden, wiederholte sich. Es gab auch Gäste, die immer wieder auf der Bühne von «Wetten, dass..?» Platz nahmen. Die drei Spitzenreiter unter den Dauergästen sind allesamt deutsche Sänger. Am meisten zu Gast war Peter Maffay (17 Auftritte), gefolgt von Udo Jürgens (13 Auftritte) und Herbert Grönemeyer (12 Auftritte).

Unabhängig von der aktuell heiss geführten Diskussion um die Gründe für das Aus und die Schuldfrage, stirbt mit dem verstaubten Flaggschiff nicht nur eine Sendung, sondern eine Institution am deutschen TV-Himmel, die uns unzählige grosse Momente beschert hat. Danke schon mal dafür, «Wetten, dass..?».

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.