Aktualisiert 04.05.2012 08:12

Phänomen CisséDie Tormaschine schiesst auch Di Matteo ab

Papiss Demba Cissé ballert Newcastle Richtung Champions League. Selbst Chelsea fand kein Mittel gegen den Super-Knipser – der eigentlich nie hätte Fussball spielen sollen.

von
Reto Fehr

Papiss Demba Cissé trifft zum 2:0 gegen Chelsea. (Quelle: YouTube)

Papiss Demba Cissé schiesst sich zur Tormaschine der Premier League. 13 Tore in 12 Partien – das übertreffen nur Lionel Messi (12/19) und Cristiano Ronaldo (12/15). Der Senegalese lässt Newcastle von der Champions League träumen und sorgt gleichzeitig dafür, dass Trainerüberflieger Roberto Di Matteo die erneute CL-Qualifikation mit Chelsea wohl nur noch mit einem Finalsieg gegen die Bayern erreichen kann. Newcastle dagegen liegt dank dem Tormonster nur noch einen Zähler hinter dem direkten Champions-League-Platz.

Dabei hätte Cissé gar nicht Fussballer werden sollen. Sein Vater wollte nicht, dass der Junge dem Ball nachjagt und dadurch die Schule vernachlässigt. Doch aufhalten konnte er ihn nicht. Bei einem Strassenfussball-Turnier wurde Klein-Papiss im Senegal entdeckt. Er kam über Bastia zu Metz, wurde in Frankreichs 2. und 3. Liga ausgeliehen und traf einigermassen regelmässig.

Glanz-Bilanz bei Freiburg

Es sei eine «Verpflichtung mit Perspektive», erklärten die Verantwortlichen des beschaulichen SC Freiburg im Winter 2010, als Papiss Demba Cissé vom französischen Zweitligisten Metz für 1,5 Millionen Euro verpflichtet wurde. Das war damals der Rekordtransfer in der Geschichte der Breisgauer. Von einem «Wagnis» wurde gemunkelt und viele Freiburger trauten dem Senegalesen den Durchbruch nicht zu.

Die Kritiker von damals sind längst verstummt. 16 Partien später hatte Cissé acht Tore erzielt und Freiburg den Klassenerhalt beschert. Cissé schlug ein wie eine Bombe. In der folgenden Spielzeit führte der 26-Jährige Freiburg mit seinen Toren fast im Alleingang auf Rang 9. Er wurde zum besten afrikanischen Torschützen einer Bundesliga-Saison und für Freiburg ist er mit 37 Treffern Rekordtorschütze der höchsten Spielklasse. Im Januar konnte der Knipser nicht mehr gehalten werden. Er wurde für 12 Millionen Euro an Newcastle verkauft.

Nachfolger von Alan Shearer

Im Nordosten Englands erhielt der Sturmtank die Nummer 9. Diese verpflichtet bei den Magpies. Alan Shearer trug diese Rückennummer während seiner zehn Jahre (1996-2006) beim Klub. Und Alan Shearer ist in Newcastle eine Institution. Mit dem Stürmer qualifizierte sich der Verein zweimal für die Champions League (1997 und 2002) und mischte in der Premier League ganz oben mit. Doch 2009 folgte die dunkle Stunde des Abstiegs. Ein Jahr später meldete sich der Traditionsverein im Oberhaus wieder zurück. Natürlich träumt man wieder von Europa.

Der alte Glanz soll zurück - und Cissé der Heilsbringer sein. In seinen bisherigen zwölf Einsätzen auf der Insel traf er 13-mal. Zuletzt gelang dem Stürmer sein vierter Doppelpack gegen Cheslea. Die «Sun» glaubt gar, dass der eine Treffer zum Tor der Saison gekürt werden könnte (Video oben). «Ich bin sehr glücklich darüber, 13 Treffer erzielt zu haben. Wie jeder Stürmer will ich viele Tore schiessen», sagt dieser nach seiner Chelsea-Gala nur. Und unterstreicht damit seine Bescheidenheit, welche ihn schon bei Freiburg auszeichnete: «Wer viel arbeitet, wird auch belohnt. Solange ich morgens noch aufstehen kann, kann ich auch arbeiten.»

Entscheidet Cissé die Meisterschaft?

Das kommt gut an, in einer Stadt wie Newcastle, welcher jeglicher Glamour fehlt. Zwei Partien stehen in der Premier League noch aus. Der Rückstand auf Arsenal auf dem direkten CL-Platz beträgt einen Zähler, hinter Tottenham (CL-Qualifikation-Platz) liegen die Elstern nur noch aufgrund des Torverhältnisses. Am Sonntag gastiert Leader Manchester City in der Sports Direct Arena. Dann könnte Cissé selbst noch das Meisterrennen mitentscheiden - und sich nicht nur für Newcastle, sondern auch für Manchester United unsterblich machen.

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