Southampton-Trainer Hasenhüttl: Die Tränen des «Alpen-Klopps»
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Southampton-Trainer HasenhüttlDie Tränen des «Alpen-Klopps»

Ralph Hasenhüttl weinte nach dem Liverpool-Sieg noch auf dem Rasen – und ist auch wegen solcher Szenen auf dem besten Weg zur nächsten Trainer-Ikone.

Hasenhüttl ist nach dem Sieg gegen Liverpool einfach nur happy.

Video: Sky Sports

Darum gehts

  • Ralph Hasenhüttl ist Coach von Southampton.

  • Am Montagabend gewann der Österreicher mit seinem Team gegen Liverpool.

  • Danach heulte er hemmungslos.

  • Hasenhüttl ist besonders und auf dem Weg zu einer Trainer-Ikone.

Schon bei seiner Vorstellung bei Southampton erklärte Ralph Hasenhüttl, er wolle sich lieber selbst einen Namen machen statt als «Alpen-Klopp» zu gelten. Diesen Spitznamen verdankte er seiner Zeit in der Bundesliga. Primär aufgrund des Fussballs, den der Österreicher spielen liess und an jenen von Jürgen Klopp erinnerte. Doch auch sonst sind die Ähnlichkeiten frappant. Beide sind charismatisch, leidenschaftlich – und, so komisch dies auch anmuten mag, lustig.

Das gefällt auch den englischen Fans. «Wenn ihr Garantien wollt, dann kauft euch eine Waschmaschine», haute Hasenhüttl an einer Pressekonferenz raus – und forderte nach dem Sieg in seinem ersten Heimspiel, bei dem der Verein den Dauerkarten-Besitzern Freibier ausschenkte, dies fortan immer zu tun. Bei RB Leipzig gab der Steirer auf sympathische Art und Weise zu, jeweils die Spieler Halstenberg und Klostermann zu verwechseln. Und als etwas vom Schönsten im Fussball bezeichnet er «scheisse spielen zu können und trotzdem zu gewinnen».

Von den Emotionen übermannt: Hasenhüttl. Daneben: Liverpool-Trainer Klopp. 

Von den Emotionen übermannt: Hasenhüttl. Daneben: Liverpool-Trainer Klopp.

Adam Davy/PA Wire/dpa

Er ist nicht auf den Kopf gefallen

Auch ein Viralvideo, das Hasenhüttl bei einem Interview mit von Southampton-Spielern orchestrierten Kindern zeigt, unterstreicht die lockere Art und das herzhafte Lachen des Saints-Hoffnungsbringers, der anfangs noch den Abstieg verhinderte, dann eine Krise überstand und sich in dieser Saison – auch dank dem gestrigen Sieg – nun oben festzubeissen vermag.

Doch der 53-Jährige ist nicht nur nicht auf den Mund-, sondern auch keineswegs auf den Kopf gefallen. Als Vorbild und Inspiration nannte er dereinst Ralph Rangnick, der als einer der intelligentesten Fussball-Protagonisten überhaupt gilt – und Hasenhüttl bei Leipzig dann entliess. Seine eigenen Vorzüge sieht Hasenhüttl derweil im «Motivieren anderer». Und Missstände im Business, wie etwa das Transfersystem, kritisiert der Coach in der englischen Presse derweil auf differenzierte Art und Weise – und nicht mit plumpen Worthülsen wie andere Vertreter seiner Zunft. Hasenhüttl hat zudem keine Allüren, träumt wie andere Menschen auch «von einem Heliflug in den Rocky Mountains oder dem Surfen auf Hawaii».

«Das muss der Wind gewesen sein»

Nun folgte am Montag also der erste Premier-League-Sieg gegen Kloppo himself, dem sie in Liverpool im Sommer schon eine Statue bauen wollten (und er selbst dies mit «not interested» abkanzelte). Nicht in einem Endspiel, sondern im Rahmen einer Liga-Runde, von denen es in England zumeist mehrere pro Woche gibt. Und Hasenhüttl? Ging beim Schlusspfiff auf die Knie und schluchzte vor laufenden Kameras.

Die Freudentränen lassen zum einen den Druck, der auf einem Trainer dieser Klasse lastet, nur erahnen. Zum anderen aber sorgen sie für noch mehr Sympathien für diesen Kerl aus Österreich, der in Southampton seit seiner ersten Saison schon über einen eigenen Stadion-Song verfügt. Im «Sky»-Interview nach dem Spiel scherzte er dann bereits wieder – und erklärte seine feuchten Augen mit: «Das muss der Wind gewesen sein, es ist so furchtbar kalt hier».

Es würde nicht überraschen, wenn Ralph Hasenhüttl seine Tränen dereinst auch wirklich in einem Finale trocknen müsste. In der Champions League vielleicht, bei einem der Top-Clubs dieser Welt. Wo er sich bei seiner ersten Pressekonferenz dann auch nicht mehr zu erklären hätte. Schliesslich dürfte er spätestens dann – von abertausenden Fussballfans – mindestens gleich geliebt werden wie eben jener Jürgen Klopp, den er am Montag endlich besiegte.

(CAP)

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