Roger Federer: «Die Tränen waren mir mit der Zeit peinlich»
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Roger Federer«Die Tränen waren mir mit der Zeit peinlich»

Roger Federer ist 33 und spielt so gut wie lange nicht mehr. Vor den am Montag beginnenden US Open, wo er als Favorit antritt, blickt er noch einmal zurück auf seine Karriere.

von
hua

Noch in der vergangenen Saison hätten nicht viele Spezialisten die Aussage gewagt, dass Roger Federer einst wieder an den grossen Turnieren vorne mitspielen oder sie gar gewinnen könnte. Denn 2013 war ein schlechtes Jahr für den Schweizer. Doch er hat sich mit viel Eifer und Beharrlichkeit zurückgekämpft. Das zeigte auch der Triumph vom letzten Sonntag in Cincinnati, wo er im Final David Ferrer in drei Sätzen in die Knie zwang und damit den ersten grossen Sieg in dieser Saison einfuhr. Da die Weltnummer 1 Novak Djokovic in den letzten Wochen etwas schwächelte und Rafael Nadal für die US Open verletzungsbedingt absagen musste, trauen viele Federer einen sechsten Titel in Flushing Meadows zu.

Im Hinblick auf das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres gab Federer «Sports Illustrated» ein ausführliches Interview. Darin beschreibt er, dass er noch Siegeswillen besitzt - sonst würde er mit dem Tennis aufhören. Aber mittlerweile fühle er sich dank seiner Familie neben dem Platz viel wohler als darauf. «Früher machte es mir auf dem Platz viel mehr Spass. Da gewann ich auch fünf bis zehn Turniere pro Jahr. Ich vermisse es, nicht mehr jedes zweite Turnier zu gewinnen.» Das sei schon ein unglaubliches Gefühl gewesen. Nun fühle er sich in seinem Privatleben mit vier Kindern und seiner Frau aber schon glücklicher. Er sei nicht mehr gestresst, da er sich niemandem mehr beweisen müsse.

Federer jubelte früher ausgelassener

Während seiner bisherigen Karriere lernte der Maestro, wie er mit Niederlagen umzugehen hat. «Ich musste lernen, mich unter Kontrolle zu halten. Als ich jünger war, brach ich immer in Tränen aus. Das wurde mit der Zeit peinlich.» Auf der anderen Seite ist da der Jubel. Diesen zelebrierte der junge Federer auch ausgiebiger als heute. Er scheint sich an seinem Jugendidol und heutigen Coach Stefan Edberg ein Vorbild genommen zu haben. Edberg blieb nach einem Sieg jeweils demütig. So sagte sich Federer einst als Jungspund, er werde nicht mehr wie ein Verrückter jubeln. «Heute geht der Trend aber wieder zurück. Die Sieger legen sich auf den Boden oder rennen ins Publikum. Manchmal wünschte ich mir, dass nicht alle so verrückt spielten. Früher reichte ein Handshake und ein Sprung über das Netz.»

Doch nicht nur die Art des Jubelns habe sich in den letzten Jahren verändert, sondern auch das Spiel selbst, gibt King Roger zu. Das Spiel habe sich weiterentwickelt, aber auch die Racket- und Saiten-Technologie hätten einen grossen Einfluss gehabt. «Immer mehr Profis agieren von der Grundlinie aus. Daran musste ich mich gewöhnen. Früher gab es da mehr Abwechslung», schaut der 33-Jährige zurück. Und auf sein Alter angesprochen, erwidert er: «Ich kann es kaum glauben, wie alt ich bin. Die Zeit vergeht viel zu schnell. Es fühlt sich an, als würde die Zeit wie in einem Video vorgespult.»

«Nicht zu weit nach vorn schauen»

Federer spielt immer noch gern Tennis und hat kein genaues Datum festgelegt, wann er mit dem Profi-Sport aufhören will. Doch wenn es so weit ist, weiss der 17-fache Grand-Slam-Sieger, was er machen will: «Ich werde andere Dinge tun, aber ich würde gerne beim Tennis bleiben. Und meine Stiftung werde ich weiter betreuen.» Dann habe er mehr Zeit, um zu reisen, um Projekte zu verfolgen und um Spendenaktionen zu starten. Er wisse aber nicht genau, wohin es ihn führe: «Ich will nicht zu weit nach vorne schauen. Je mehr ich an das Leben nach dem Tennis denke, desto eher komme ich ans Ende. Und da will ich noch nicht sein.»

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