GP von Mexiko: Die Tragödie der Rodriguez-Brüder

Aktualisiert

GP von MexikoDie Tragödie der Rodriguez-Brüder

Nach mehr als 20 Jahren kehrt die Formel 1 nach Mexiko zurück. Der Grand Prix im Autodromo Hermanos Rodriguez verspricht viel Spannung.

von
sco

Und das ist doch schon mal etwas in einer Formel 1, die mit schwindendem Publikumsinteresse zu kämpfen hat. 1992 wurde zum letzten Mal ein Grand Prix in Mexiko-Stadt ausgetragen. Er endete mit einem Doppelsieg von Williams-Renault durch Nigel Mansell und Ricardo Patrese, Dritter wurde Michael Schumacher auf Benetton-Ford. Es war der erste Podestplatz überhaupt für den späteren siebenmaligen Weltmeister.

Drama in der Peraltada-Kurve

Der 4,304 km lange Rundkurs ist benannt nach den Brüdern Ricardo und Pedro Rodriguez. Am Renntag wird es exakt 53 Jahre her sein, dass Ricardo Rodriguez im Training zum Grossen Preis von Mexiko tödlich verunglückte. Am Lotus des damals erst 20-jährigen Mexikaners brach in der Peraltada-Kurve die Hinterrad-Aufhängung. Das Rennen auf dem 1959 eröffneten Rundkurs zählte nicht zur Weltmeisterschaft.

Ricardos älterer Bruder Pedro ist bis heute der einzige Mexikaner, der ein Formel-1-Rennen gewinnen konnte. 1967 war er mit einem Cooper in Kyalami (Südafrika) siegreich, 1970 in einem BRM in Spa (Belgien). Pedro Rodriguez starb 1971 in einem Sportwagen-Rennen auf dem Norisring (De). Den Ferrari 512 M hatte er vom Schweizer Rennfahrer Herbert Müller geliehen.

Eine Mischung aus Monaco und Monza

Zurück in die Gegenwart: Die WM ist entschieden und trotzdem darf man dem Rennwochenende mit Spannung entgegenblicken. Nicht nur weil der Kurs den Teams völlig unbekannt ist, auch die Rahmenbedingungen sind einzigartig. Mexiko-Stadt liegt auf 2250 Meter über Meer. Die Luftdichte ist rund 20 Prozent tiefer als noch vor einer Woche in Austin (Texas). Für die Ingenieure stellt das eine besondere Herausforderung dar: Die Turbo-Motoren verlieren zwar nur wenig Leistung, Sorgen bereitet den Teams dafür die Kühlung. Auf sie hat die dünne Luft grössere Auswirkungen.

Auch die Aerodynamik ist betroffen. Um bei einer Luftdichte, die rund 20 Prozent tiefer ist als auf Meereshöhe, genügend Abtrieb zu erzielen, dürften die Aerodynamik-Pakete jenen von Monaco ähneln, trotzdem werden Geschwindigkeiten wie in Monza erreicht. Mercedes und Lotus rechnen auf der 1,3 km langen Geraden mit einem Top-Speed von gegen 360 km/h.

Die berühmt-berüchtigte Peraltada übrigens gibt es nicht mehr. Die leicht überhöhte 180-Grad-Kurve sah nicht nur den tragischen Tod von Ricardo Rodriguez, sondern erlebte 1990 auch ein legendäres Überholmanöver, als Nigel Mansell aussen an Gerhard Berger vorbeizog. Was nach dem Umbau der Strecke von der Peraltada übriggeblieben ist, heisst jetzt Mansell-Kurve.

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