«Time-out»: Die Trennung eines Traumpaares
Aktualisiert

«Time-out»Die Trennung eines Traumpaares

Eine «Scheidung», die den Titelkampf entscheiden kann: Zugs Traumpaar Josh Holden und Damien Brunner haben sich nach vier Jahren getrennt. Aber die Zuger wissen, was sie tun.

von
Klaus Zaugg
Liga-Topskorer Damien Brunner (m.) ist, auch wenn er nicht neben Josh Holden stürmt, brandgefährlich.

Liga-Topskorer Damien Brunner (m.) ist, auch wenn er nicht neben Josh Holden stürmt, brandgefährlich.

Es ist kalt im Ilfisstadion. Die Aussichten auf die Partie der SCL Tigers gegen den EV Zug können das Hockeyherz auch nicht so richtig erwärmen: Für die Langnauer ist es ein fast bedeutungsloses Spiel. Dass die Mannschaft für die Playouts «zwäg» ist, wissen die Fans spätestens seit dem 5:1 am Freitagabend in Biel.

Und doch wird es ein historisches Spiel. Die Zuschauer, die beim EV Zug etwas genauer hinsehen, erleben eine Premiere: Liga-Topskorer Damien Brunner darf nicht mehr mit Josh Holden spielen.

Das hat es so überhaupt noch nie gegeben. Seit Damien Brunner im Laufe der Saison 2008/09 zum EVZ gekommen ist, stürmt er neben Josh Holden. Nur wenn der Kanadier mal gesperrt oder verletzt war, wurde Brunner von Trainer Doug Shedden in eine andere Linie beordert. Nun hat Zugs Bandengeneral sein erfolgreiches Traumpaar als Reaktion auf die Niederlage gegen die ZSC Lions (1:2 n.P) geschieden. Seine Begründung: «Es geht darum, im Hinblick auf die Playoffs verschiedene Optionen zu testen.»

Glen Metropolit ist der neue Sturmpartner

Neu stürmte der beste Stürmer mit Schweizer Pass in Langnau neben Glen Metropolit und er enttäuschte den Reporter der «Neuen Luzerner Zeitung», der immer auf der Suche nach einer Polemik ist: Brunner sagte nämlich, er finde das ganz cool. Keine Verärgerung, keine Polemik.

Diese Umstellung ist allerdings eine Herabstufung von Leitwolf Josh Holden. Vergleichbar mit einem Entzug der AAA-Wertung einer Bank. Auf diese mögliche Polemik geht Doug Shedden gar nicht erst ein und sagt gegenüber 20 Minuten Online. «Ich habe die Spieler in dieser Sache nicht nach der Meinung gefragt. Sondern einfach so entschieden.»

Die spektakuläre Umstellung sollte schliesslich ein Hauptgrund für die Niederlage (1:3) der starken, hart arbeitenden Langnauer werden: Das Duo Metropolit/Brunner war an allen drei Treffern beteiligt und verliess das Eis mit einer 3:0-Bilanz.

Was zeigt uns die gelungene Scheidung?

Erstens: Die feuerkräftigste Offensive der Liga (164 Tore) wird ausgerechnet kurz vor den Playoffs für die Gegner noch unberechenbarer. Die Zuger haben drei Linien, die ein Spiel entscheiden können.

Zweitens: Damien Brunner ist so gut, dass er neben jedem beliebigen Mittelstürmer das Spiel dominieren kann.

Drittens: Damien Brunner ist mit hoher Wahrscheinlichkeit gut genug für die NHL.

Ist der EV Zug also besser für die Playoffs gerüstet als in den letzten drei Jahren, die jeweils gegen Kloten, Servette und Davos mit Lichterlöschen im Halbfinale geendet und bisher unter Doug Shedden nur zwei Siege in 14 Spielen gebracht haben? Vieles spricht dafür.

Zug muss Vollgas fahren

Die Balance zwischen Rumpeln und spielerischem Spektakel ist nämlich viel besser und ein Merkmal der Mannschaft geworden. «Wir haben nicht so viel Talent wie Davos oder Kloten oder Bern», sagt Coach Doug Shedden. «Wir haben nur eine Chance, wenn wir in jedem Spiel kämpfen.»

Tönt banal, ist aber von meisterschaftsentscheidender Bedeutung: Die Zuger können, anders als etwa der SC Bern oder der HC Davos, während der Qualifikation nicht mit Rechenschieber-Hockey Siege energieschonend nach Hause schaukeln. Sie müssen Vollgas fahren.

Manchmal übertreiben es die Zuger dabei, rasten aus und verlieren. Manchmal sind sie zu brav und verlieren. In Langnau boten sie in dieser Beziehung gegen ein robustes, raues, starkes Langnau eine Meisterleistung: Sie spielten hart und rasteten doch nie aus, sie befeuerten ihr Spiel mit Emotionen und behielten doch immer kühlen Kopf.

Der «reziproke James Dean»

Offensichtlich haben die Zuger gelernt, mit Verstand Vollgas zu fahren. Selbst die Haudegen mit den kurzen Zündschnüren (wie Timo Helbling und Thomas Ruefenacht) trabten zuletzt folgsam an der Leine des Coaches. Ja, Ruefenacht beruhigte sich in Langnau sogar im Laufe des Spiels. «Wir haben viel über diese Problematik gesprochen», sagte Timo Helbling gegenüber 20 Minuten Online zu dieser Problematik. «Wir sind uns bewusst, dass wir Emotionen für unser Spiel brauchen. Aber wir wissen auch, dass wir nie den Kopf verlieren dürfen. Wir sind jetzt soweit, dass jeder genau weiss, was er tut.»

Das ist es: Der «reziproke James Dean» (reizprok = umgekehrt) könnte den Zugern meisterlichen Ruhm bringen: James Dean war ein Weltstar im Film «Denn sie wissen nicht, was sie tun». Wenn hingegen in den Playoffs in Zug jeder genau weiss, was er tut («Denn sie wissen, was sie tun») – und zwar der Trainer und die Spieler - dann ist der EVZ ein heisser Titelkandidat.

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