Aktualisiert 08.01.2016 15:27

Fiese Viecher, Teil 1Die Trickser im Tierreich

Im Kampf ums Fressen und Gefressenwerden geht es harsch zu und her. Doch manchmal gewinnt nicht rohe Gewalt, sondern ein schlauer Trick.

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sru/bmn/sie

Trickdiebe, Betrüger und Erpresser: Es gibt sie auch in der Tierwelt. Zum Beispiel clevere Wüstenvögel, die mithilfe gefälschter Warnrufe anderen Tieren das Futter klauen. Oder Ameisen, die ganze Völker anderer Ameisenarten versklaven. Doch was für uns Menschen nach bösem Willen aussieht, diene allein dem Überleben der Tiere, sagt Robert Zingg, Verhaltensforscher und Kurator des Zoo Zürich. «Es geht darum, Schaden von sich selbst abzuwenden oder sich einen Vorteil bei der Nahrungssuche oder der Paarung zu verschaffen.»

Eine bewusste Entscheidung der Tiere ist das kaum. «Selbst die raffiniertesten Tricks sind grösstenteils angeboren», sagt Zingg. Weil die Verhaltensweisen erfolgreich waren, haben sie sich in der Evolution über Jahrtausende durchgesetzt. 20 Minuten stellt die ausgefallensten Gaunereien vor (siehe auch Bildstrecke).

Katze imitiert Affenbabys

Auf dem Speiseplan der südamerikanischen Langschwanzkatze stehen unter anderem Mantelaffen. Diese erlegt sie normalerweise, indem sie sich anschleicht, bevor sie zum tödlichen Biss ansetzt. Doch anscheinend ändert die Katze manchmal ihre Taktik. So haben US-Forscher im brasilianischen Dschungel eine Langschwanzkatze dabei beobachtet, wie sie sich im Dickicht versteckte und das Gewimmer eines Affen-Babys imitierte. Damit lockte sie erwachsene Affen an, die dem vermeintlichen Baby zu Hilfe eilten. Die Affen entkamen erst in letzter Sekunde. Wie häufig Langschwanzkatzen diese Taktik tatsächlich einsetzen, werden künftige Beobachtungen zeigen.

Verteidigung bis aufs Blut

Um in der Wüste zu überleben, hat die Krötenechse makabre Strategien entwickelt. Naht ein Feind, beispielsweise eine Schlange oder ein Kojote, bläst sie sich ähnlich wie ein Kugelfisch auf. Lässt der Angreifer trotzdem nicht locker, spritzt die Echse aus ihren Augen übelriechendes Blut. Dieses landet meist direkt im Gesicht des Angreifers – und vertreibt ihn. Die Krötenechse verliert dabei bis zu einem Viertel ihres Blutes. Das ist aber immer noch besser, als gefressen zu werden (siehe Video 1).

Gewisse Ameisen erbeuten Sklaven ohne Blutvergiessen

Viele Ameisenarten überfallen benachbarte Völker und verschleppen deren Larven und Puppen ins eigene Nest. Bei solchen Überfällen müssen sie gegen feindliche Arbeiterinnen kämpfen – häufig mit hohen Verlusten auf beiden Seiten. Bestimmte nordamerikanische Ameisen schaffen den Raubzug jedoch auch ohne Blutvergiessen, wie Zoologinnen der Uni Mainz entdeckt haben. Diese Ameisen parfümieren sich mit den Duftstoffen ihrer Opfer – und werden dadurch von ihnen nicht als Feinde erkannt. Die Gefangenen müssen fortan als Sklaven arbeiten, während die Sklavenhalter selbst faulenzen. Fleissig werden sie erst wieder, wenn der nächste Raubzug ansteht.

Erpresserische Seeotter

Der Kampf um Nahrung lässt Seeotter-Männchen mitunter zu Erpressern werden. Das haben Wissenschaftler verschiedentlich beobachtet. Beispielsweise in Alaska: Als ein Seeotter-Weibchen nach Fischen und Krabben tauchte, schnappte sich ein Männchen schnell ihr unbeobachtetes Junges. Er drückte das Baby unter Wasser, bis die Mutter wieder auftauchte. Diese musste ihren Fang aushändigen, um ihr Kleines zurückzubekommen. Und der Erpresser? Der machte sich mit dem Leckerbissen auf und davon.

Spinnen-Sex mit einschneidenden Folgen

Das Liebesspiel endet für die weibliche Radnetzspinne häufig unschön. Denn nach der Paarung zwickt das Männchen seiner Partnerin einen bestimmten Teil der Genitalien ab. Das haben Forschende der Uni Greifswald herausgefunden. Grund: Die Spinnenweibchen können sich mit mehreren Partnern einlassen und die Spermien zwischenlagern. Das wollen die Männchen mit der rabiaten Massnahme verhindern. So stellen sie sicher, dass nur der eigene Nachwuchs heranwachsen kann.

Lieber ein Viertel Blut verlieren als sterben. (Video: Youtube/National Geographic)

Der Schein trügt: Der Rotlippen-Fledermausfisch ist harmlos. (Video: Youtube/PBS)

Der fieseste Blick im ganzen Ozean

Roter Kussmund, grimmiger Blick: Sie gehören zum Rotlippen-Fledermausfisch. Obwohl dieser richtig gemein aussieht, ist er völlig ungefährlich. Der bis zu 40 Zentimeter grosse Fisch lebt auf dem Meeresgrund rund um die Galapagos-Inseln und ernährt sich von kleinen Fischen. Schwimmen kann er allerdings nicht gut. Stattdessen nutzt er seine Brustflossen ähnlich wie Beine. Wozu aber die knallroten Lippen – sein auffallendstes Merkmal – dienen, ist bislang ein Rätsel.

«Wissen»

in 20 Minuten wird unterstützt durch die GEBERT RÜF STIFTUNG.

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