Aktualisiert 26.04.2011 11:45

Quartalszahlen

«Die UBS ist noch nicht die Alte»

Die Grossbank startete überzeugend ins Jahr 2011. Doch der Weg zurück zu alten Höchstständen ist steinig. Vom 15-Milliarden-Gewinnziel muss sich CEO Grübel wohl verabschieden.

von
Gérard Moinat
Die UBS ist noch lange nicht in der alten Hochform.

Die UBS ist noch lange nicht in der alten Hochform.

Beim Beratungsgespräch unterstreichen UBS-Kundenberater dieser Tage stolz die Rückkehr ihrer Bank zu alter Stärke. Sie demonstrieren das anhand der Börsenkapitalisierung, also der Anzahl Aktien mal Börsenkurs.

Bei einem Aktienkurs, der am Dienstag nach Bekanntgabe des Resultats um über 5,5 Prozent auf knapp 17.50 Franken schnellte, beläuft sich dieser Wert bei der Grossbank mittlerweile wieder auf gut 67 Milliarden Franken. Zum Vergleich: Der grösste Konkurrent in der Schweiz, die Credit Suisse, bringt es auf «nur» 47 Milliarden Franken. Während der Finanzkrise war zeitweise die CS vorn.

Am Dienstag bewies die UBS mit ihren Erst-Quartalszahlen 2011, dass sie auch sonst wieder auf dem aufstrebenden Ast ist. Sie weist einen Gewinn von 1,8 Milliarden Franken aus, 7 Prozent mehr als im letzten Quartal. Daneben steht eine starke Zunahme an neuen Kundengeldern in der Höhe von – netto – 22 Milliarden Franken.

«UBS noch nicht die Alte»

Doch reicht das bereits, um zurück zur «alten» Form vor der Krise zu gelangen? Die Experten zweifeln. «Zwar zeigt der verbesserte Neugeldzufluss, dass die UBS den Vertrauensverlust zu einem guten Teil wettmachen konnte», sagt Andrea Guth, Bankenanalystin bei der Basler Kantonalbank. «Aber die UBS ist noch nicht die Alte.»

Guth meint sogar, «dass die Bank möglicherweise nie mehr die gleiche Form wie vor der Krise wiederfinden» werde. Dazu habe sich die gesamte Bankbranche mit der Krise zu stark gewandelt.

Und gerade bei den Grossbanken stünden noch zu viele Fragezeichen im Raum. Beispielsweise, wie sie die strengen Kapitalanforderungen in der Schweiz erfüllen können, so Guth. «Das Mittelfristziel eines Jahresgewinnes von 15 Milliarden Franken scheint mir in diesem Zusammenhang zu optimistisch.» Denn das zusätzlich erforderliche Eigenkapital könnte die Margen markant nach unten drücken. Ein gutes Quartal bedeute zudem noch keinen Höhenflug. Dazu brauche es schon anhaltend gute Kapitalmärkte und weiterhin gute Resultate im Vermögensverwaltungsgeschäft.

Am Vertrauen happerts noch

«Das Vertrauen in die UBS hat trotz des guten Resultats das Vorkrisenniveau noch nicht erreicht», sagt auch Mojmir Hlinka, Behavioural-Finance-Spezialist und Direktor beim Zürcher Vermögensverwalter AGFIF International.

Vor allem die «Too Big To Fail»-Problematik sei noch nicht aus den Köpfen der Leute. «Bevor nicht geklärt ist, wer künftig das Risiko für die möglichst hohen Eigenkapital-Renditen trägt, hält dieser Zustand an», ist Hlinka überzeugt.

Zwar sei das Q1-Resultat ein gutes und wichtiges Zeichen für die Schweizer Wirtschaft und deren Flaggschiffe. Aber Hlinka ist nicht voll des Lobes: Das gute Resultat sei zumindest teilweise auch auf die Gesamterholung der Wirtschaft zurückzuführen.

Diesem direkten Zusammenhang sollten sich denn auch die Kundenberater der Grossbank bewusst sein, wenn sie ihre Kunden mit Bankgrösse und Konzernzahlen bezirzen.

Wieder im Kreis der Steuerzahler

Im ersten Quartal 2011 zahlt die UBS wieder Steuern, nachdem im letzten Quartal noch eine Steuergutschrift von 469 Millionen Franken angefallen war. Der Fiskus darf sich dieses Jahr bisher über 426 Millionen Franken Steuereinnahmen von der Grossbank freuen. Für 2010 wies die Bank nach drei Verlustjahren wieder schwarze Zahlen aus; zahlte auf den Reingewinn von 7,2 Milliarden Franken in der Schweiz allerdings keine Gewinnsteuern.

Grübel will diskutieren und in der Schweiz bleiben

UBS-Chef Oswald Grübel fordert eine breite Diskussion über die Auswirkungen, welche die vom Bundesrat vorgeschlagene Bankenregulierung haben könnte. Dies habe bis jetzt nicht stattgefunden, sagte er zu Radio DRS. Grübel, der auch schon mit dem Wegzug von Teilen der UBS aus der Schweiz gedroht hatte, falls die Kapitalanforderungen zu streng ausfallen würden, betonte, es gehe ihm nicht um die UBS alleine. Beim vorgeschlagenen Gesetz geht es laut Grübel es auch um Eingriffe in die Wirtschaft als Ganzes. Die Schweiz müsse berücksichtigen, wie weit andere Länder bei ihren Regulierungen gingen. Dass sich die CS nicht gegen die Kapitalanforderungen wehrt, begründete Grübel mit unterschiedlichen Strukturen der beiden Konzerne. Im Radiointerview gab Grübel aber ein Bekenntnis zur Schweiz ab. «Wir haben unser Stammhaus in der Schweiz und möchten hier bleiben.»

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