Italien: Wo die Überlebenden nach dem Bootsunglück unterkommen

Aktualisiert

Italien«Die Überlebenden weinen, ohne zu sprechen, und starren ins Leere»

Bei einem Bootsunglück in Süditalien haben am Sonntag mindestens 60 Menschen ihr Leben verloren, darunter etwa 20 Kinder. Die Überlebenden werden eng betreut. 

Nach ersten Informationen waren die Migrantinnen und Migranten auf einem Fischkutter unterwegs gewesen. Dieser sei bei schwerem Seegang auseinandergebrochen.

AP

Darum gehts

  • Bei einem Bootsunglück vor der süditalienischen Küste sind mindestens 60 Menschen gestorben.

  • Das Fischerboot war in der Türkei gestartet. 

  • Drei mutmassliche Schleuser konnten identifiziert werden, einer davon wird durch die Staatsanwaltschaft befragt. 

Am frühen Sonntagmorgen brach in Süditalien ein Fischkutter auseinander. Nach ersten Erkenntnissen waren ungefähr 150 Migrantinnen und Migranten auf dem alten, etwa 20 Meter langen Boot zusammengepfercht. Einige Überlebende geben an, es seien etwa 180 gewesen, für andere waren es viel mehr, mindestens 250. Eine genaue Einschätzung wird dadurch erschwert, dass die Überlebenden kein Englisch sprechen.

Unter den bisher gemeldeten 60 Todesopfern befinden sich laut einem Bericht von «Corriere della Sera» etwa 20 Kinder. So seien unter den ermittelten Opfern zwei jüngere Zwillinge und ein wenige Monate altes Baby. 

Wo kommen die Überlebenden unter?

80 Menschen überlebten das Bootsunglück. Einige konnten selbstständig an die Küste schwimmen. 21 von ihnen wurden in die Notaufnahme des Spitals in Crotone transportiert, befinden sich aber nicht in einem kritischen Zustand. Da nicht genügend Platz vorhanden sei, habe ein Neunjähriger auf der Station für Corona-Patienten untergebracht werden müssen, schreibt der «Corriere della Sera». 

Die anderen 59 Überlebenden wurden in das Aufnahmezentrum für Asylbewerber in Isola di Capo Rizzuto verlegt, wo sie trockene Kleidung und Decken erhalten haben. «Die Überlebenden weinen, ohne zu sprechen, und starren ins Leere. Eine Frau, die eine gebrochene Nase hat, schreit verzweifelt den Namen ihres Sohnes, der nicht mehr gefunden wird», beschreibt die italienische Zeitung die Situation im Aufnahmezentrum. 

Drei mutmassliche Schleuser identifiziert 

Drei Personen konnten als mutmassliche Schleuser des in der Nacht havarierten Bootes identifiziert werden. Einer der Verdächtigen werde nun von der Staatsanwaltschaft vernommen. Es soll sich um einen türkischen Staatsangehörigen handeln. Ihm werden illegale Einwanderung sowie Totschlag vorgeworfen. 

In den Trümmern des Schiffes sollen auch Dokumente einer weiteren Person gefunden worden sein, die noch nicht ausfindig gemacht werden konnte. Möglicherweise ist sie geflohen, gehört zu den Todesopfern oder zu den Vermissten. 

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Tote nach Bootsunglück in Süditalien: Mindestens 43 Migrantinnen und Migranten starben.

Tote nach Bootsunglück in Süditalien: Mindestens 43 Migrantinnen und Migranten starben.

IMAGO/ZUMA Press
Die Opferzahl könne noch deutlich steigen, weil viele Leichen noch nicht aus dem Meer geborgen seien.

Die Opferzahl könne noch deutlich steigen, weil viele Leichen noch nicht aus dem Meer geborgen seien.

Feuerwehr Italien
Es gebe 80 Überlebende, von denen 21 ins Spital gebracht worden seien.

Es gebe 80 Überlebende, von denen 21 ins Spital gebracht worden seien.

IMAGO/ZUMA Press

Was geschah?

Das Boot legte vor vier Tagen am Hafen von Izmir (Türkei) ab. Auf dem Schiff befanden sich Migrantinnen und Migranten, die aus dem Iran, Afghanistan und Pakistan stammen sollen. 

Bei der Flugbetriebsabteilung der Guardia di Finanze von Vibo Valentia ging am Sonntagmorgen gegen vier Uhr ein Alarm ein. Der Anrufer habe allerdings schlecht verständliches Englisch gesprochen. Die Betreiber der Einsatzzentrale ahnten jedoch, dass etwas passiert sein könnte und alarmierten die Polizei. 

Der Präsident des Roten Kreuzes, Rosario Valastro, schrieb auf Twitter: «Es ist ein böses Erwachen, das die Gemeinschaft aufrütteln muss, damit ähnliche Tragödien nicht passieren. Unsere Freiwilligen engagieren sich für die Rettung von Überlebenden und die Bergung von Opfern.» 

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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