Ukraine: «Testlabor für westliche Waffen»

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Reale Gefechtserprobungen«Die Ukraine ist in jeder Hinsicht ein Waffenlabor für den Westen geworden»

Die ukrainische Armee wehrt sich mit Waffensystemen aus dem Westen gegen die russische Invasion. Die Lieferanten kommen so an wertvolle Daten über den Nutzen der eigenen Systeme.  

von
Jonas Bucher
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Die Ukraine verteidigt sich mit westlichen Waffensystemen gegen Putins Armee.

Die Ukraine verteidigt sich mit westlichen Waffensystemen gegen Putins Armee.

IMAGO/Scanpix
Der leichte M142-Mehrfachraketenwerfer (Himars) sei für den Erfolg der Ukraine von entscheidender Bedeutung.

Der leichte M142-Mehrfachraketenwerfer (Himars) sei für den Erfolg der Ukraine von entscheidender Bedeutung.

The Washington Post via Getty Im
Die Haubitze M777 ist ein wichtiger Bestandteil der ukrainischen Armee geworden.

Die Haubitze M777 ist ein wichtiger Bestandteil der ukrainischen Armee geworden.

IMAGO/NurPhoto

Darum gehts

  • Die Ukraine wehrt die russische Invasion mit westlichen Waffensystemen ab.

  • Keine dieser Ausrüstungen sei jemals in einem Krieg zwischen zwei industriell entwickelten Nationen eingesetzt worden.

  • Das eröffnet den Lieferanten wertvolle Erkenntnisse.

Die Ukraine wehrt sich seit bald einem Jahr erfolgreich gegen die russische Invasion. Möglich machen diesen Erfolg auch die Lieferungen von hochmodernen Waffensystemen aus dem Westen. Am Sonntag hat Italien angekündigt, das Flugabwehrsystem Samp/T an Kiew zu liefern. Grossbritannien will die ukrainischen Streitkräfte mit schweren Challenger-2-Kampfpanzer ausrüsten und die bereits gelieferten Himars-Artilleriesysteme aus den USA haben den Kreml-Truppen bereits schwere Verluste beschert. Die Liste der verschiedenen Waffensysteme aus westlichen Ländern liesse sich noch weit verlängern. 

Inzwischen biete der Krieg in der Ukraine den USA und ihren Verbündeten auch die seltene Gelegenheit zu untersuchen, wie ihre eigenen Waffensysteme unter intensivem Einsatz funktionieren – und welche Munition beide Seiten einsetzen, um in diesem modernen Krieg zu gewinnen. Das berichtet CNN. US-Operationsoffiziere und andere Militärs sollen demnach auch verfolgt haben, wie erfolgreich Russland billige, entbehrliche Kamikaze-Drohnen zur Dezimierung des ukrainischen Stromnetzes eingesetzt hat.

«Reale Gefechtserprobungen» in der Ukraine

Die Ukraine sei «in jeder Hinsicht ein Waffenlabor, denn keine dieser Ausrüstungen ist jemals in einem Krieg zwischen zwei industriell entwickelten Nationen eingesetzt worden», so eine mit westlichen Geheimdienstinformationen vertraute Quelle gegenüber CNN. «Es handelt sich hier um reale Gefechtserprobungen.» Für das US-Militär eröffne der Krieg in der Ukraine eine unglaubliche Quelle von Daten über den Nutzen der eigenen Systeme.

Einige hochkarätige Systeme, die den Ukrainern zur Verfügung gestellt wurden, wie die Drohne Switchblade 300 und eine Rakete, die auf feindliche Radarsysteme abzielt, hätten sich auf dem Schlachtfeld als weniger effektiv erwiesen als erwartet, so ein US-Militäroffizier. 

«Das hat uns die Augen geöffnet»

Der leichte M142-Mehrfachraketenwerfer (Himars) sei jedoch für den Erfolg der Ukraine von entscheidender Bedeutung. Ausserdem hätten die Offiziellen wertvolle Lektionen über die Häufigkeit der Reparaturen gelernt, die diese Systeme bei einem so intensiven Einsatz erfordern würden.

Die Art und Weise, wie die Ukraine ihren begrenzten Vorrat an Himars-Raketen eingesetzt habe, «haben uns die Augen geöffnet», wie es ein Verteidigungsbeamter ausdrückt. Er fügte hinzu, dass die militärische Führung dies noch jahrelang studieren werde. 

Andere Systeme fallen durch

Eine weitere wichtige Erkenntnis habe die Haubitze M777 betroffen, eine leistungsstarke Artillerie, die ein wichtiger Bestandteil der ukrainischen Kampfkraft ist. Ein anderer Verteidigungsbeamter erklärte gegenüber CNN, dass die Läufe der Haubitzen ihre Züge verlieren, wenn zu viele Granaten in kurzer Zeit abgefeuert werden, wodurch die Artillerie ungenauer und weniger effektiv werde. Laut des Einsatzoffiziers könne die USA aus diesem Konflikt lernen,  dass gezogene Artillerie – wie das Haubitzensystem M777 – der Vergangenheit angehören könnte. Diese Systeme seien schwerer zu bewegen, um einem Gegenfeuer zu entgehen. In einer Welt der allgegenwärtigen Drohnen und der Überwachung aus der Luft «ist es heutzutage sehr schwer, sich zu verstecken». 

Mehrere Geheimdienst- und Militärbeamte äusserten gegenüber CNN die Hoffnung, dass die Entwicklung von billigen Einwegwaffen zu einer der obersten Prioritäten für Verteidigungsunternehmen geworden sei. «Ich wünschte, wir könnten eine 10’000 Dollar teure Einweg-Angriffsdrohne herstellen», sagte einer dieser Beamten.

Beschäftigt dich oder jemanden, den du kennst, der Krieg in der Ukraine?

Hier findest du Hilfe für dich und andere:

Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine (Staatssekretariat für Migration)

Kriegsangst?, Tipps von Pro Juventute

Beratungsangebot (Deutsch, Ukrainisch, Russisch), von Pro Juventute

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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