Bauernpräsident im Interview: «Die Umweltverbände sind destruktiv und wollen immer nur Verbote»

Publiziert

Bauernpräsident im Interview«Die Umweltverbände sind destruktiv und wollen immer nur Verbote»

Bauernpräsident Markus Ritter wehrt sich gegen den Vorwurf, dass er seine Versprechen zur Pestizid-Reduktion gebrochen habe. Er glaube nach wie vor an eine Reduktion des Pestizid-Verbrauchs. 

von
Claudia Blumer
1 / 6
Bauernverbands-Präsident und Mitte-Nationalrat Markus Ritter wird von Umweltverbänden scharf kritisiert. 

Bauernverbands-Präsident und Mitte-Nationalrat Markus Ritter wird von Umweltverbänden scharf kritisiert. 

20min/Stefan Lanz
Als es um die Pestizid-Initiative gegangen sei, habe Ritter argumentiert, dass nicht nur den Bauern ein Verbot auferlegt werden sollte. 

Als es um die Pestizid-Initiative gegangen sei, habe Ritter argumentiert, dass nicht nur den Bauern ein Verbot auferlegt werden sollte. 

20min/Simon Glauser
Es brauche auch die Mitwirkung der Privaten, hat Ritter laut den Pestizid-Gegnern damals gesagt. 

Es brauche auch die Mitwirkung der Privaten, hat Ritter laut den Pestizid-Gegnern damals gesagt. 

20min/Matthias Spicher

Darum gehts

  • Der Ständerat will ein Pestizidverbot für Private, der Nationalrat ist hingegen davon abgerückt und unterstützt einen Kompromissvorschlag: eine Kurspflicht für Hobbygärtner.

  • Umweltschützer sind wütend auf Mitte-Nationalrat und Bauernpräsident Markus Ritter, der mit diesem Vorschlag die Vorlage überfrachten und zu Fall bringen wolle.

  • Ritter wehrt sich im Interview: Die Kurspflicht wäre sinnvoll und sie habe durchaus Chancen. Zudem kritisiert er die Umweltverbände deutlich.

Bauernpräsident Markus Ritter ist in der Kritik von Links, nachdem der Nationalrat vor einigen Tagen eine Kurspflicht zum Pestizidgebrauch für Hobbygärtner verabschiedet hat. Denn mit diesem Vorschlag würde das ursprüngliche Ansinnen, Pestizid für Private ganz zu verbieten, gebodigt, sagen die Umweltschützer.

Ritter wird nun des Wortbruchs bezichtigt: Beim Abstimmungskampf um die Pestizid- und die Trinkwasser-Initiative sei das Argument, Private müssten ebenfalls in die Pflicht genommen werden, das wichtigste gewesen. Nun aber, da die Forderung im Parlament hängig sei, mache Ritter alles, um sie zu versenken. Der Ständerat, der ein Pestizidverbot befürwortet habe, werde zu einer bürokratischen Lösung mit Kurspflicht kaum Ja sagen, befürchten SP, Grüne und Umweltverbände. Markus Ritter sieht es anders. Im Interview mit 20 Minuten erklärt er sich.

Herr Ritter, Linke und Umweltverbände werfen Ihnen Wortbruch vor – in der Abstimmung um die Pestizid-Initiative sagten Sie, man müsse auch Private in die Pflicht nehmen. Doch jetzt lehnten Sie eine entsprechende Forderung im Parlament ab.

Den Vorwurf des Wortbruchs weise ich in aller Form zurück. Wir vom Bauernverband wollen nach wie vor, dass auch Privatpersonen einen Beitrag leisten. Doch wir finden, dass für alle Anwender die gleichen Regeln gelten sollen, weil vor dem Gesetz alle gleich sind. Heute brauchen nur kommerzielle Anwender wie Bauern oder Gärtner einen Kurs für die Anwendung von Pestiziden, Hobbygärtner können rund 270 chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel kaufen und verwenden ohne jeden Wissensnachweis. Wir finden, dass ein Kurs für alle Anwender wichtig ist und einen Mehrwert bringt, auch für Private. 

Würdest du einen Kurs besuchen, um Pestizide verwenden zu dürfen?

Aber wäre das nicht sehr aufwendig, alle in einen Kurs zu schicken?

Nicht unbedingt. Solche Kurse gibt es heute schon. Die Lehrmittel und die Fachpersonen sind vorhanden. Realistischerweise wird nicht jeder mit einem Blumenbeet oder Tomatenstock auf dem Balkon einen Pestizid-Kurs besuchen wollen, sondern dann auf Biomittel ausweichen. Diejenigen, die wollen, können aber. Und die Verkäufer von Pflanzenschutzmitteln verlangen an der Kasse einfach einen Nachweis des Kurs-Besuchs. Für die Landwirtschaft gilt das heute schon.

Die Gegner werfen Ihnen vor, Sie wollten die Motion ganz versenken – weil Sie genau wüssten, dass der Ständerat zu einer bürokratischen Lösung Nein sagt.

Dazu muss ich einfach sagen: Die Umweltverbände sind einmal mehr destruktiv. Sie wollen nur Verbote und nicht die Menschen befähigen, die Dinge richtig zu tun. Dies ist nicht der richtige Weg.

Werden Sie sich im Ständerat dafür einsetzen?

Wir werden die nötigen Informationen zur Verfügung stellen, wie eine solche Lösung in der Praxis einfach umgesetzt werden kann. Wir werden auch aufzeigen, warum ein solcher Kurs sehr wertvoll sein kann. Dann müssen die Ständerätinnen und Ständeräte entscheiden.

Es heisst, Sie seien vor zwei Jahren noch für ein Pestizidverbot gewesen und erst umgeschwenkt, nachdem der Gewerbeverband sowie die Pharmalobby auf Sie eingewirkt hatten.

Das stimmt nicht. Ich habe der Motionärin Maya Graf schon ganz am Anfang gesagt: Mach das, aber ich werde mich eher für eine Kurspflicht als für ein Verbot einsetzen. Ich habe deshalb den Vorstoss auch nicht unterzeichnet. Im Übrigen dürfte auch Maya Graf die Idee einer Ausbildungspflicht für Private gegenüber der Alternative – gar keine Lösung – vorziehen.  

Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

Deine Meinung

51 Kommentare