01.04.2020 09:29

Verstopfte Rohre und Rechen

Die unappetitliche Folge der WC-Papier-Hamsterei

Mehr Feuchttücher im Abwasser wegen WC-Papier-Engpässen bergen Risiken für Leitungsnetze. Auch zu viel Desinfektionsmittel kann ein Problem sein.

von
gwa
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Wegen der Corona-Krise kommt es in der Schweiz und in Deutschland zu Hamsterkäufen bei WC-Papier. In Deutschland warnt die Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft (AöW) nun wegen der Knappheit an Toilettenpapier vor Risiken für das Abwassernetz.

Wegen der Corona-Krise kommt es in der Schweiz und in Deutschland zu Hamsterkäufen bei WC-Papier. In Deutschland warnt die Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft (AöW) nun wegen der Knappheit an Toilettenpapier vor Risiken für das Abwassernetz.

Keystone/Goran Basic
Denn durch die Knappheit würden Verbraucher teilweise auf Alternativen wie Feuchttücher, Haushaltspapier oder Taschentücher ausweichen. Dies jedoch könnte sich negativ auf die Abwassersysteme auswirken.

Denn durch die Knappheit würden Verbraucher teilweise auf Alternativen wie Feuchttücher, Haushaltspapier oder Taschentücher ausweichen. Dies jedoch könnte sich negativ auf die Abwassersysteme auswirken.

Keystone/Christian Beutler
So könne es deswegen zu Verstopfungen in Abwassersystemen kommen.

So könne es deswegen zu Verstopfungen in Abwassersystemen kommen.

Keystone/Christian Beutler

Die Corona-Krise hat auch Folgen für die Kläranlagen: Weil mehr Personen im Homeoffice arbeiten und dort auf die Toilette gehen, haben die Kläranlagen der Wohnorte mehr zu tun. «Das erhöhte Volumen des angespülten Stoffwechsels von Menschen der Region im Homeoffice ist bewältigbar», heisst es etwa auf der Website der Hafenstadt Romanshorn.

Mitarbeiter der Kläranlage Romanshorn hätten in der vergangenen Woche zwei Verstopfungen lösen müssen. «Weil WC-Papier Mangelware ist, nutzen die Leute manchmal Alternativen. 95 Prozent der Feucht-, Küchen-, Kosmetik-, und Taschentücher zersetzen sich aber nicht. Und Textilien überhaupt nicht», sagt der Bertiebsleiter der Kläranlage, Roland Nüssli. Das könne zu Verstopfungen in Rohren, Rechen und Pumpen führen, was den Betrieb massiv beeinträchtigen könne.

Desinfektionsmittel schaden Bakterien

«Wer Feuchttücher und Ähnliches nutzt, sollte dies korrekt im Abfall entsorgen», sagt Roger Müller, Betriebsleiter der ARA Winterthur, wo das Abwasser von über 130'000 Personen aufbereitet wird. «Man muss auch an das Personal denken, das die Abwassersysteme gut in Schuss hält – gerade auch zur jetzigen Zeit.» Denn: Verstopfungen müssten zeitaufwendig in Handarbeit gelöst werden. Das Personal sei dabei einem gewissen Risiko ausgesetzt – trotz aller Schutzkleidung. Müller: «Auch wir müssen schauen, dass unser Fachpersonal gesund bleibt, damit wir funktionierende Abwassersysteme garantieren können.»

Müller warnt zudem: «Auch eine übermässig starke Nutzung von Desinfektionsmitteln kann dem Abwassersystem zusetzen.» So könne Desinfektionsmittel Bakterien in den Klärbecken schaden, die wichtig sind für ein einwandfreies Funktionieren einer ARA.

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