Polonium-Vergiftung: Die unbeliebte Witwe Arafat
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Polonium-VergiftungDie unbeliebte Witwe Arafat

Laut einem Schweizer Bericht wurde Jassir Arafat vergiftet. Die Ermittlungen ausgelöst hat seine Witwe Suha. Zu Lebzeiten waren sich die Arafats jedoch nie sonderlich nah.

Die neuen Erkenntnisse über eine mögliche Polonium-Vergiftung von Jassir Arafat sind vor allem seiner Witwe Suha zu verdanken. Die 50-Jährige hatte 2012 und damit acht Jahre nach dem Tod ihres Mannes in einem Spital bei Paris in Frankreich Anzeige erstattet.

Damit löste sie die Ermittlungen aus, die nun den Verdacht verstärkten, dass Arafat womöglich ermordet wurde. Und auch wenn die mit der Autopsie beauftragten Schweizer Wissenschaftler nach eigenen Angaben nicht endgültig sagen können, ob Arafat am Gift Polonium starb, sieht sich seine Witwe in ihrem Weg bestätigt.

Kampf von Malta aus

Von Malta aus kämpft die 50-Jährige um die Aufklärung der Todesursache Arafats und bringt dadurch nicht nur Israel, sondern auch einstige Weggefährten ihres Mannes immer wieder in Verlegenheit. Der Sprecher des israelischen Aussenministeriums, Jigal Palmor, erklärte den neuen Obduktionsbefund kurzerhand «zum Teil eines fortdauernden Kampfs zwischen Arafats Witwe und der Palästinensischen Autonomiebehörde».

Es war eine sehr ungleiche Ehe, die der bereits mit der palästinensischen Sache unlösbar «verheiratete» Arafat 1990 mit der weltgewandten Feministin Suha Tawil einging. Suha wurde am 17. Juli 1963 in Ostjerusalem in eine christliche Palästinenserfamilie geboren, die reich war und liberal eingestellt: der Vater Daud Tawil war Bankier, die Mutter Raymonda Hawa-Tawil eine bekannte Journalistin und Schriftstellerin.

Arafats PR-Beraterin

Als Arafat im Mai 1989 erstmals in der französischen Hauptstadt wie ein Regierungschef empfangen wurde, war seine künftige Frau als Protokollchefin der Palästinenser-Delegation engagiert worden. Der im tunesischen Exil lebende PLO-Chef machte sie zu seiner PR- und Wirtschaftsberaterin und begann mit ihr in Tunis ein heimliches Liebesverhältnis. An ihrem 27. Geburtstag heiratete Suha den 61-Jährigen und konvertierte zum Islam.

Selbst vor den Palästinensern hielt Arafat seine Ehe zwei Jahre lang geheim. In Zeiten der ersten Intifada schien die Bekanntgabe nicht opportun. Sein Nimbus hätte Schaden nehmen können, wäre zur Unzeit die Ehe mit der allzeit nach neuestem Schick gekleidete Palästinenserin bekannt geworden, die lange Jahre an Pariser Universitäten verbracht hatte.

«Ich teile Jassir Arafat mit dem ganzen palästinensischen Volk», sagte Suha einmal. «Seit ich ihn geheiratet habe, haben wir noch nie einen vollständigen Tag miteinander verbracht.» Kein trautes Eheleben, stattdessen ein ständiges Gefühl der Bedrohung. Im Exil in Tunesien hatte Arafat die Angewohnheit, niemals zwei Nächte im selben Quartier zu verbringen.

Aus Angst, vergiftet zu werden, liess er alle Speisen vorkosten. Arafat arbeite fast rund um die Uhr, erzählte Suha. Für intime Stunden bleibe allenfalls die Zeit zwischen zwei und sechs Uhr in der Frühe.

Keine guten Worte für Abbas

Nach der Geburt der Tochter trafen sich die Eheleute nur noch selten, sie wohnten getrennt. Die Entfremdung wuchs, aber als ihr Mann im Sommer 2004 schwer erkrankte, reiste Suha nach Ramallah und sorgte für seine Überführung in ein französisches Militärspital.

Von dort verdarb sie es sich gründlich mit Mahmud Abbas, dem damaligen PLO-Generalsekretär und späteren Nachfolger ihres Mannes als Palästinenserpräsident. Als dieser ans Sterbebett Arafats eilen wollte, bezichtigte sie ihn, er wolle ihren Mann «lebendig beerdigen», um ihn beerben zu können.

Kurz darauf starb Arafat, eine Obduktion wurde nicht veranlasst. Die Witwe zog mit der Tochter nach Tunis, wo sie eine neue Staatsbürgerschaft erhielt. Drei Jahre später verkrachte sie sich wegen eines geschäftlichen Zwists mit Leila Trabelsi, der Ehefrau des seinerzeitigen Machthabers Ben Ali, und wurde ausgebürgert.

Seitdem lebt die Witwe Arafat in Malta in einem schicken Haus mit Meerblick. Schlagzeilen machte sie nur noch selten. Doch nach dem Schweizer Polonium-Befund steht Suha Arafat, geborene Tawil, wieder im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. (sda)

Palästinenser: Arafat nicht eines natürlichen Todes gestorben

Palästinenser: Arafat nicht eines natürlichen Todes gestorben

Palästinenserführer Jassir Arafat ist nach palästinensischen Angaben 2004 keines natürlichen Todes gestorben.

«Er ist nicht an Altersschwäche und nicht an einer Krankheit gestorben», sagte der Leiter der Untersuchungskommission zum Tode Arafats, Tawfik Tirawi, am Freitag in Ramallah.

Dies hätten Gutachten aus der Schweizer und Russland ergeben. Experten hatten im November 2012 bei einer Graböffnung Proben von Arafats Leichnam entnommen. Die Schweizer hatten am Vortag mitgeteilt, die Proben hätten 18 mal mehr radioaktives Polonium 210 enthalten als normal. Ob Arafat daran gestorben sei, könne aber nicht mehr mit Sicherheit gesagt werden. (sda)

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