Anne Sinclair: Die unbeugsame Madame Strauss-Kahn
Aktualisiert

Anne SinclairDie unbeugsame Madame Strauss-Kahn

Die Vorwürfe gegen Dominique Strauss-Kahn sind massiv. Dennoch hält Anne Sinclair unerschütterlich zu ihrem Mann. Dabei hätte die Star-Journalistin das gar nicht nötig.

von
Peter Blunschi
Dominique Strauss-Kahn und Ehefrau Anne Sinclair letztes Jahr in Paris.

Dominique Strauss-Kahn und Ehefrau Anne Sinclair letztes Jahr in Paris.

Am Montag eilte sie nach New York, um ihrem inhaftierten Ehemann beizustehen. Zuvor hatte sich Anne Sinclair in einer Stellungnahme deutlich vom Vorwurf der Vergewaltigung distanziert: «Ich glaube nicht eine einzige Sekunde an die Anschuldigungen, die gegen meinen Mann erhoben werden», schrieb die Journalistin. Alle Beteiligten sollten Anstand und Zurückhaltung wahren. Sie sei überzeugt, dass die Unschuld ihres Mannes bewiesen werde.

Dieser Optimismus wird selbst in Frankreich nur von wenigen geteilt. Doch die 62-Jährige hat stets über die Eskapaden von Dominique Strauss-Kahn hinweggesehen, vor allem über seinen problematischen Umgang mit Frauen. Das war auch so, als er vor drei Jahren eine ungarische Mitarbeiterin des Internationalen Währungsfonds (IWF) mehr oder weniger dazu nötigte, mit ihm eine Affäre zu beginnen. Strauss-Kahn musste sich öffentlich bei seiner Frau entschuldigen. Diese schrieb in ihrem Blog: «Wir lieben uns wie am ersten Tag.»

Erbin eines Kunsthändlers

Dabei wirkt Anne Sinclair nicht wie eine unterwürfige Politiker-Gattin. Sie ist attraktiv, intelligent und hat auch das beträchtliche Vermögen in die Ehe eingebracht. Sinclair ist die Enkelin von Paul Rosenberg, einem der bedeutendsten Kunsthändler des 20. Jahrhunderts, sie hat einen Teil seiner immensen und immens wertvollen Sammlung geerbt. Die Wohnung an der Place des Vosges, einer der besten Adressen in Paris, hat sie genauso bezahlt wie das Haus in Washington, das man nach Strauss-Kahns Berufung zum IWF-Chef bezog.

Geboren wurde Anne Sinclair 1948 in New York, wohin ihre jüdischen Eltern vor den Nazis geflüchtet waren. Sinclair war der Deckname, unter dem sich ihr Vater Robert Schwartz für Charles de Gaulles freies Frankreich gekämpft hatte. Als sie Dominique Strauss-Kahn 1989 traf, war sie ein Fernsehstar. In ihrer Polit-Talkshow «7 sur 7» auf dem Sender TF1 hatte sie jeden Sonntagabend die Mächtigen der Welt zu Gast. DSK, wie er in Frankreich genannt wird, war hingegen ein Parlamentarier, den kaum jemand kannte.

Sie sah sich als Première Dame

Zwei Jahre später kam es zur Heirat. Es war seine dritte und ihre zweite Ehe, er hatte vier Kinder aus den früheren Beziehungen, sie zwei. Als DSK 1997 nach dem Wahlsieg der Sozialisten Finanzminister wurde, gab Sinclair ihre Sendung auf, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Sie führte vier Jahre lang die Internet-Abteilung von TF1, später veröffentlichte sie Bücher und bloggte über US-Politik. Aus dem Rampenlicht verschwand sie zusehends, dafür arbeitete sie hinter der Kulisse an der Karriere ihres Gatten.

Das Ziel war dabei klar: Der Elysée-Palast. In letzter Zeit sandte sie vermehrt Signale aus, ihr Mann werde 2012 für die Präsidentschaft kandidieren. «Sie sah sich zweifellos bereits als Première Dame», schrieb die Zeitung «Libération». Obwohl dieser Traum nun ausgeträumt sein dürfte, scheint sie nicht gewillt, ihre Mann fallen zu lassen. Anne Sinclair sei «bereit, sich für ihren Typen zu opfern», hatte eine Freundin bereits 1997 gesagt. Sie verhält sich damit wie Hillary Clinton und andere Politiker-Ehefrauen in ähnlichen Situationen.

Ein verhängnisvoller Anruf

Die Psychologin Debbie Then nannte dem US-Fernsehsender ABC einen möglichen Grund: Sie wollen «ihr Ego und ihr Selbstwertgefühl schützen», denn «wenn er untergeht, gehen sie ebenfalls unter». Doch möglicherweise liefert ausgerechnet Anne Sinclair ein Indiz für die Schuld ihres Mannes. Einer ihrer Vertrauten sagte der Zeitung «Le Monde», Strauss-Kahn habe am Samstag auf dem Weg zum Flughafen mit seiner Frau telefoniert und ein «ernstes Problem» erwähnt. Von den Vorfällen im Hotel habe er nichts gesagt.

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