Massnahmenkritik in Österreich – «Die ungeimpfte Bevölkerung verspürt eine grosse Wut auf die Regierung»
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Massnahmenkritik in Österreich«Die ungeimpfte Bevölkerung verspürt eine grosse Wut auf die Regierung»

Die Stimmung in Österreich ist wegen Corona massiv aufgeheizt. Das berichtet der Journalist Christian Tomsits, der in Wien an der Grossdemo war.

von
Marcel Urech
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Der Journalist Christian Tomsits in Wien an einer Corona-Demonstration.

Der Journalist Christian Tomsits in Wien an einer Corona-Demonstration.

Privat
Viele Demonstrierende in Wien ignorieren die FFP2-Maskenpflicht, wie dieses Foto zeigt. 

Viele Demonstrierende in Wien ignorieren die FFP2-Maskenpflicht, wie dieses Foto zeigt.

AFP
Laut Tomsits verhält sich die Polizei bisher ruhig. Die Stimmung sei allerdings aufgeheizt.

Laut Tomsits verhält sich die Polizei bisher ruhig. Die Stimmung sei allerdings aufgeheizt.

AFP

Darum gehts

  • Demo-Teilnehmende werben in Wien für das Pferde-Entwurmungsmedikament Ivermectin.

  • Auch die rechtsradikale «Identitäre Bewegung» demonstriert vor Ort.

  • Die ungeimpfte Bevölkerung ist extrem aufgeheizt und verspürt eine grosse Wut auf die Regierung.

Tausende Menschen demonstrieren in Österreich gegen den Corona-Lockdown und die angekündigte Impfpflicht. Die Redaktion hat mit Christian Tomsits gesprochen, der in Wien anwesend ist und die Demonstration vor Ort beobachtet. Tomsits ist 29 Jahre alt und Reporter beim österreichischen Newsportal «Heute», an dem 20 Minuten beteiligt ist.

Christian Tomsits, wie ist die Stimmung vor Ort?
Die Gegnerinnen und Gegner der Corona-Politik der Regierung gehen auf die Strasse, und die Stimmung ist aufgeheizt und explosiv. Es gibt an mehreren Plätzen der Stadt Versammlungen, verschiedene Demo-Züge sind aufeinander getroffen. Zusätzlich gibt es mehrere Bühnen, auf denen Rednerinnen und Redner Stimmung gegen die Regierung machen. Ein Redner hat soeben das Pferde-Entwurmungsmedikament Ivermectin angepriesen.

Wie verhält sich die Polizei?
Die Polizei hat sich bei der Ringstrasse zusammengezogen, hält sich bis jetzt aber zurück. Insgesamt sind wohl ungefähr 1500 Polizisten im Einsatz. Da die Demonstrierenden die FFP2-Maskenpflicht ignorieren, gibt es allerdings Kontrollen. Vor Ort ist auch die Spezialeinheit WEGA, die auch einzelne Menschen festgenommen hat.

Wer nimmt alles an der Demo teil?
Ich habe Menschen mit Rastazöpfen und Reggae-Fahnen gesehen, rechtsradikale Biker und Leute mit paramilitärischen Pseudo-Uniformen. Auch die rechtsradikale «Identitäre Bewegung» ist vor Ort. Einige der Demo-Teilnehmenden sind ganz offensichtlich betrunken, und auch Fussball-Hooligans sollen an der Demo dabei sein. Aber nicht alle Anwesenden sind extremen Strömungen zuzuordnen. Die Menge ist bunt gemischt, aber die Rechten sind sicher in der Mehrheit.

Gibt es auch eine Gegendemonstration?
Wohl nicht. Ich habe auf jeden Fall keine Gegendemonstration gesehen.

Wie reagieren die Wienerinnen und Wiener auf die Demo?
Die ungeimpfte Bevölkerung ist extrem aufgeheizt und radikalisiert und verspürt eine grosse Wut auf die Regierung. Viele Geimpfte nerven sich aber über die Demonstrierenden und begrüssen die Massnahmen. Gleichzeitig sind sie aber auch müde, die Massnahmen nur wegen den Ungeimpften mittragen zu müssen. Viele sind auch der Meinung, dass der Lockdown und die Impfpflicht zu spät kommen.

Ist die Gesellschaft also gespalten?
Eine Minderheit hat sich selbst abgespalten und wähnt sich nun im Widerstand gegen das System und als vermeintliche Opfer einer Impf-Apartheid. Sie übersehen aber, dass sie sich dabei selbst ins soziale Aus manövriert haben. Das wurde heute auf der Demo wieder einmal augenscheinlich.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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