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Das gespaltene GlasgowDie unglaubliche Saison der Rangers – und die Horrorwochen des Erzrivalen

Die Glasgow Rangers spielen unter Liverpool-Legende Steven Gerrard die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte. Mittendrin ist auch der Schweizer Nati-Stürmer Cedric Itten.

von
Lucas Werder
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Die Glasgow Rangers spielen eine rekordverdächtige Saison.

Die Glasgow Rangers spielen eine rekordverdächtige Saison.

Foto: Reuters
Seit 2018 trainiert Steven Gerrard (40) den schottischen Rekordmeister.

Seit 2018 trainiert Steven Gerrard (40) den schottischen Rekordmeister.

Foto: Reuters
Anfang Januar bauen die Rangers dank eines Derby-Siegs den Vorsprung auf Rivale Celtic weiter aus.

Anfang Januar bauen die Rangers dank eines Derby-Siegs den Vorsprung auf Rivale Celtic weiter aus.

Foto: Reuters

Darum gehts

  • Die Glasgow Rangers haben in dieser Saison 29 von 34 Spielen gewonnen.

  • Trainer Steven Gerrard könnte den Club zum ersten Titel seit zehn Jahren führen.

  • Nati-Stürmer Cedric Itten spielt bislang nur eine Nebenrolle.

  • Aussenverteidiger James Tavernier ist Topscorer der Rangers.

  • Stadtrivale Celtic ist in der Krise – und in Quarantäne.

Es ist eine grauenhafte Leidenszeit, welche die Fans der Glasgow Rangers hinter sich haben. Neun Jahre lang müssen die eigentlich so erfolgsverwöhnten Anhänger des Rekordmeisters (54 Titel) mitansehen, wie Stadtrivale Celtic einen Meistertitel nach dem anderen einfährt. Doch diese Saison ist alles anders: 23 Meisterschaftsspiele, 21 Siege und – fast am wichtigsten – 21 Punkte Vorsprung auf den so verhassten Widersacher Celtic. Die Glasgow Rangers spielen die erfolgreichste Saison ihrer Geschichte.

Verantwortlich für den Aufschwung bei den Rangers ist vor allem ein Mann: Liverpool-Legende Steven Gerrard (40), der seit Sommer 2018 an der Seitenlinie der Schotten steht. Doch nicht nur national läuft es unter dem 114-fachen englischen Nationalspieler überragend. In dieser Spielzeit fahren die Rangers wettbewerbsübergreifend in 34 Spielen unfassbare 29 Siege ein. In der Europa League qualifizieren sich die Rangers in einer Gruppe mit Benfica, Lüttich und Lech Posen problemlos für die K.-o.-Phase. Einzig im Cup-Viertelfinale gegen St. Mirren müssen die Glasgower als Verlierer vom Platz.

Vierte Liga vor 49’000 Fans

Noch vor ein paar Jahren sieht alles ganz anders aus. Wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten steht der Club 2012 vor dem Ruin, es kommt zum Zwangsabstieg in die 4. Liga. Und das nur ein Jahr nach dem 54. und bislang letzten Meistertitel. Der Unterstützung durch die Fans tut auch der Abstieg keinen Abbruch. Zum ersten Heimspiel gegen die Amateure des FC East Stirlingshire strömen 49’118 Zuschauer in den Ibrox Park.

Es folgen drei Aufstiege in vier Jahren, seit 2016 sind die Rangers zurück in der höchsten Liga. In der Comeback-Saison landet man am Ende auf Platz 3. Danach wird man drei Mal Zweiter hinter Stadtrivale Celtic. In dieser Saison folgt nun also die langersehnte Wachablösung. 2,86 Punkte pro Spiel holt das Team von Steven Gerrard in dieser Saison im Schnitt.

Im ersten Heimspiel nach dem Abstieg in die vierte Liga gewinnen die Rangers vor 49’118 Fans 5:1 gegen den Amateur-Club FC East Stirlingshire.

Im ersten Heimspiel nach dem Abstieg in die vierte Liga gewinnen die Rangers vor 49’118 Fans 5:1 gegen den Amateur-Club FC East Stirlingshire.

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Aussenverteidiger ist Torschützenkönig

Fast noch unglaublicher als die Punkteausbeute der Rangers sind die Zahlen von Captain James Tavernier (29). Der Engländer kommt in dieser Saison in allen 34 Spielen zum Einsatz, schiesst 17 Tore und bereitet 14 weitere vor – als Aussenverteidiger! Mit 11 Treffern führt Tavernier aktuell sogar die Torschützenliste der schottischen Premier League an. Mittendrin im Rangers-Märchen ist Nati-Stürmer Cedric Itten, der seit Sommer bei den Schotten unter Vertrag seht. Dabei spielt der ehemalige St. Galler bislang aber nur eine Nebenrolle. Itten sitzt zumeist auf der Bank, kommt aber immerhin auf 22 Einsätze und 4 Tore.

Vor der Sonne steht Itten zumeist der Kolumbianer Alfredo Morelos. Mit einem Marktwert von 15 Millionen Euro ist er der mit Abstand wertvollste Spieler im Team von Steven Gerrard. Der bekannteste Name im Kader ist wohl der ehemalige englische Nationalspieler Jermain Defoe (38), der seine Karriere bei den Schotten ausklingen lässt. Zudem steht seit Sommer Ianis Hagi (22), Sohn von Rumänien-Legende Gheorghe Hagi, fix bei den Rangers unter Vertrag. Das Tor hütet der langjährige schottische Nati-Goalie Allan McGregor (38).

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Der kolumbianische Stürmer Alfredo Morelos ist der wertvollste Spieler der Rangers.

Der kolumbianische Stürmer Alfredo Morelos ist der wertvollste Spieler der Rangers.

Foto: Reuters
57 Länderspiele (20 Tore)  hat Ex-Tottenham-Star Jermaine Defoe (r.) für England absolviert.

57 Länderspiele (20 Tore) hat Ex-Tottenham-Star Jermaine Defoe (r.) für England absolviert.

Foto: AFP
James Tavernier führt als Aussenverteidiger die Torschützenliste in Schottland an.

James Tavernier führt als Aussenverteidiger die Torschützenliste in Schottland an.

Foto: Reuters

Lokalrivale Celtic in der Krise

Und was läuft eigentlich bei Stadtrivale Celtic Glasgow? Der Arbeiterclub, der zuletzt neun Meistertitel in Serie feierte, muss den Traum vom Titel-«Stängeli» wohl bereits im Januar begraben. Zwar hat man noch drei Spiele weniger ausgetragen als die Rangers, trotzdem beträgt der Rückstand auf den Tabellenführer bereits unfassbare 21 Punkte! Die letzten Titelhoffnungen lösten sich kurz nach Neujahr in Luft auf. Die Rangers entschieden das prestigeträchtige «Old Firm»-Derby mit 1:0 für sich.

Noch schlimmer wird es diese Woche. Wegen eines positiven Coronafalls muss Celtic am Montagabend gegen Hibernian auf ganze 14 Spieler verzichten, darunter auch der Schweizer Nati-Spieler Albian Ajeti. Prompt müssen «The Bhoys» beim 1:1 den nächsten Punktverlust hinnehmen. Alles sieht also danach aus, als würden die Rangers in dieser Saison ihren Trophäenschrank um einen 55. Meisterpokal erweitern. Es wäre der erste Titel seit 2011. Und das neun Jahre nach dem Zwangsabstieg in die vierte Liga.

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7 Kommentare
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Nickname Carter

12.01.2021, 21:12

Seit wann ist Itten St. Galler? Nur weil er beim FCSG gespielt hat?

Irevom Norden

12.01.2021, 20:07

Sorry, als echter Nordire kann man nur Celtic Fan sein.