Aktualisiert 15.11.2010 10:05

Finanzbetrüger

Die Unterhosen des Milliarden-Betrügers

Bernard Madoff, der auch der grösste Betrüger aller Zeiten genannt wird, hat nicht mehr viel zu lachen. Jetzt wurden seine Besitztümer versteigert.

Wer insgeheim gern in die Fussstapfen des grössten Schlitzohrs der US-Finanzgeschichte treten wollte, der hatte am Samstag in New York die Chance. Zumindest in die Schuhe von Bernard Madoff kann fortan nach Belieben steigen, wer bei einer Auktion seiner ehemaligen Besitztümer das richtige Angebot machte. Rund 250 Paare standen zur Versteigerung, ebenso wie Schmuck, Möbel und allerlei Kunst. Das bevorzugte Motiv der Skulpturen und Gemälde: der Bulle.

Als Symbol für steigende Kurse spielte der Bulle im Leben Madoffs über viele Jahre eine zentrale Rolle. Stetig ging es bergauf, wenn auch auf Kosten anderer. Mit einem Schneeballsystem prellte der einst hoch geachtete Financier mehr als 3.000 Kunden um mindestens 13,2 Milliarden Dollar. Inzwischen wäre der Bär das passende Symbol, die Kurse Madoffs sind längst gefallen. Doch um vielsagende Kunst zu kaufen, ist es zu spät. Heute sitzt der 72-jährige Händler im US-Staat North Carolina hinter Gittern.

Für zehn Paar Designer-Schuhe zahlte ein unbekannter Bieter 900 Dollar. Ein Fussschemel in Form eines Bullen brachte 3.300 Dollar. Der Steinway-Flügel aus Madoffs Wohnzimmer fand für 42.000 Dollar einen neuen Besitzer. Der höchste Betrag wurde mit 550.000 Dollar (400.000 Euro) für den mit 10,5 Karat Diamanten besetzten Verlobungsring von Gattin Ruth Madoff erzielt. Den Gesamterlös bezifferte das Auktionsbüro «Gaston & Sheehan» auf mehr als zwei Millionen Dollar.

Keine volle Entschädigung

Die Einnahmen sollen unter den Klienten aufgeteilt werden, denen Madoff das Geld aus der Tasche gezogen hatte. Keine volle Entschädigung, aber immerhin etwas. Zu den zwei Millionen vom Samstag kommt rund eine Million von einer ähnlichen Auktion im vergangen Jahr, ausserdem die Einnahmen durch den Verkauf seiner Immobilien in New York und Florida sowie durch den Verkauf seiner drei Jachten: der «Bull», der «Sitting Bull» und der «Little Bull».

Die Versteigerung im New Yorker Sheraton Hotel begann am Morgen und dauerte bis zum späten Abend. Mit zungenbrecherischer Geschwindigkeit rief der Auktionsleiter den ganzen Tag über die zum Teil in Gesamtpakete gebündelten Objekte aus. Die Bieter lieferten sich erbitterte Schlachten um die begehrtesten Artikel. Es ging zu wie an der Wall Street.

Symbol für grenzenlose Gier

Madoff war im Juni 2009 wegen des wahrscheinlich grössten Betrugsfalls in der Wirtschaftsgeschichte der USA zu 150 Jahren Haft verurteilt worden. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise wurde Madoff zum Symbol für die grenzenlose Gier an der Wall Street. Das Urteil sah die Einziehung sämtlicher Vermögenswerte vor. Die Behörden nahmen in den exklusiven Anwesen des ehemaligen Milliardärs alles mit, was sie zu fassen bekamen.

Somit kamen am Samstag in New York nicht nur Kunstwerke und Luxus-Accessoires unter den Hammer. Auch benutzte Socken, Boxer-Shorts und Shampoo-Flaschen wurden versteigert. «Alle unrechtmässig erworbenen Objekte, die heute im Angebot waren, wurden verkauft», sagte ein Vertreter der Behörden nach der Auktion zufrieden, «und die Gewinne sind zur Abwechslung sogar für einen guten Zweck bestimmt.»

(dapd)

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