22.07.2020 13:30

Die US Army hat ein E-Sport-Team und das Internet dreht gerade durch

Spielen im Auftrag des Staates ist in den USA möglich. Die US Army streamt neu auf Twitch und macht dabei so einige Fehler. Kritische User werden gebannt, Gewinnspiele sollen manipuliert worden sein und der eigene Discord-Server wird von Kriegskritikern gestürmt.

von
Marc Gerber

Darum gehts

  • Die US Army hat neu ein E-Sport-Team.
  • Dabei werden auf der Streaming-Plattform Twitch Spiele wie «Call of Duty» gespielt.
  • Wer kritische Fragen zur Armee stellt, der wird gebannt.
  • Internet-Trolle machen sich dies zum Spass und spamen den Chat voll.
  • Auch der Discord-Server der US Army wird von Kriegskritikern gestürmt.

Gehen der US Army die Rekruten aus oder hat ein Sergeant vielleicht seinen Nachwuchs dabei ertappt, wie er einem «Fortnite»-Streamer auf Twitch zugeschaut hat? Egal, die Armee hat jetzt einen eigenen Twitch-Kanal inklusiv eigenes E-Sport-Team. Täglich wird auf der Streaming-Plattform gedaddelt.
Wer jetzt denkt, auf den US-Army-Streams werde eine Runde kinderfreundliches «Super Mario» oder «Rocket League» gespielt, der irrt. Natürlich wird geballert, ob in «Call of Duty» oder «Counter-Strike». Mann muss sich ja selber treu bleiben.

Natürlich hat Twitch auch eine Chatfunktion, die auch rege benutzt wird, aber leider nicht für sinnvolle Fragen, sondern um die Militär-Gamer zu nerven. So wurden schon mehrerer User gebannt, weil sie kritische Fragen stellen. Wer bestimmte Wörter wie «War» schreibt, wird automatisch zensiert und sein Text wird gar nicht angezeigt. Wer sich trotzdem traut und zum Beispiel fragt, was dem E-Sport-Soldat sein liebstes US-Kriegsverbrechen sei, der wird sofort gebannt.

Das E-Sport-Team der US Army. (Bild:  US Army)

Freedom of Speech

Genau diese Zensur, die das E-Sport-Team der US Army zum Teil betreibt, generiert einen noch grösseren Shitstorm in den sozialen Netzwerken. So wird U.S. Army Esports mit negativen Tweets zugedeckt, und es ist egal, was das Militär postet. Die schlimmsten Nachrichten werden auch hier weggelöscht, was die Internet-Trolle nur mehr anheizt.

Das ist aber noch nicht genug, denn mittlerweile wird auch der offizielle Discord-Server der US Army mit Hass-Nachrichten zugedeckt. Die Gaming-Community macht sich einen Spass daraus, das Militär zu nerven, und die US Army kommt mit dem Löschen von Nachrichten und Bannen von Usern fast nicht mehr nach.

Gewinnspiel geht direkt zum Rekrutierungsformular

Die Army hat aber nicht nur Probleme mit den Internet-Trollen, sondern auch mit Twitch selber.
Während der Livestreams des E-Sport-Teams wurde ein Link eingeblendet, bei dem die Zuschauer Xbox-Controller im Wert vom 200 Dollar gewinnen konnten. Leider wurden die User nicht zu einem Gewinnspiel, sondern zum Rekrutierungsformular weitergeleitet. Einen Wettbewerb fand man auf der Seite nicht, was gegen die Regeln von Twitch verstösst. Mittlerweile klärte das E-Sport-Team auf, es sei alles ein Missverständnis gewesen.

Die ganzen negativen Schlagzeilen aus der E-Sport-Community sind eigentlich überraschend. Mit dem Spiel«Americas Army» hat die US-Armee schon 2002 einen eigenen Multiplayer-Shooter veröffentlicht, der dank vieler Updates auch 2020 noch gespielt wird und im E-Sport eine loyale Fanbase hat. Die US Army zieht jetzt ihre Konsequenzen. Bis auf weiteres streamt die Armee nicht mehr auf Twitch, man wolle die Situation untersuchen, sagt ein Mediensprecher dem Newsportal «Kataku».

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