Aktualisiert 29.07.2009 16:20

Koalition der WilligenDie USA allein im Irak

Die bei der Invasion 2003 gebildete «Koalition der Willigen» ist Geschichte. Ab August werden nur noch die USA mit Soldaten im Irak präsent sein. Die Briten müssen gehen, weil ein neuer Vertrag nicht zustande kam.

von
pbl

Grossbritannien verlegt am 31. Juli seine letzten Soldaten bis auf Weiteres nach Kuwait. Die Regierung in London zieht damit die Konsequenzen daraus, dass es keine gültige Grundlage für eine Stationierung über das Monatsende hinaus gibt. Die Kampftruppen wurden bereits abgezogen, ein Kontingent von bis zu 100 Mann für den Schutz von Ölplattformen und zur Ausbildung der irakischen Streitkräfte sollte aber bleiben.

Ein Abkommen, dass deren Stationierung regelt, fand bislang jedoch keine Mehrheit im irakischen Parlament. Der britische Botschaftssprecher Jawwad Syed sagte am Dienstag, er sei optimistisch, dass eine Lösung gefunden werde, um die Soldaten in den Irak zurückkehren zu lassen. Das irakische Parlament vertagte sich am Montag allerdings bis zum 8. September in eine Sommerpause.

Auch Australier und Rumänen gehen

Damit bestehen die «multi-nationalen Streitkräfte» ab August nur noch aus Amerikanern, denn mit Australien und Rumänien ziehen auch die beiden letzten verbliebenen Staaten gemäss «New York Times» ihre kleinen Kontingente ab. Die Australier gehen ebenfalls am 31. Juli, die Rumänen sind bereits seit einer Woche weg. Zwar ist noch die NATO mit einigen Ausbildnern präsent, sie gehörten jedoch nie zur internationalen Streitmacht, weil einige NATO-Staaten – vor allem Deutschland und Frankreich – den Irak-Krieg ablehnten.

Die vor der Irak-Invasion 2003 gebildete «Koalition der Willigen» ist damit endgültig Geschichte. Wirklich ernst genommen wurde diese von der Bush-Regierung gebildete Bezeichnung nie. Zwar haben 38 Nationen Soldaten in den Irak entsandt, die meisten schickten aber nur ein kleines Kontingent – jenes aus Island bestand aus zwei Mann. Die Hauptlast lag stets auf den Schultern von Amerikanern und Briten.

USA erwägen schnelleren Abzug

Möglicherweise gehen auch die USA rascher als geplant. Nach seinen Gesprächen im Irak hat US-Verteidigungsminister Robert Gates von der Möglichkeit eines schnelleren Truppenabzugs gesprochen. Es gebe «eine gewisse Chance einer leichten Beschleunigung», sagte Gates am Mittwoch auf dem Heimflug vor Journalisten. Eine Kampfbrigade könnte früher zurückverlegt werden, als es bisher vorgesehen sei.

Gates sagte, General Ray Odierno, der Kommandeur der US-Truppen im Irak, habe ihm erklärt, dass sich die Sicherheitslage besser entwickle als erwartet. US-Präsident Barack Obama hat angekündigt, dass bis 31. August 2010 alle Kampftruppen den Irak verlassen sollen. Danach sollen noch 30 000 bis 50 000 Soldaten bis Ende 2011 im Land bleiben, um für Ausbildung und Beratung der irakischen Streitkräfte zur Stelle zu sein. (pbl/dapd)

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