Aktualisiert 23.08.2018 11:36

Dumm gelaufenDie USA bauten ihr Fort irrtümlich in Kanada

Zum Schutz vor einem britisch-kanadischen Angriff bauten die Amerikaner das nördlichste Fort der USA – in Kanada.

von
mst
23.8.2018
Fort Montgomery (benannt nach dem Bürgerkriegsgeneral Richard Montgomery) steht heute an genau der Stelle, an der 1816 die Bauarbeiten für Fort Blunder begannen.

Fort Montgomery (benannt nach dem Bürgerkriegsgeneral Richard Montgomery) steht heute an genau der Stelle, an der 1816 die Bauarbeiten für Fort Blunder begannen.

Squelle / Public Domain
Einige Jahre zuvor waren die USA gerade im Krieg mit den Engländern und deren Kolonien – darunter auch Kanada. Der Krieg hätte für die Amerikaner viel schlechter ausgehen können, ...

Einige Jahre zuvor waren die USA gerade im Krieg mit den Engländern und deren Kolonien – darunter auch Kanada. Der Krieg hätte für die Amerikaner viel schlechter ausgehen können, ...

Canadian National Archives
... was auch dem damaligen Präsidenten James Madison klar war. Er gab das Fort am nördlichsten Punkt Amerikas in Auftrag.

... was auch dem damaligen Präsidenten James Madison klar war. Er gab das Fort am nördlichsten Punkt Amerikas in Auftrag.

White House Collection

1812 befanden sich die USA gerade im Krieg mit den Engländern und deren Kolonien – darunter auch Kanada. Der Krieg hätte für die Amerikaner viel schlechter ausgehen können, was auch dem damaligen Präsidenten James Madison klar war.

Militär stärken

Um für einen kommenden Krieg besser gewappnet zu sein, gelobte Madison also, die militärischen Anlagen und Truppen der USA zu stärken. Besonders wichtig schien das an einem Ort: am Lake Champlain, einem See zwischen den US-amerikanischen Bundesstaaten Vermont und New York und der kanadischen Provinz Québec.

Dort hatten die Engländer bereits zweimal angegriffen und versucht, Amerika so zu spalten. Damit das nie wieder passieren kann, wurde ein grosses Verteidigungsfort am Lake Champlain in Auftrag gegeben. Die neue Verteidigungsanlage sollte Fort Montogomery heissen, benannt nach General Richard Montgomery, der im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg eine wichtige Rolle gespielt hatte.

800 Meter hinter der Grenze

1816 begannen die Bauarbeiten für Fort Montgomery. Stehen sollte es am Island Point, einer kleinen Landzunge am nördlichsten Punkt des Sees. Einst fertig, sollte das achteckige Fort knapp 10 Meter hoch sein und Platz für 125 Kanonen bieten – kein englisches Kriegsschiff hätte in den See fahren sollen, ohne unter Beschuss zu geraten.

1818 bemerkten die Amerikaner einen folgenschweren Fehler. Ihr Verteidigungsfort befand sich, fast fertig gebaut, auf kanadischem Boden. Schuld daran waren Unklarheiten über Längen- und Breitengrade. Als den Amerikanern klar wurde, dass sie im falschen Land bauen, hatten sie bereits fast 300'000 Dollar in den Bau investiert – ein Vermögen für damalige Verhältnisse.

An die USA zurückgegeben

Die Bauarbeiten wurden sofort gestoppt, das halb fertige Fort wurde künftig als Fort Blunder bezeichnet – Blunder ist das englische Wort für Schnitzer. Die Einheimischen, die in der Nähe des Forts wohnten, nutzten diesem Umstand für sich und stahlen Steine und andere Baumaterialien aus der halb fertigen Konstruktion.

Die vergessenen Forts von St. Petersburg

Einst beschützte eine Reihe von schwimmenden Festungen die russische Stadt St. Petersburg vor Angriffen vom Meer.

Erst 1842 tat sich wieder etwas: Im Webster-Ashburton-Vertrag wurde festgelegt, dass die Kanadier den Amerikanern Fort Blunder (und damit den nördlichsten Punkt des Lake Champlain) zurückgeben und die Grenze an dieser Stelle neu ziehen.

1844 wurden die Bauarbeiten wieder aufgenommen, das offizielle Fort Montogomery wurde gebaut. Es wurde bis 1920 genutzt und war auch mit Soldaten besetzt. Zu Beginn der Zwanzigerjahre verkaufte es die amerikanische Regierung an eine Privatperson.

In einer früheren Version dieses Artikels kämpfte Richard Montgomery im Bürgerkrieg. Tatsächlich war Montgomery General im Unabhängigkeitskrieg.

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