Aktualisiert 09.08.2011 20:46

Wahlen 2012Die USA fürchten sich vor dem Polit-Prediger

Rick Perry bringt sich als Kandidat der Republikaner in Stellung. Mit einer Gebetsveranstaltung scharte er die evangelikalen Christen hinter sich. Damit weckt er bei manchem Erinnerungen an George W. Bush.

von
Senta Keller
Rick Perry sprach 13 Minuten lang zu den Gläubigen in Houston.

Rick Perry sprach 13 Minuten lang zu den Gläubigen in Houston.

Es dauert zwar noch über ein Jahr, Spannung herrscht in den USA aber bereits jetzt, wenn es um die Frage geht, welcher republikanische Kandidat 2012 gegen US-Präsident Barack Obama antreten wird. Wöchentlich erscheint eine neue Umfrage, in der ersichtlich wird, wer von den Anwärtern auf die republikanische Kandidatur den grössten Zuspruch erhält. Jüngst hat sich Rick Perry in Stellung gebracht und damit beim einen oder anderen für Unruhe gesorgt. Zwar hat sich Perry noch nicht offiziell zu seinen Ambitionen, Präsident der Vereinigten Staaten werden zu wollen, bekannt – allgemein wird dies aber in Kürze erwartet.

Wenig Begeisterung dürfte eine Kandidatur Perrys bei Mitt Romney auslösen. Dieser schwingt bislang nämlich bei allen Umfragen der Republikaner oben aus und hätte in Rick Perry eine echte Konkurrenz. Besorgt reagiert auch das säkulare Amerika. Nach George W. Bush erneut einen Texaner mit evangelikalem Hintergrund im höchsten Amt zu haben, weckt gewisse Ängste.

Denn Perry weiss, wie man die Massen bewegt. Vergangenen Samstag lud er gläubige Christen zum Tag des Betens und Fastens ins «Houston Reliant Stadium» ein, um mit Gottes Hilfe den Niedergang der USA zu stoppen. 30 000 Gläubige folgten seinem Ruf und frönten in einem siebenstündigen Marathon der christlichen Wiedererweckung. Sie streckten die Arme in die Luft, tanzten in Trance, sangen innbrünstig mit und wischten sich hin und wieder eine Träne aus dem Gesicht. Nur das mit dem Fasten nahmen die Gläubigen offenbar nicht allzu ernst, wie die britische Zeitung «The Guardian» weiss: Die Warteschlange vor den Fast Food-Ständen sei ziemlich lang gewesen.

Grosse Plattform für Kampagnen-Lancierung

Für Perry sei die Veranstaltung in Houston ein erster Schritt gewesen, um seine Kandidatur einzuläuten, schreibt das Blatt. Das Treffen der Evangelikalen bot ihm nämlich die Plattform, die er gesucht hatte. Neben 250 Reportern und Fotografen konnte er sich die Unterstützung der christlich evangelikalen Bewegung sichern.

Das wiederum bedeutet, ein grosses Netzwerk von Freiwilligen und Geldgebern hinter sich zu haben, die bei einer allfälligen Wahlkampagne kräftig mitwirken würden – ganz zu schweigen von der nicht unbeträchtlichen Anzahl Stimmen, die ihm so bei den republikanischen Primärwahlen gewiss wären. Auf die Stimmen der Veranstaltungsbesucher kann er wohl zählen. Von der 13-minütigen Rede Perrys waren sie begeistert.

(Rick Perry spricht vor den Gläubigen in Houston. Quelle: Youtube).

In Kürze ein Spitzenkandidat

Die Gebetsveranstaltung habe eine starke Botschaft an soziale Konservative geschickt. Es habe gezeigt, dass Perry bei sozialen Belangen glaubwürdig sei und er deshalb künftig stärker auf die Themen Arbeitsplätze fokussieren könne, schreibt die «Huffington Post».

Sollte Perry in den nächsten Wochen offiziell seine Kandidatur bekannt geben, würde dies die republikanischen Anwärter aufs Präsidentenamt ziemlich durcheinander rütteln, ist «The Guardian» überzeugt. Er werde nämlich in Kürze zu den Spitzenkandidaten gehören, die darauf hoffen können, gegen US-Präsident Barack Obama nominiert zu werden. Perry spreche im Gegensatz zu Obama Probleme an, meint der Veranstaltungsteilnehmer Buzz Park. Die Vereinigten Staaten würden sich wirtschaftlich und moralisch im Niedergang befinden und immer mehr an Einfluss verlieren. «Die Nation welche Gott vergisst wird zur Hölle», so Park. Durch Gebete könne das Land wieder gerettet werden.

Potenzial bei Wirtschaftsfreundlichen und Konservativen

Perry habe das Potenzial, sowohl wirtschaftsfreundliche als auch sozial engagierte Konservative für sich gewinnen zu können, sagt Iowas Gouverneur Terry Branstad laut «Huffington Post». Der Republikaner Doug Gross aus Iowa sagt gegenüber dem Blatt: «Perry kann kommen und Wirtschaftsthemen aufgreifen. Wenn er das tut, hat Romney ein Problem.»

Bislang hatte nämlich Mitt Romney die Umfragen unter den Republikanern deutlich angeführt. Romney habe stets seinen Hintergrund als CEO und Mann der Wirtschaft betont. Rick Perry wäre eine ernstzunehmende Alternative.

Furcht des säkularen Amerikas

Das säkulare und liberale Amerika beobachte die Aussichten auf einen neuen Präsidenten aus Texas, der mit der christlich evangelikalen Bewegung verbunden sei entsprechend beunruhigt, schreibt «The Guardian». Auch progressive Christen haben ihre Probleme mit Perry und seiner Beziehung zur «American Family Association». Diese führt 200 Radiosender und wird wegen ihrer Haltung gegenüber Schwulen als «Hassgruppe» bezeichnet. Zur samstäglichen Veranstaltung hatten sie eine Million Dollar beigetragen.

Das Treffen rief denn auch zahlreiche Proteste hervor. Für die «New York Times» ist klar, dass die Veranstaltung Perry helfe, sich als Favorit der religiösen Rechten in Stellung zu bringen. Gleichzeitig müsse er sich auch der Kritik stellen, Politik und Religion zu vermischen. In Texas hatten Atheisten deswegen per Gerichtsverfahren versucht, die Veranstaltung zu verhindern. Am Samstag flogen Flugzeuge über das Stadion, die Banner zu diesem Thema hinter sich herzogen. Andere christliche Kirchen hielten alternative Gebetstreffen ab. 150 Demonstranten standen ausserhalb des Stadions bereit und zeigten sich besorgt über Perrys Verbindungen zur «American Family Association».

Eine, die sich vor Perry ganz besonders fürchtet, ist Jennifer Stephenson, die mit einem Plakat «Christen gegen Perry» unterwegs war und die Haltung der AFA als unchristlich bezeichnete. Sie fürchtet, dass die Enttäuschung über Obamas Politik unter linken Wählern den Weg für Perrys Einzug ins Weisse Haus ebnen könnte. Unglücklicherweise habe Perry nämlich gute Chancen, sagte sie gegenüber dem «Guardian». «Er sieht gut aus, brachte seinem Staat Arbeitsplätze und kann viele Christen hinter sich scharen. Der christliche Wählerblock ist eine Kraft, gegen die man kämpfen muss.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.