Kandidatur bestätigt: «Die USA haben Obama, Haiti hat Wyclef Jean»
Aktualisiert

Kandidatur bestätigt«Die USA haben Obama, Haiti hat Wyclef Jean»

Der Hip-Hop-Star Wyclef Jean hat es offiziell bestätigt: Er tritt bei der Präsidentschaftswahl am 28. November in Haiti an.

von
pbl

(Video: APTN-Video)

«Ich möchte Präsident Barack Obama sagen, dass die USA Obama haben und Haiti hat Wyclef Jean», sagte der dreimalige Grammy-Gewinner am Donnerstag vor begeisterten Unterstützern in der Hauptstadt Port-au-Prince. Jean war kurz vorher mit seinem Privatjet in Haiti gelandet.

Damit beendete er wochenlange Spekulationen um seine Ambitionen, vom Musikgeschäft in die Politik zu wechseln. Auf Jean wartet ein Wahlkampf gegen eine starke Konkurrenz in dem vom Erdbeben zerstörten Land. Unter anderem tritt er gegen Ex-Ministerpräsident Jacques-Edouard Alexis an. Das Mandat des amtierenden Präsidenten René Préval läuft im Februar 2011 aus, der Verfassung des Karibikstaates zufolge darf er sich nicht erneut zur Wahl stellen.

Jean fuhr in einer Wagen-Kolonne vor, dann stieg er in dunklem Anzug und Krawatte auf das Dach seines Geländewagens und verbeugte sich vor der Menge. «Es ist sehr ergreifend», sagte der Musiker, der von seiner Frau und seiner Tochter begleitet wurde.

Kritiker Prévals

Der Sänger ist politisch engagiert und hat sich zum Beispiel nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti für den Wiederaufbau seines Heimatlandes stark gemacht. Jean organisierte Benefizkonzerte und warb Spendengelder an. Mit seiner Organisation Yéle Haiti unterstützt er schon seit Jahren Jugendprojekte im ärmsten Land Amerikas. Der 37-Jährige hatte sich immer wieder in politische Debatten eingemischt und zum Beispiel das Krisenmanagement von Präsident René Préval scharf kritisiert.

Wyclef Jean wurde 1972 in Haiti geboren, seine Familie wanderte aber wenige Jahre später in die USA aus. In den 90er-Jahren machte er als Hip-Hop-Sänger international Karriere, insbesondere mit der Sängerin Lauryn Hill und seinem Cousin Pras Michel als «The Fugees». Ihre Songs «Killing me softly» und «Ready or Not» landeten 1996 weltweit auf den vorderen Plätzen der Hitparaden. Jean war anschliessend allein erfolgreich und arbeitete zudem für Michael Jackson, Carlos Santana, Mick Jagger, Destiny's Child, Whitney Houston, die Black Eyed Peas und andere Stars.

Nicht der erste Musiker

Jean wäre nicht der erste Musiker, der in Lateinamerika in die Politik strebt. Salsastar Ruben Blades war von 2004 bis 2009 Tourismusminister seines Heimatlandes Panama. Dort hatte er 1994 schon für das Präsidentenamt kandidiert und den dritten Platz belegt. Der Musiker Gilbert Gil war von 2003 bis 2008 brasilianischer Kulturminister.

Haiti war am 12. Januar von einem Erdbeben der Stärke 7,0 erschüttert worden, mehr als 300 000 Menschen kamen ums Leben. Grosse Teile der Hauptstadt Port-au-Prince wurden zerstört. Zahlreiche Einwohner leben noch immer in Notunterkünften. Der Staat gehört zu den ärmsten Ländern weltweit. (pbl/sda/dapd)

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