Aktualisiert 22.04.2011 06:54

Krieg in LibyenDie USA setzen bewaffnete Drohnen ein

Wegen der zunehmend schlechteren humanitären Lage der Bevölkerung fliegen die USA wieder Angriffe in Libyen. Die tiefer fliegenden Drohnen kommen vor allem in besiedelten Gebieten zum Einsatz.

Die USA setzen jetzt auch bewaffnete Drohnen in Libyen ein. US-Präsident Barack Obama habe ihre Nutzung im Kampf gegen die Bodentruppen von Machthaber Muammar al-Gaddafi genehmigt, sagte Verteidigungsminister Robert Gates am Donnerstag in Washington.

Die unbemannten Fluggeräte, die bereits zur Aufklärung von der NATO in Libyen genutzt wurden, hätten ihre ersten Missionen schon geflogen. Die Angriffsflüge seien aber wegen schlechten Wetters abgebrochen worden, sagte der stellvertretende US-Generalstabschef James Cartwright.

Laut Cartwright ist der Drohneneinsatz vor allem in besiedelten Gebieten sinnvoll: «Sie haben die Möglichkeit, tiefer zu fliegen, deshalb könne sie eine bessere Sicht auf bestimmte Ziele bekommen.» Das sei hilfreich, weil Gaddafis Truppen begonnen hätten, sich «in Defensivpositionen einzugraben». Insgesamt könnten bis zu zwei Drohnen gleichzeitig im Einsatz sein.

Gates begründete den Einsatz mit der zunehmend schlechteren humanitären Lage der Bevölkerung in Libyen. Die USA wollten aber keine Bodentruppen einsetzen, versicherte Gates.

Streit um Militärberater

Zuvor hatte Obama bereits angekündigt, die USA würden den Rebellen Material wie Schutzwesten, Funkgeräte oder Medikamente liefern. Zuvor hatten Briten, Franzosen und Italiener erklärt, sie wollten Militärberater zu den Rebellen entsenden.

Dieser Schritt wurde von Russland als «riskantes» Unterfangen mit «ungewissem Ausgang» bezeichnet. Aussenminister Sergej Lawrow sagte, dies laufe «eindeutig» auf eine Einmischung am Boden hinaus.

Die Aufständischen hoffen dass sie aus Europa bald auch Waffen erhalten. Sie hätten sich mit Italien und Grossbritannien über Waffenlieferungen geeinigt, sagte Abdelhafizh Ghoga, ein Mitglied des Übergangsrates, der Nachrichtenagentur dpa in Benghasi.

Das Regime in Tripolis kündigte an, die ganze Bevölkerung bewaffnen zu wollen, um sich gegen einen Angriff von NATO- Bodentruppen zu wappnen. In einem solchen falle «werden wir die Hölle lostreten», sagte ein Regierungssprecher.

Libyische Rebellen begrüssen Einsatz von US-Drohnen

Die Rebellen haben den Einsatz von US-Drohnen im Kampf gegen Machthaber Muammar Gaddafi begrüsst. «Es gibt keinen Zweifel, dass sie beim Schutz von Zivilisten helfen werden», sagte ein Sprecher am Donnerstag dem Sender Al-Dschasira.

Zuvor hatte US-Verteidigungsminister Robert Gates den Einsatz der unbenannten Kampfflugzeuge angekündigt. Dieser sei von Präsident Barack Obama genehmigt worden.

Der Vize-Vorsitzende des Generalstabs, James Cartwright, erklärte, die ersten beiden «Predator»-Maschinen seien am Donnerstag nach Libyen aufgebrochen, hätten jedoch wegen schlechten Wetters umkehren müssen.

Grenzübergang erobert

Die Aufständischen brachten am Donnerstag einen wichtigen Grenzübergang zu Tunesien unter ihre Kontrolle. Dabei wurden nach Angaben der Aufständischen mehrere Regierungssoldaten getötet. Die tunesische Nachrichtenagentur TAP meldete, bis zu 200 entwaffnete Soldaten, darunter zwei Generäle, seien nach Tunesien geflohen.

Umkämpft blieb die west-libysche Stadt Misrata, die von Gaddafis Truppen seit Wochen belagert wird. Durch Granaten seien am Mittwoch mindestens drei ihrer Kämpfer und zehn Zivilisten getötet und 100 Menschen verletzt worden, teilten die Aufständischen mit. Unter den Toten war auch ein Arzt aus der Ukraine, wie das Aussenministerium in Kiew erklärte.

Kriegsreporter getötet

In Misrata wurden am Mittwoch auch zwei Kriegsreporter getötet. Den Filmemacher Tim Hetherington und den Fotografen Chris Hondros traf offenbar eine von Gaddafis Truppen abgefeuerte Panzerabwehrgranate.

Der 41-jährige Brite Hetherington war für seine Afghanistan- Dokumentation «Restrepo» (2010) für den Oscar nominiert worden. Auch der gleichaltrige Amerikaner Hondros war ein erfahrener Kriegsreporter. Er war unter anderem mit dem «World Press Photo»- Preis und der «Robert Capa Gold Medal», der höchsten Auszeichnung für Kriegsfotografen, ausgezeichnet worden.

Beide verbanden ihren gefährlichen Einsatz auch mit dem Engagement für Menschenrechte und für die Dokumentierung des Leids von Zivilisten im Krieg. Beim Angriff in Misrata wurde auch der britische Fotograf Guy Martin schwer verletzt.

Bevölkerung in Not

Die Lage der Bewohner in der drittgrössten Stadt Libyens wird immer verzweifelter. Es fehlt an Lebensmitteln und Medikamenten sowie Benzin zum Betreiben von Stromgeneratoren.

Am Donnerstag erreichte ein Schiff mit Hilfsgütern des UNO- Kinderhilfswerks Unicef Misrata. An Bord waren Erste-Hilfe-Sets, Trinkwasser und Hygieneartikel sowie Spielzeuge.

(sda)

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