Zürcher Clubs während Corona: «Die Veranstalter sind froh um jeden Franken»
Publiziert

Zürcher Clubs während Corona«Die Veranstalter sind froh um jeden Franken»

Die Clubs in Zürich haben teilweise wieder offen. Trotz finanzieller Schwierigkeiten steht laut der Bar- und Clubkommission Zürich (BCK) die Freude am Partymachen im Vordergrund.

von
Lynn Sachs
Monira Djurdjevic
1 / 8
Clubs dürfen seit Ende August nur noch 100 Gäste empfangen.

Clubs dürfen seit Ende August nur noch 100 Gäste empfangen.

KEYSTONE
Trotz der verschärften Schutzmassnahmen wollen sich die Betreiber nicht unterkriegen lassen.

Trotz der verschärften Schutzmassnahmen wollen sich die Betreiber nicht unterkriegen lassen.

KEYSTONE
«Es ist an der Zeit, dass wir uns mit dem Entscheid abfinden, Erfahrungen sammeln und unsere Abläufe optimieren», sagt der Geschäftsführer des Plaza Klub, Tony Bolli.

«Es ist an der Zeit, dass wir uns mit dem Entscheid abfinden, Erfahrungen sammeln und unsere Abläufe optimieren», sagt der Geschäftsführer des Plaza Klub, Tony Bolli.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Seit August dürfen sich in Zürich im Innern von Clubs gleichzeitig maximal 100 Personen aufhalten.
  • Die verschärften Corona-Massnahmen treffen die Clubs in Zürich hart.
  • Laut der Bar- und Clubkommission Zürich ist die finanzielle Situation für die Betriebe prekär.

Der Zürcher Regierungsrat hatte im August beschlossen, dass wieder strengere Corona-Massnahmen im Kanton gelten. Diese betreffen unter anderem auch die Clubs. So wurde die Gästezahl stark eingeschränkt. Im Innenraum dürfen sich gleichzeitig nicht mehr als 100 Personen aufhalten. Zusammen mit dem Aussenbereich sind es höchstens 300 Personen gleichzeitig.

«Die 100-Personen-Regelung hatte uns überrascht», sagt Tony Bolli, Geschäftsführer vom Plaza Klub, gegenüber 20 Minuten. Trotz der verschärften Auflagen möchte das Plaza aber wieder ein aktiver Teil des Zürcher Nachtlebens sein: «Es ist an der Zeit, dass wir uns mit dem Entscheid abfinden, Erfahrungen sammeln und unsere Abläufe optimieren», sagt Bolli. Seit Donnerstag hat das Plaza wieder offen und veranstaltet von Donnerstag bis Samstag eine Mini-Disco.

Nebst dem Contact-Tracing stelle der Club verschiedene Hygienestationen bereit und verteile den Gästen eine Schutzmaske, wenn sie das wünschen, so Bolli. Der Eintritt für die Partys liegt zwischen 15 und 20 Franken.

Hive führt Maskenpflicht freiwillig ein

Im Gegensatz zum Plaza hatte das Hive seit Lockdown-Ende durchgehend von Donnerstag bis Samstag geöffnet. «Die Leute wollten nach dem Lockdown unbedingt raus. Wir haben versucht, wann immer wir konnten und durften, Partys zu veranstalten», sagt Geschäftsführer Nicola Schneider. Die Maskenpflicht führte der Club am 24. August freiwillig ein.

Da das Hive vier Räume hat, darf der Club 300 Gäste empfangen. Trotzdem: «Der finanzielle Druck ist während Corona sehr hoch.» Die Kosten auf die Gäste abwälzen will Schneider nicht. «Die Eintrittspreise sind gleich geblieben. Ausser wir haben Star-DJs auf dem Programm, dann ist der Eintritt erhöht.» Normalerweise variiert der Preis zwischen 20 und 28 Franken.

Am Samstag veranstaltet das Hive bei der SBB-Werkstätte in Zürich einen urbanen Daydance. «Damit die Gäste nicht mit Maske tanzen müssen, findet die Party draussen statt und das Gelände wird in verschiedene abgesperrte Sektoren unterteilt.»

«Gäste freuen sich, dass wir trotzdem offen haben»

«Als bekannt wurde, dass die Clubs nur noch 100 Personen empfangen dürfen, mussten wir über die Bücher», sagt Marco Uhlig, Geschäftsführer Club Heaven im Zürcher Niederdorf. «Wir haben festgestellt, dass wir Geld in die Hand nehmen müssen, um überhaupt öffnen zu können.» Zudem sei die Angst da gewesen, dass es mit so wenigen Leuten schwierig werden könnte, Stimmung aufzubauen. «Die Realität war eine andere. Die Gäste freuen sich, singen mit und bedanken sich beim Personal, dass wir trotz der schwierigen Situation offen haben.»

Die Gäste können laut Uhlig ihre Tickets nur im Voraus online kaufen. «Somit sind ihre Personalien automatisch erfasst und müssen an der Tür nur noch mit dem Ticket verglichen werden.» Der Eintrittspreis liegt weiterhin bei 20 Franken.

Während Marco Diener, Geschäftsführer vom Spacemonki, und sein Team nach dem Lockdown noch internationale Künstler gebucht hatten, änderte sich das nach dem Entscheid des Bundes, die Personenanzahl in den Clubs auf 100 zu reduzieren. «Solche Abende kosten einerseits viel zu viel Geld. Andererseits möchten wir Schweizer Künstler so gut es geht unterstützen.»

Dass gerade für Clubs und Bars verschärfte Corona-Regeln gelten, versteht Diener nicht: «Wir fördern eine Kultur, die genau in dieser Zeit sehr gefragt ist und vielen Menschen hilft.» Das Spacemonki hat jeweils am Freitag, Samstag und Sonntag offen. Der Eintritt kostet zwischen 25 und 40 Franken.

«Die finanzielle Situation der Betriebe ist prekär»

Wie Alexander Bücheli, Sprecher bei der Bar- und Clubkommission Zürich (BCK), sagt, beginnt nach den Sommerferien die umsatzstärkste Zeit des Jahres: «Aufgrund der immer noch geltenden Covid-19-Schutzmassnahmen ist ein Grossteil der Einnahmen in diesem Jahr weggeblieben. Die finanzielle Situation der Betriebe ist prekär.»

Der Grund: «Die Fixkosten sind hoch, unabhängig davon, wie viele Gäste anwesend sind. Veranstaltungen sind zurzeit nur möglich, wenn alle verzichten.» So würden auch Künstler die Clubs unterstützen, indem sie für tiefere Gagen spielten, um die Kosten tief zu halten, werde aber auch weniger Personal aufgeboten, erklärt Bücheli. Laut Bücheli müssten die Eintrittspreise für Clubs eigentlich erhöht werden. «Wir müssen jedoch realistisch bleiben. Die Covid-19-Krise merken viele unserer Gäste auch am eigenen Portemonnaie, es wäre nun ein falsches Signal, die Preise zu erhöhen.»

Trotz der schwierigen finanziellen Situation hätten viele Betriebe offen. «Ein paar Franken einnehmen ist natürlich besser als gar nichts. Die Veranstalter sind zurzeit froh um jeden Franken, der eingenommen wird.» Ein weiterer Grund: «Veranstaltungen organisieren ist nicht nur Beruf, sondern auch Leidenschaft. Die Freude an der Musik und die Lust, den Gästen Kultur zu bieten, stehen dabei im Vordergrund.»

Bezüglich der Schutzmassnahmen erklärt Bücheli, dass weiterhin das Contact-Tracing gilt. Jeder Gast ist eingeladen, eine Maske zu tragen, die Betriebe entscheiden jedoch selber, ob sie eine Maskenpflicht einführen wollen oder nicht.

Deine Meinung