«Couponing Extrem»: Die verrücktesten Geizhälse der USA
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«Couponing Extrem»Die verrücktesten Geizhälse der USA

In den USA sorgt eine Doku-Serie für Gesprächsstoff: «Couponing Extrem» zeigt zügellose Sparfüchse auf der Jagd nach dem nächsten Schnäppchen.

von
mor

Im Supermarkt für den Einkauf den vollen Preis bezahlen? Auf keinen Fall! Die US-Doku-Serie «Couponing Extrem» offenbart, wie es geht. Der Sender TLC begleitet Gutschein-Freaks bei ihrer liebsten Beschäftigung: dem Sparen. Das Konzept hört sich nicht gerade nach einem aufregenden Format an, doch der Unterhaltungswert der Sendung entsteht durch den Extremismus und die Pingeligkeit, mit denen die Sparfüchse an ihr Hobby – oder vielleicht treffender formuliert – ihren Sport herangehen.

Als Couponing wird in den USA das Sammeln von Sonderangeboten bezeichnet. Die Aktionen werden dabei in Form von ausschneidbaren Gutscheinen in Zeitungen gesammelt und zum Supermarkt gebracht. Das Ziel: mit möglichst vielen Errungenschaften für möglichst wenig Geld vom überdimensionalen Parkplatz des Supermarktes im Offroader den Heimweg anzutreten. Dabei jagen den von TLC gezeigten Sparfüchsen regelrechte Endorphinschübe durch die Adern, während die Einkäufe zuhause, in der meist ein ganzes Zimmer umfassenden Vorratskammer einsortiert werden. Dabei handelt es sich oft um Vorräte, von denen die Protagonisten meist über Jahre hinweg leben könnten.

«Es ist definitiv eine Sucht»

Doch was ist der Reiz dieses aufwendigen Prozederes? Schliesslich verbringen die Couponing-Extperten fast ihr halbes Leben mit dem Ausschneiden von Coupons und dem Planen ihrer Einkäufe. Kelly zum Beispiel sitzt bis morgens um 2 Uhr vor dem PC, um ihren nächste Shoppingtour zu planen: «Ich wälze mich nachts im Bett hin und her vor lauter Angst, dass ich einen Deal verpassen könnte», gesteht die dreifache Mutter in einer Folge von «Couponing Extrem». April hat sechs Kinder und unterrichtet fünf von ihnen zuhause. Trotzdem schafft sie es, sechs Tage in der Woche eine Einkauftour durch den Supermarkt zu unternehmen: «Es ist definitiv eine Sucht», bestätigt April in der Sendung: «Wenn ich Erspartes verliere, kann ich in der Nacht nicht schlafen.»

Die Passion vieler Coupon-Jäger beginnt mit einem finanziellen Engpass. Aus Not beginnen sie nach Sonderangeboten ihren Einkauf zu planen, um so wenig Geld wie möglich an der Supermarktkasse liegen zu lassen. Aus der Not entwickeln sie eine Tugend, die sie dann nicht mehr abstreifen möchten, es gar als Extremsport ihr ganzes Leben lang weiterbetreiben. Die ganze Familie wird nicht in den Schnäppchenkult eingebunden. Denn ein Extrem-Couponer füllt bei einem Einkauf sicherlich mehrere Einkaufswägen mit seiner Beute.

Extrem-Sparen und Schnäppchentipps als TV-Format sorgt jedoch auch für Kritik. Die «New York Times»-Kolumnistin Virginia Heffernan bezeichnete die Show als ein «trügerisch einfacher Blick auf das komplexe Drama wie die Amerikaner Geld ausgeben und das Paradox des Geizes». Auch Ken Tucker von «Entertainment Weekly» machte sich Gedanken über «Couponing Extrem» und bezeichnete die Sendung als «geschmackloses und ausbeuterisches Reality-TV», das sich durch zwei gerissene Elemente auszeichne: «Die Faszination an extremen Verhaltensweisen, die durch das Reality-TV gefiltert wird, und den Fakt, dass viele Menschen nicht genug Geld haben.» Offenbar zeigt diese Kombination Wirkung: «Couponing Extrem» läuft in den USA derzeit in der fünften Staffel.

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