Hoch ist das neue Quer: Die vertikalen Videos erobern das Internet
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Hoch ist das neue QuerDie vertikalen Videos erobern das Internet

Nicht alle mögen vertikale Filmchen. Trotzdem befindet sich das Format auf dem Vormarsch – befeuert von neuen Streaming-Apps.

von
tob
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Vertikale Videos sind schlecht: Diese Botschaft übermitteln die Puppenspieler von Glove and Boots in ihrem Clip «Vertical Video Syndrom». Das Filmchen hat bereits über 6 Millionen Klicks.

Vertikale Videos sind schlecht: Diese Botschaft übermitteln die Puppenspieler von Glove and Boots in ihrem Clip «Vertical Video Syndrom». Das Filmchen hat bereits über 6 Millionen Klicks.

Youtube/GloveAndBoots
So oft gegen das Format geschossen wird, ist der Trend dennoch nicht aufzuhalten. Gut ein Drittel aller Bildschirme um uns herum sind auf den Konsum vertikaler Filme ausgelegt. Vor fünf Jahren waren es 5 Prozent.

So oft gegen das Format geschossen wird, ist der Trend dennoch nicht aufzuhalten. Gut ein Drittel aller Bildschirme um uns herum sind auf den Konsum vertikaler Filme ausgelegt. Vor fünf Jahren waren es 5 Prozent.

Kleiner Perkins Caufield & Byers
Ein Grund für die Zunahme: Neue Live-Streaming-Apps wie Meerkat oder Periscope (im Bild).

Ein Grund für die Zunahme: Neue Live-Streaming-Apps wie Meerkat oder Periscope (im Bild).

Vertikale Videos sind im Netz verhasst und Leute, die solche Clips auf Youtube oder soziale Netzwerke hochladen, werden meist als Amateure abgestempelt. Um die Clips zu betiteln, wurde gar die fiktive Krankheit – das Vertical Video Syndrom (VVS) erfunden. Doch eigentlich wäre es an der Zeit, die vertikalen Filmchen ernst zu nehmen. Denn: Das Hochformat ist auf dem Vormarsch; Vertikal ist fast schon das neue Horizontal.

Das zeigt auch der aktuelle Internet Trend Report der im Silicon Valley angesiedelten Risikokapitalgesellschaft Kleiner Perkins Caufield & Byers. Laut den Verfassern des Reports hat die Betrachtung von vertikalen Videos in den letzten fünf Jahren drastisch zugelegt, auch weil immer mehr Bildschirme um uns herum hochkant ausgerichtet sind. Lag der Anteil von vertikalen Screens im Jahr 2010 noch bei 5 Prozent, sind im Jahr 2015 fast schon ein Drittel aller Bildschirme für die vertikale Nutzung ausgelegt.

Die Gründe liegen in der Hand: Neue Live-Streaming-Apps wie Meerkat oder Periscope setzen voll auf das Hochformat. Auch bei Snapchat kommt niemand auf die Idee, ein Foto im Querformat zu verschicken. Zudem macht das Format dann Sinn, wenn Einzelpersonen abgelichtet werden, da die Person im Hochformat besser ins Bild passt und erst noch Platz für einen Chat in der unteren Hälfte der Anzeige bleibt.

Apps befeuern den Trend

Die Kritik am Vertikal-Format aber bleibt. So entstehen bei der Ansicht auf einem querformatigen Bildschirm hässliche Balken auf der Seite und die Gegner argumentieren zudem, dass es «unnatürlich» sei, solche Clips zu betrachten. Das bestätigt auch Eli Peli, Professor für Augenheilkunde an der Harvard Universität, gegenüber Digiday.com: «Es ist einfacher und bequemer, die Augen horizontal statt vertikal zu verschieben.» Doch, so der Fachmann, bei einem Smartphone, das eine Armlänge vom Gesicht gehalten wird, mache das keinen Unterschied.

Vertical Cinema Movement

So ist es denn auch eine Frage der Zeit, bis der erste Vertikal-Film veröffentlicht wird. Die argentinischen Filmemacher Gonzalo Moiguer und Rodrigo Melendez haben bereits letztes Jahr den vertikal abgedrehten Film «Todas Las Estrellas Están Muertas» angekündigt. Auch gibt es in Amsterdam eine Gruppe von Video-Pionieren, welche die Vertical Cinema Movement gegründet haben. «Unser Ziel ist es, den Zuschauern eine neue Erfahrung zu bieten und ihnen die Möglichkeit zu geben, Kino auf einem neuen Weg zu erleben», sagt Annette Wolfsberger, Co-Kuratorin gegenüber der BBC.

Trailer für den argentinischen Vertikal-Film «Todas Las Estrellas Están Muertas». (Video: Vimeo/EstrellasMuertas)

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