Unerwünschtes Tracking: «Die Verwendung von Airtags für Stalking ist sehr attraktiv»

Publiziert

Unerwünschtes Tracking«Die Verwendung von Airtags für Stalking ist sehr attraktiv»

Eine 19-jährige Bernerin entdeckte in ihrem Auto einen Airtag. Ein IT-Experte erklärt, was den Objektfinder zum idealen Stalking-Werkzeug macht. 

von
Simon Ulrich
1 / 4
Der Objektfinder von Apple lässt sich auch als Stalking-Tool nutzen. 

Der Objektfinder von Apple lässt sich auch als Stalking-Tool nutzen. 

Wikipedia / Swisshashtag / CC BY-SA 4.0
Dies musste kürzlich die Bernerin N.A. (19) feststellen. 

Dies musste kürzlich die Bernerin N.A. (19) feststellen. 

Privat
Während sich missbräuchliche Fälle mit den Ortungsgeräten von Apple in den USA mehren, ist in der Schweiz noch kein Trend zu verzeichnen. 

Während sich missbräuchliche Fälle mit den Ortungsgeräten von Apple in den USA mehren, ist in der Schweiz noch kein Trend zu verzeichnen. 

Privat

Darum gehts 

  • 20 Minuten berichtete über den Fall einer jungen Bernerin, die unter dem Beifahrersitz ihres Autos einen angeklebten Airtag fand.

  • Laut einem IT-Experten erhöhen die einfache Handhabung, die Konnektivität über das Netz anderer Telefone und die vermeintliche Anonymität der Airtags das Stalking-Risiko. 

  • Die bisherigen Sicherheitsverbesserungen begrüsst der Experte zwar. Eine verstärkte Aufklärung der Nutzerinnen und Nutzer wäre aus seiner Sicht aber wünschenswert. 

Mit den Airtags von Apple können verlegte Gegenstände wie das Portemonnaie oder die Handtasche einfach lokalisiert werden. Oft werden die scheibenförmigen, knopfgrossen Gadgets aber auch als Stalking-Werkzeug missbraucht. Eine 19-jährige Bernerin hat unter dem Beifahrersitz ihres Autos einen Tracker entdeckt. Wenige Wochen zuvor wurde ein Mann verurteilt, weil er seine Ex-Freundin mit einem Airtag auf Schritt und Tritt verfolgt hatte. 

«Die Verwendung von Airtags für Stalking ist sehr attraktiv, da sie sehr leicht aktiviert werden können und durch die Benutzung des Netzwerks anderer iPhones lange Zeit mit geringem Stromverbrauch und grosser Reichweite arbeiten», erklärt Angelo Mathis, Vorstandsmitglied der Information Security Society Switzerland (ISSS). Zudem seien sie aufgrund ihrer Grösse und der geringen Strahlung schwer zu identifizieren.

Scheinbare Anonymität

Lukrativ für Stalkerinnen und Stalker seien die Bluetooth-Ortungsgeräte auch wegen ihrer vermeintlichen Anonymität, sagt Mathis: «Wenn ein Airtag gefunden wird, kann nicht so einfach zurückverfolgt werden, wer diesen hinterlassen hat. Dazu werden der Rechtsweg und die Zusammenarbeit mit Apple benötigt und das ist – wie auch bei gestohlenen Mobiltelefonen, bei denen die Ortungsfunktion nicht aktiviert wurde – nicht einfach.»

Bereits bei der Einführung des Airtags im April 2021 hatte Apple mögliche Stalking-Situationen berücksichtigt und Schutzmassnahmen eingeführt. Nachdem Missbrauchsfälle bekannt geworden waren, führte der Techkonzern im letzten Februar zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen ein. Unter anderem werden Nutzerinnen und Nutzer nun früher über unbekannte Airtags in ihrer Nähe benachrichtigt und neuere iPhone-Modelle können die unerwünschten Tracker präziser lokalisieren. Weiter wurde die anfängliche Schwachstelle, die darin bestand, dass Android-Telefone nicht über fremde Tracker benachrichtigt werden konnten, zum Teil entschärft. 

«Mehr Aufklärung und Sensibilisierung wären wünschenswert»

Diese Verbesserungen seien sicherlich nützlich, «da sie die Fähigkeit erhöhen, unbeabsichtigtes Tracking korrekt zu erkennen», sagt IT-Experte Mathis. Sie würden allerdings nicht das Problem lösen, dass die Benachrichtigung erst aktiviert werden müsse, bevor sie funktioniere und man auf die unerwünschten Tracker aufmerksam gemacht werde. Dieser Umstand führe zu einer «Ungleichheit des Know-hows zwischen dem Stalker und dem Verfolgten». Ein Ungleichgewicht, das häufig bestehe, wenn neue Technologien eingeführt würden. «Generell wären eine bessere Aufklärung und Sensibilisierung der Nutzer wünschenswert», konstatiert Mathis. 

Entscheidend sei ausserdem, dass Apple bei der Erhöhung und Überprüfung der Sicherheitsvorkehrungen die Userinnen und User mit einbeziehe. «Sicherheit ist ein gemeinsamer Wert und darf nicht im Alleingang angegangen werden», betont Mathis. Es sei jedoch positiv zu vermerken, dass der US-Techkonzern von Anfang an die Privatsphäre gefährdende Nutzung der Airtags in Betracht gezogen habe und er sich bereit erklärt habe, kontinuierlich Verbesserungen vorzunehmen.  

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Stalking betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Aktivier jetzt den Bern-Push!

Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

Deine Meinung

91 Kommentare