«Pole Position» mit Peter Haab: Die vier heikelsten Wochen des Jahres

Aktualisiert

«Pole Position» mit Peter HaabDie vier heikelsten Wochen des Jahres

Der Formel-1-Zirkus steht vor den vier schwierigsten Wochen der Saison 2009: Nicht wegen den Auswirkungen der Finanzkrise. Sondern weil nach erfolgtem Saisonstart Ende März in Australien die Autos nicht mehr getestet werden dürfen.

von
Peter Haab

Was die Ingenieure in den kommenden Wochen mit ihren Piloten in Bahrain, Jerez de la Frontera, Barcelona und Valencia austüfteln, müsste idealerweise Hand und Fuss haben. Denn 2009 gilt erstmals in der Formel-1-Geschichte ein Verbot für Testfahrten während der Saison. Das heisst, wer in den kommenden vier Wochen, bis zum Ende der Vorsaisontests am 12. März in Barcelona, kein WM-verdächtiges Auto auf den Rädern hat, kann die Saison im Prinzip bereits abschreiben. Mit Computer-Simulationen in den Formel-1-Werken sind zwar kleinere Fehler zu beheben. Doch wenn in der Grundkonzeption des Fahrzeugs etwas klemmt, ist nicht mehr viel zu retten.

In den nächsten Wochen geht es für alle Formel-1-Teams also bereits um alles oder nichts. Jeder der offiziell erlaubten 20 Vorsaisontest-Tage muss optimal genutzt werden. Verstecken können die Teams nichts mehr. Wer neue Teile aus dem Werk geliefert bekommt, schraubt sie sofort an den Rennwagen, um zu probieren, ob sie auch im 1:1-Einsatz auf der Rennstrecke das bringen, was sie auf den Computern in der Fabrik versprochen haben.

Tarnen und Täuschen

Noch vor Jahresfrist präsentierte sich die Situation völlig anders. Im Februar ging es den Formel-1-Teams vor allem darum, der Gegnerschaft keine Hinweise auf die eigenen technischen Errungenschaften zu geben. Oder sie sogar absichtlich in die Irre zu führen. Technisch liess sich zu dieser Jahreszeit niemand in die Karten blicken. Rund zwei Monate vor dem Saisonstart war jeweils kein Formel-1-Teamchef dumm genug, der Konkurrenz die Erkenntnisse von monatelanger mühsamer Testarbeit im Windkanal zu offenbaren. Im Gegenteil: In den vergangenen Jahren war im Januar und Februar in der Formel 1 regelmässig «Tarnen und Täuschen» angesagt.

Bis jetzt keine aussagekräftigen Tests

BMW-Sauber testet in diesen Tagen zusammen mit Ferrari und Toyota auf der Wüstenpiste von Bahrain. Ersatzpilot Christian Klien hat am Montag zur Freude der schweizerisch-deutschen Equipe Bestzeit aufgestellt. Das Problem ist nur: Keiner weiss, was diese Zeit wert ist. Denn wie BMW-Sauber sind auch Ferrari und Toyota noch täglich am Pröbeln. Und weil sich das Reglement auf die Saison 2009 hin so stark geändert hat, können die jetzt gefahrenen Rundenzeiten auch nicht mit jenen aus dem Vorjahr verglichen werden. Testzeiten von aussen zu deuten ist übrigens genauso schwierig wie das «Kaffeesatzlesen».

In Barcelona wirds spannend

So richtig spannend wirds vom 9. bis 12. März in Barcelona. In diesen vier Tagen trifft sich das ganze Formel-1-Feld für die letzten Vorsaison-Testfahrten auf dem Circuito de Catalunya. Bei dieser Gelegenheit sind dann die ersten Rückschlüsse auf die neuen Kräfteverhältnisse in der Formel 1 möglich. Danach passiert in der technischen Weiterentwicklung nichts mehr. Nur wenige Tage nach Testschluss werden die Autos nach Australien verfrachtet, wo am 29. März in Melbourne der Saisonauftakt 2009 steigt.

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