Aktualisiert 21.03.2019 09:07

Rollenspieler

Die vierte SCB-Linie ist die Paradelinie

Beim Qualifikationssieger SC Bern liegt derzeit Vieles im Argen. Doch das ist nicht nur eine schlechte Nachricht.

von
ädu
1 / 3
SCB-Stürmer Daniele Grassi von der vierten Linie buchte in den ersten fünf Playoff-Viertelfinalpartien gegen Servette 3 Tore und 1 Assist.

SCB-Stürmer Daniele Grassi von der vierten Linie buchte in den ersten fünf Playoff-Viertelfinalpartien gegen Servette 3 Tore und 1 Assist.

FreshFocus/urs Lindt
André Heim kommt auf 2 Tore und 1 Assist.

André Heim kommt auf 2 Tore und 1 Assist.

Keystone/Peter Klaunzer
Alain Berger gehört auch zur erfolgreichen vierten Linie.

Alain Berger gehört auch zur erfolgreichen vierten Linie.

Keystone/Alessandro Della Valle

Dank dem 4:3-Heimsieg vom Dienstag erhält der SC Bern am Donnerstag in Genf die Chance, den Halbfinaleinzug sicherzustellen. Dass der haushohe Favorit mittlerweile in Führung liegt, verdankt er nicht in erster Linie seinen Stars, sondern einer Gruppe von Spielern, die gewöhnlich nur Nebenrollen bekleiden. «Die vierte Linie ist derzeit der Motor der Mannschaft», sagt Captain Simon Moser anerkennend.

In der Tat wird Daniele Grassi (3 Tore, 1 Assist) nach seinem Doppelschlag im letzten Match in Genf den Topskorer-Helm tragen. Der Tessiner weist mit +4 gemeinsam mit Alain Berger, dem anderen Flügel der vierten SCB-Formation, im Berner Ensemble zudem die beste Plus-Minus-Bilanz auf. André Heim, der Mittelstürmer dieser Linie, kommt auch schon auf drei Skorerpunkte (2 Tore, 1 Assist). In der Qualifikation hatte Heim auch zwei Tore erzielt – in 49 Partien. Grassi, der alle 50 Matches bestritten hatte, war nur zweimal erfolgreich gewesen.

Etliche Spieler im Formtief

Doch nun ist alles anders; die vierte Linie bringt nicht nur viel Energie aufs Eis, sie ist auch produktiv. «Sie machen das, was alle machen sollten», sagt Moser über seine Teamkollegen, die gewöhnlich im Schatten stehen. Doch das Problem der Berner ist: Nur wenige bringen derzeit die Leistung, die von ihnen erwartet wird. Der Kanadier Andrew Ebbett und der nun auch noch angeschlagene Gaëtan Haas? Ohne jede Durchschlagskraft. Nationalstürmer Thomas Rüfenacht? Emsig, aber glücklos. Offensivverteidiger Calle Andersson? Extrem fehleranfällig. Vollständig ist diese Aufzählung nicht.

Die grösste Schwäche ist freilich das Powerplay. Würden die Berner in dieser Disziplin nur Durchschnitt bieten, die Serie wäre wohl schon vorbei. Doch vom Durchschnitt sind sie weit entfernt. In 35 Minuten mit einem Mann mehr haben sie nicht nur keinen Treffer erzielt, sondern sogar noch einen erhalten. Und diese desaströse Bilanz ist nicht etwa dem Pech geschuldet.

Der Affe auf dem Rücken

Gemäss der Website NLicedata.com schiesst der SCB pro Zeiteinheit in Überzahl von allen Playoff-Teams am zweitwenigsten aufs Tor und sorgt für die geringste Gefahr. Viel Zeit, die Mängel durch Training zu beheben, bleibt nicht. «Wir müssen bei fünf gegen vier mit der gleichen Einstellung in die Zweikämpfe gehen wie sonst», fordert Rüfenacht, der hofft, dass Videoanalysen und Gespräche zu einem markanten Fortschritt führen. «In Genf gilt es, in Überzahl auch mal ein dreckiges Tor zu schiessen – dann fällt der Affe vom Rücken.»

Beim Qualifikationssieger liegt also einiges im Argen. Das ist freilich nicht nur eine schlechte Nachricht. Sollte der SCB trotz der Schwierigkeiten weiterkommen, hätte kein anderer Halbfinalist auch nur annähernd so viel Steigerungspotenzial.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.