Aktualisiert 15.01.2018 08:08

Spektakuläre Flugshow

«Die Vögel müssen einen siebten Sinn haben»

Der Basler Fotograf Lutz P. Kayser dokumentierte die Formationsflüge von Staren über Basel. Zu Abertausenden flogen die Vögel im Sonnenuntergang.

von
sis/daf

In riesigen Schwärmen vollzogen die Vögel im vergangenen Herbst spektakuläre Flugmanöver und Formationen am abendlichen Himmel. «Es waren atemberaubende Momente, wenn ich ihre Flugkunst sah, wie geschmeidig, wie schnell, wie chaotisch und dabei höchst diszipliniert und friedlich sie in dieser grossen Anzahl waren», beschreibt der Fotograf Lutz P. Kayser seine Beobachtungen.

Kayser war im Oktober gerade auf dem Heimweg, als er die Massen an Zugvögel ganz plötzlich bemerkte. Der 52-Jährige griff sofort zur Kamera. Die Tiere flogen meist zum Sonnenuntergang nur zehn bis zwanzig Minuten umher und fanden sich danach zum Schlafen in den Bäumen im Zentrum von Huningue ein. Vier Wochen ging das so. Dann zogen sie weiter gen Süden.

Hochprofessionelles Chaos

Beeindruckt war Kayser vor allem von den kunstvollen Flugformationen: Obwohl sie zu tausenden miteinander und eng nebeneinander flogen, sei es nie zu Zusammenstössen oder gar Berührungen gekommen, selbst wenn sie frontal aufeinander zugeflogen sind. Kayser ist sich daher sicher: «Bei diesen Vögeln muss es einen siebten Sinn geben, den wir Menschen nicht haben.»

«Einerseits verhielten sich die Stare völlig chaotisch. Andererseits lief das ganze Phänomen auch hochprofessionell ab», erklärt der Kunstschaffende. Ein Widerspruch, der eigentlich keiner ist, denn die Vögel bewegen sich tatsächlich völlig planlos und scheinbar chaotisch in ihrer Gruppe. Dabei orientiert sich jeder Vogel an seinem Nachbarn. Ändert dieser die Richtung, tun die anderen es ihm gleich. So kommt es zu den unwillkürlichen, wellenförmigen Bewegungen, die die Stare vor Fressfeinden schützen sollen.

Fremde Leute luden ihn auf ihre Terrasse ein

Um die beste Sicht auf die tierische Flugshow zu bekommen, ging Kayser sogar Klinken putzen: «Ich setzte alles daran, um auf die Hausdächer in dieser Gegend zu gelangen. Also fragte ich die Bewohner, ob ich auf ihre Terrasse gehen darf.» Und Kayser hatte Glück. Eine Familie lud ihn tatsächlich zu sich nach Hause ein. Von dort aus konnte er die Geschehnisse am Himmel am besten dokumentieren.

Das Ergebnis präsentiert der passionierte Naturfotograf zurzeit in der Ausstellung «Schwärmen von Staren» in der Galerie des Stellwerk Basel. Dabei sollen die Filme unter anderem auch in einer Rundum-Installation auf vier Wände eines Raumes plus Decke projiziert werden, sowie auch an grosse Häuserwände in Basel. Zu diesem Zweck wird der Fotograf anlässlich der Finnissage am 25. Januar eine Crowdfunding-Kampagne starten.

Wer die Stare unterdessen einmal live erleben möchte: Im Februar kehren die Tiere aus ihrem Winterquartier zurück. Dann lohnt es sich die Augen vom Smartphone abzuwenden und den Blick gen Himmel zu richten.

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Tausende Stare verdunkelten vergangenen Herbst wochenlang den Abendhimmel über Basel und Umgebung.

Tausende Stare verdunkelten vergangenen Herbst wochenlang den Abendhimmel über Basel und Umgebung.

Lutz P. Kayser
«Es waren atemberaubende Momente, wenn ich ihre Flugkunst sah, wie geschmeidig, wie schnell, wie chaotisch und dabei höchst diszipliniert und friedlich sie in dieser grossen Anzahl waren», beschreibt Kayser das Naturspektakel.

«Es waren atemberaubende Momente, wenn ich ihre Flugkunst sah, wie geschmeidig, wie schnell, wie chaotisch und dabei höchst diszipliniert und friedlich sie in dieser grossen Anzahl waren», beschreibt Kayser das Naturspektakel.

Lutz P. Kayser
Kayser war gerade auf dem Heimweg, als er die Massen an Zugvögel ganz plötzlich bemerkte. Der 52-Jährige griff sofort zur Kamera.

Kayser war gerade auf dem Heimweg, als er die Massen an Zugvögel ganz plötzlich bemerkte. Der 52-Jährige griff sofort zur Kamera.

Lutz P. Kayser

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