Aktualisiert

HeiratDie Vorteile einer Ehe

40'000 Menschen geben sich in der Schweiz jedes Jahr das Ja-Wort. Vielleicht auch deshalb, weil ihnen ein Trauschein mehr Vor- als Nachteile bringt.

von
Kathrin Fischer

Das Leben im Konkubinat hat Nachteile, die auch finanzielle Einschränkungen mit sich bringen können. Und Heiraten bringt nicht nur eine bessere Absicherung mit sich, sondern auch zwischenmenschliche Vorteile.

Denn wer heiratet, gewinnt gemäss Ökonomen und Sozialwissenschaftlern viel. Die Ehe beeinflusst das tägliche Verhalten nicht nur negativ. Verheiratete trinken weniger Alkohol, nehmen weniger Drogen und leben gesünder als Singles. Zudem sind Verheiratete glücklicher und haben mehr Sex. Offenbar lohnt es sich nicht nur der Liebe wegen, die Ringe zu tauschen.

Nachteile für Konkubinatspaare

Wer unverheiratet zusammenlebt und voll erwerbstätig ist, hat zwar gegenüber Eheleuten gewisse Vorteile – allerdings nur auf dem Bankkonto. Und diese auch nur so lange, wie keine Kinder kommen und weiterhin zwei Einkommen verdient werden. Beide Konkubinatspartner werden separat besteuert, zahlen eigene AHV-Beiträge und beziehen später ihre je eigenen Renten. Anders sieht es aus, sobald Abhängigkeiten bestehen. Wenn einer der Partner den Haushalt besorgt und die Kinder betreut und sein Einkommen dafür herunterschraubt, so schmälert er oder sie damit die eigene künftige Altersversorgung. Im Konkubinat werden die Einkommen für die Berechnung der Altersrente getrennt betrachtet. Bei Eheleuten werden sie addiert und hälftig geteilt. Ein klarer Vorteil und eine Absicherung für den nicht voll verdienenden Ehepartner.

Ein Vorteil von Gesetzes wegen

Von grossem Vorteil sind Ehen bei Erb- und Schenkungsangelegenheiten. Der Ehepartner und die Kinder sind pflichtteilgeschützte Erben und von Schenkungs- und Erbschaftssteuer befreit. Konkubinatspartner liefern, wenn sie überhaupt erbberechtigt sind, je nach Kanton zwischen 40 und 50 Prozent der Schenkung oder Erbschaft an die Steuerbehörde ab. Erbberechtigt sind sie denn auch nur, wenn etwaige Kinder oder Eltern auf den Pflichtteil gesetzt werden. Nur die frei werdende Quote kann per Testament dem Partner zugewiesen werden.

Etwas benachteiligt ist die Ehe von Doppelverdienern bei der Besteuerung – was immer wieder zu grossen Diskussionen führt. Ehepaare werden nämlich gemeinsam besteuert. Bei Doppelverdienern hat dies wegen Steuerprogression meist eine Mehrbelastung zur Folge. Jeder Kanton hat aber seit Januar 2008 für Ehepaare einen höheren Doppelverdienerabzug eingeführt, um diese Benachteiligung auszugleichen. Dieser kann bis zu 12'500 Franken betragen – zwei Drittel der Ehepaare bezahlen damit nicht mehr Steuern als ein Konkubinatspaar mit gleichen Einkommen. Und: Auch wenn Doppelverdienern aus steuerlicher Sicht das Konkubinat zuerst einmal vorteilhafter erscheint, kann sich die Situation bei gemeinsamen Kindern oder bei Wegfall eines Einkommens schnell ändern.

Klarheit schaffen von Anfang an

Konkubinatspartner haben viel mehr zu regeln als Ehepaare. Sie können beispielsweise nicht einfach - wie Ehepaare - den Partner vertreten, dazu braucht es eine Vollmacht. Banken und Post haben eigens hierfür Formulare. Dies gilt auch für gesundheitsrelevante Entscheide im Falle einer Krankheit oder eines Unfalls. Hier ist gegebenenfalls eine Patientenverfügung sinnvoll.

Ehepartner müssen gegen einander vor Gericht auch kein Zeugnis ablegen. Das gilt nicht für Konkubinatspartner.

Auch wenn am Anfang noch niemand daran denken mag, im Falle einer Trennung ist es wichtig, dass Klarheit darüber herrscht, wem was gehört. Stirbt ein Ehepartner oder lässt sich das Ehepaar scheiden, findet immer eine güterrechtliche Auseinandersetzung statt, aufgeteilt wird dann aufgrund Errungenschaftsbeteiligung oder anderer bestehender eherechtlicher Regelung.

Bei Konkubinatspaaren erhalten Frauen nach der Trennung grundsätzlich keine Unterhaltsbeiträge, es sei denn es gibt einen Unterhaltsvertrag. Wer geheiratet hat, hat hier eine Absicherung. Besonders wichtig ist dies bei gemeinsamen Kindern.

Versprechen zur Vernunft

Auch, wenn eine Ehe heute kaum mehr auf Lebenszeit geschlossen wird, die Liebe als Hauptmotiv für die Ehe hat keinesfalls ausgedient. Immer wichtiger sind aber auch die ganz praktischen Gründe. Die Ehe hat ihren Sinn im zu erwartenden Nutzen, vor allem in der rechtlichen und finanziellen Absicherung. Sie ist denn auch eher ein Versprechen zur Vernunft als ein Versprechen der Liebe. Patrizia, Studentin aus Zürich, bringt es auf den Punkt: «Es ist schön, wenn man erklärt, dass man mit einem anderen Menschen sein ganzes restliches Leben verbringen will. Die Hauptsache ist, dass alle Aussenstehenden wissen, dass die Verheirateten zusammen gehören.» Alle Aussenstehenden, eben auch Arbeitgeber, Vermieter, Pensionskasse und Staat.

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Die wichtigsten Vor- und Nachteile der Ehe

- Im Todesfall gilt der überlebende Ehepartner als Witwe bzw. Witwer. Es besteht Anspruch auf Hinterlassenenrente und auf Erbschaft. Bei Todesfallleistungen der Pensionskasse und der Säule 3a sind Ehepartner und Kinder automatisch die Begünstigten.

- Erbschafts- und Schenkungssteuer ist bei Ehe je nach Kanton massiv gesenkt oder ganz gestrichen.

- Bei binationalen Ehepaaren erhalten die Partner eine Aufenthaltsbewilligung.

- Ehepartner müssen einander unfassend finanziell unterstützen.

- Ehepartner müssen einander über Geldangelegenheiten informieren und gegebenenfalls Haftung für den Partner mittragen.

- Im Rentenalter erhalten Ehegatten Paarrenten, die tiefer sind als die Einzelrenten.

- Bei einer Scheidung kann der besser verdienende Paarteil zu Unterhaltszahlungen verpflichtet werden.

- Bei Doppeleinkommen kann die Steuerbelastung infolge Progression höher sein als bei Konkubinatspaaren.

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