Aktualisiert 17.07.2018 05:47

Basel

Die VR-Brille erobert den Operationssaal

Am Basler Unispital können sich Chirurgen mittels einer eigens entwickelten Software mit der 3D-Brille auf Operationen vorbereiten. Die Technologie stösst auf weltweites Interesse.

von
lha
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Phillippe Cattin, Vorsteher des Departement of Biomedical Engineering in Allschwil, hat mit seinem Team die Software entwickelt, die die VR-Technologie in die Operationssäle des Basler Universitätsspitals brachte.

Phillippe Cattin, Vorsteher des Departement of Biomedical Engineering in Allschwil, hat mit seinem Team die Software entwickelt, die die VR-Technologie in die Operationssäle des Basler Universitätsspitals brachte.

Department of Biomedical Engineering der Universität Basel
Die eigens entwickelte Software rechnet CT-Daten des Patienten in Echtzeit in 3D-Bilder um. Gefässe, Knochen uznd Gewebeteile können so von allen Seiten betrachtet werden.

Die eigens entwickelte Software rechnet CT-Daten des Patienten in Echtzeit in 3D-Bilder um. Gefässe, Knochen uznd Gewebeteile können so von allen Seiten betrachtet werden.

Department of Biomedical Engineering der Universität Basel
Bislang konnten sich die Chirurgen des USB nur mit zweitdimensionalen Bildern auf eine Operation vorbereiten. Die neue Technologie stösst bereits auf weltweites Interesse.

Bislang konnten sich die Chirurgen des USB nur mit zweitdimensionalen Bildern auf eine Operation vorbereiten. Die neue Technologie stösst bereits auf weltweites Interesse.

Department of Biomedical Engineering der Universität Basel

In der Gaming-Industrie haben VR-Brillen längst ihren festen Platz. Jetzt hält die virtuelle Realität auch im Operationssaal Einzug, denn die Technologie birgt für die Chirurgie grosses Potential. Das Basler Universitätspital ist das erste Schweizer Spital, wo Chirurgen in der virtuellen Realität echte Operationen vorbereiten können.

Seit Anfang Jahr werden Eingriffe an Aneurysmata der Hirngefässe und komplexe Operationen an der Wirbelsäule am Unispital Basel mithilfe einer VR-Brille und anhand von 3D-Bildern des Patienten minutiös vorbereitet. Dies ist dank der Software SpectroVR möglich, die ein Team um Professor Philippe Cattin am Departement of Biomedical Engineering entwickelte. Dieses wird von der Universität und dem Unispital gemeinsam getragen.

«Operation wird sicherer und kürzer»

Die Software rechnet Informationen der Computertomografie in Echtzeit in dreidimensionale Bilder um. Mit dem Programm und einer 3D-Brille kann der Operateur nun durch 3D-Modelle von Patientenkörpern navigieren. «Dank dem SpectroVR lassen sich Gewebeteile, Knochen oder auch Blutgefässe von allen Seiten betrachten», heisst es in einem Bericht in der «Gazzetta», dem Mitarbeitermagazin des Universitätsspitals.

«Das bringt uns eine neue Dimension in der Vorbereitung komplexer Eingriffe», sagt Raphael Guzman, Neurochirurg am Universitätsspital Basel. «Das virtuelle Eintauchen in das menschliche Gehrin erlaubt es uns zum Beispiel, die Feinheiten der kranken Gefässe beim Aneurysma aus allen Richtungen zu betrachten und besser zu verstehen. Die Operation wird dadurch sicherer und kürzer», so der Professor für Kinder-Neurochirurgie weiter.

Weltweites Interesse an Basler Technologie

Das Verfahren ist vermutlich eine Weltpremiere. Kliniken aus der ganzen Welt wurden deswegen schon beim Unispital vorstellig. VR wird es vorderhand aber nur in Basler Operationssälen geben. Aktuell sind je zwei Räume in der Chirurgie und Radiologie des USB mit SpectroVR-Brillen ausgestattet, zwei weitere Räume im Universitäts-Kinderspital und der Augenklinik des USB sind geplant. Langfristig sei vorgesehen, VR auch in anderen Kliniken in der Schweiz einzuführen, heisst es im Bericht der «Gazzetta» weiter.

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