17.02.2020 03:49

Milder Winter

«Die Wärme frisst uns den ganzen Schnee weg»

Grüne statt weisse Hügel: Skigebiete in tieferen Lagen haben zurzeit zu kämpfen. Manche Betreiber setzen bereits auf das Sommergeschäft.

von
B. Zanni
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Auch rund um die Sportbahnen Marbachegg im Kanton Luzern weicht die dünne Schneeschicht dem Gras.

Auch rund um die Sportbahnen Marbachegg im Kanton Luzern weicht die dünne Schneeschicht dem Gras.

Marcel Bieri
In der Nacht auf Sonntag hätten Temperaturen von 12 Grad geherrscht, sagt Stefan Wittwer, Betriebsleiter der Sportbahnen Marbachegg. «Die Wärme frisst uns den ganzen Schnee weg.»

In der Nacht auf Sonntag hätten Temperaturen von 12 Grad geherrscht, sagt Stefan Wittwer, Betriebsleiter der Sportbahnen Marbachegg. «Die Wärme frisst uns den ganzen Schnee weg.»

Die Talabfahrt der Marbachegg blieb bisher zu.

Die Talabfahrt der Marbachegg blieb bisher zu.

Frühlings- statt Winterwetter: Mit Temperaturen von rund 20 Grad am Sonntag setzt der Winter seinen Rekordkurs fort. Auch der Januar war im Schnitt rund 2,5 Grad zu warm. Skigebiete in tieferen Lagen sind daher mit schneefreien Hügeln konfrontiert.

«Wir konnten den Skilift diese Saison kein einziges Mal in Betrieb nehmen», sagt Ruedi Rubin, Betreiber des Berner Oberländer Skilifts Faltschen im Kandertal. Ihm und seinen Kollegen falle ein finanzieller Zustupf weg. «Bei uns regnet es kein Geld. Als Bauer ist man froh, wenn man mit dem Lift etwas dazuverdient.» Er hoffe nun auf einen «Bombenwinter» im nächsten Jahr.

Auch Roger Meier, Geschäftsführer der Sportbahnen Atzmännig im Kanton St. Gallen, sagt: «Diese Saison ist bislang grottenschlecht gelaufen.» Sie hätten noch keinen einzigen Schneesporttag gehabt. «Einzig den Übungslift konnten wir zehn Tage laufen lassen.» Seit den 70er-Jahren sei es die erste Saison, in der die Gäste keinen Wintersport betreiben könnten. «Nach zwei Monaten liegt die Umsatzeinbusse bei ungefähr einer Million Franken.»

Sommerrodelbahn statt Ski

Entschärfen würde sich die Situation laut Meier, wenn es noch einen richtigen Winter gäbe oder der Frühling voll in Fahrt käme. «Käme der Frühling richtig, könnten wir die Sommerrodelbahn und die Wanderwege früher in Betrieb nehmen.» Auch rund um die Sportbahnen Marbachegg im Kanton Luzern weicht die dünne Schneeschicht dem Gras. In der Nacht auf Sonntag hätten Temperaturen von 12 Grad geherrscht, sagt Stefan Wittwer, Betriebsleiter der Sportbahnen Marbachegg. «Die Wärme frisst uns den ganzen Schnee weg.»

Die Talabfahrt der Marbachegg blieb bisher zu. «In zwölf Jahren habe ich noch nie erlebt, dass wir diese Abfahrt keinen einzigen Tag öffnen konnten», so Wittwer. Die fehlenden Einnahmen würden ein grosses Loch ins Portemonnaie reissen. «Um diese Ausfälle zu kompensieren, intensivieren wir das Sommergeschäft.»

Wittwer stellt sich darauf ein, dass der Winter auf dieser Höhenlage (900 bis 1500 Meter über Meer) nur noch zwei Monate und der Sommer viel länger dauern wird. Im letzten Sommer hätten sie deshalb als weitere Massnahme eine Bike-Strecke eröffnet. «Früher lebte man vom Winter, jetzt ist e leider nicht mehr zuverlässig.»

«Komisches Gefühl im Februar»

Auch an den grossen Skigebieten geht der milde Winter nicht spurlos vorbei. In Engelberg im Kanton Obwalden war es am Sonntagmittag rund 10 Grad warm. «Wir haben beste Pistenverhältnisse, solche wie im April. Das fühlt sich im Februar schon etwas komisch an», sagt Fréderic Füssenich, Tourismusdirektor der Engelberg-Titlis-Tourismus AG. Die Wintersportler würden das warme Wetter auf der Terrasse geniessen. «Viele reagieren aber auch emotional und hoffen, dass solche Temperaturen nicht der Winter der Zukunft sind.» Auch der geringe Schneefall im Dorf sei immer wieder ein Gesprächsthema. «Diese Saison war es nie richtig Winter. Wir hatten nie minus 20 Grad.»

Ähnlich sah es in den Flumserbergen im Kanton St. Gallen aus. «Wir haben Verhältnisse wie im März, in tiefen Lagen herrschen leichte Sulzverhältnisse. 20 Grad im Tal Mitte Februar ist sicher nicht normal», sagt Heinrich Michel von den Bergbahnen Flumserberg. Die Skigäste würden das warme Wetter auf der Terrasse geniessen. Die Piste kurven auch Gäste hinunter, die anderswo vor grünen Hängen standen. «Einige auswärtige Skiclubs führen hier ihre Rennen durch. Sie kommen aus Skigebieten, die mangels Schnee geschlossen sind.»

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