Aktualisiert 05.04.2014 21:46

Afghanistan

«Die Wahlbeteiligung war wirklich gut»

Die Präsidentenwahl in Afghanistan scheint trotz aller Bedrohungen ein voller Erfolg zu werden. Die Wahllokale wurden nun geschlossen.

Bei der Präsidentenwahl in Afghanistan sind die Wahllokale am Samstagabend offiziell geschlossen worden. Wer sich allerdings vor 17.00 Uhr (14.30 MESZ) am Wahllokal angestellt habe, dürfe seine Stimme noch abgeben, sagte der Sprecher der Wahlkommission (IEC), Nur Mohammad Nur.

Zahlen zur Wahlbeteiligung lagen zunächst nicht vor. Nur sagte aber: «Die Wahlbeteiligung war wirklich gut. Die Mehrheit der Menschen nahm an den Wahlen teil. Das waren erfolgreiche Wahlen.» Wegen des grossen Andrangs hatte die IEC die Öffnungszeiten der Wahllokale landesweit um eine Stunde verlängert.

Drei aussichtsreiche Kandidaten

Schon mehr als eine Stunde vor Öffnung der Wahllokale warteten die Menschen in Kabul und andernorts in langen Schlangen darauf, ihr Kreuzchen zu machen. Zum Auftakt gab der Chef der Wahlkommission, Ahmed Jusuf Nuristani, am Morgen bei einer TV-Übertragung seine Stimme ab und rief alle Afghanen zum Wählen auf.

Die Bürger bestimmten den Nachfolger von Präsident Hamid Karsai, der nach seiner Machtübernahme im Jahr 2001 nicht für eine dritte Amtszeit antreten darf. Zudem werden Provinzräte gewählt. Von insgesamt acht Kandidaten gelten drei als die aussichtsreichsten Bewerber: Abdullah Abdullah, der bereist bei der Wahl 2009 nur knapp Karsai unterlag; Aschraf Ghani Ahmadsai, ein Akademiker und ehemaliger Mitarbeiter der Weltbank; und Salmai Rassul, ein früherer Aussenminister.

Bomben, Raketen und ausgegangene Stimmzettel

Die Wahlen wurden auch von Gewalt durch die Taliban gestört, welche diese im Vorfeld angedroht hatten. In einer mit Wählern gefüllten Schule in der Provinz Logar explodierte eine Bombe und verletzte zwei Männer, einen davon lebensgefährlich. Dies teilte ein Sprecher der örtlichen Regierung mit.

Wegen Raketenangriffen und Gefechten mit Schusswaffen blieben 211 Wahllokale geschlossen, wie die Unabhängige Wahlkommission erklärte. Insgesamt konnten wegen Sicherheitsbedenken demnach 959 Wahllokale nicht genutzt werden. Geöffnet wurden dagegen 6212 Wahllokale.

Der Chef der Wahlkommission, Jusuf Nuristani, bestätigte auch, dass in einigen Orten die Stimmzettel ausgegangen seien.

Nasia Asisi, eine 40-jährige Hausfrau, sagte, sie habe so sehr unter den Kämpfen im Land gelitten, nun wolle sie Sicherheit und Wohlstand, deswegen gehe sie wählen. «Ich hoffe, dass unsere Stimmen gezählt werden und dass es keinen Betrug geben wird», sagte sie. Bei der Wahl 2009 hatten Beobachter massive Probleme bemerkt. (sda)

Obama sieht Präsidentwahl als Meilenstein

US-Präsident Barack Obama hat die Präsidentenwahl in Afghanistan als wichtigen Meilenstein gewürdigt.

Die Bürger hätten vor dem Hintergrund des allmählichen Abzugs der Isaf-Truppen die volle Verantwortung für ihr Land übernommen, sagte Obama am Samstag in Washington. Die Wahl des Nachfolgers von Präsident Hamid Karsai sei entscheidend für die demokratische Zukunft Afghanistans und die anhaltende internationale Unterstützung für das Land.

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